Debatte Anwohner: Vorsorge reicht nicht aus

Die Idylle trügt: Der Erlenbach hat schon beträchtlichen Schaden angerichtet.
Die Idylle trügt: Der Erlenbach hat schon beträchtlichen Schaden angerichtet. © Foto: Franz Glogger
Erbach / Franz Glogger 09.08.2018

Gut und wichtig. So bewertete Anwohner Rudolf Wallich den Hochwasserschutz, der vom Erbacher Gemeinderat beschlossen worden war. Er fügte hinzu: „Das ist aber nur der Schritt eins, dem Schritt zwei folgen muss.“ Wallich wohnt im Hauptort am Erlenbach und hatte zusammen mit seinem Nachbarn Klaus Gapp unlängst in den „Adler“ nach Bach eingeladen, um über den im Juli beschlossenen Hochwasserschutz im Hauptort zu diskutieren (siehe Infokasten). Rund 40 Interessierte kamen. Ihnen zeigte Wallich in einer Präsentation auf, was seiner Meinung nach im Argen liegt.

Zum Beispiel seien die Hauptabwasserkanäle zu gering dimensioniert, so, dass sie im Fall eines Starkregens in den Erlenbach fluteten. Weiter bezweifelt Wallich, ob das Oberflächenwasser aus den neueren und künftig geplanten Baugebieten ausreichend berücksichtigt ist. Vor allem aber sei die Vorsorge für ein 100-jährliches Hochwasser, wie sie vorgesehen sei, nicht ausreichend. Insbesondere, da Fachleute einhellig vorhersagten, dass Anzahl und Menge der Starkregen weiter zunehmen. „Wenn ein Gewitter kommt, lässt mich das nicht ruhig schlafen“, sagte Wallich.

Gapp kritisiert ebenso das geplante Schutzziel: Wenn es dabei bleibt, „dann saufen wir wieder ab“. Zum einen müsse die Höhe der Schutzmauern überprüft, zum anderen müssten vor dem Ort Rückhaltebecken gebaut werden.

In der zumeist sachlich verlaufenden Diskussion ergänzten Besucher Wallichs Befürchtungen. Hermann Locher etwa bezweifelte, ob die im Bachbett eingebrachten großen Kalksteine nötig sind. Sie würden nur den Abfluss behindern. Und Brigitte Krüger wunderte sich, dass ins Bachbett Humus für den Wuchs von Pflanzen geschüttet wurde, anstatt dieses regelmäßig auszuräumen.

Reaktion der Räte

Einmütiger Tenor aus allen Fraktionen: Gut, dass sich Anwohner engagiert einmischen und, wie es Elmar Röhr (SPD) formulierte, „Druck aufbauen“. Zugleich stellte Röhr klar, dass die Anwohner, wo es notwendig ist, Grund abgeben müssen. Sonst scheitere eine rasche Umsetzung. Einig waren sich die Räte auch darin, dass die von Bürgermeister Achim Gaus in Zusammenarbeit mit Fachleuten angebotene Information angenommen werden soll. „Das heute ist der Auftakt. Zusammen mit Fachleuten können Fragen gezielt gestellt und beantwortet werden“, sagte Reinhard Härle (Freie Wähler). Räte und Bürger waren sich einig, dass auch kleinere Maßnahmen wichtig sind, zum Beispiel das Ausräumen von Gräben und Kanaleinläufen.

Der von Gapp und Wallich vehement geforderte „Plan B“, ein 12,5 Hektar großes Rückhaltebecken im Westen von Erbach, stieß dagegen auf Skepsis. Zum einen würden sich die Grundstücksverhandlungen über Jahre hinziehen. Zum anderen würde Wasser bis vor Bach gestaut, was den ebenfalls am Erlenbach liegenden Teilort gefährden könnte. Röhr: „Ich möchte da kein Bacher sein.“

Die Anwohnern Gapp und Wallich wollen nicht gegen Rat und Verwaltung sondern mit ihnen Verbesserungen erreichen.

Faktor 1,15 führt zu höherem Schutzziel

Rückblick In den Jahren 1926, 1955 und zuletzt Ende Mai 2016 trat der Erlenbach über die Ufer und richtete in Erbach erhebliche Sachschäden an. Ursache war das relativ große Einzugsgebiet des bei Ringingen entspringenden Erlenbachs und des vor Erbach zufließenden Hangelenbachs. 1976 wurde der bestehende, für heutige Regenereignisse aber nicht mehr ausreichende Hochwasserschutz errichtet.

Berechnung Aus Publikationen in Fachzeitschriften lässt sich ableiten, dass ein 100-jährliches Hochwasser (HQ 100) mal Faktor 1,15 das in Erbach beschlossene Schutzziel „HQ 100 Klima“ ergibt. Dieses wiederum entspricht etwa einem HQ 200. Hinzu kommt standardmäßig jeweils der so genannte Freibord von mindestens 30 Zentimetern bei Mauern und 50 Zentimeter bei Erddämmen, gemessen ab Pegel HQ 100 Klima.

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