Kommentar von Helga Mäckle Kommentar zur Wahl in Westerstetten

Die drei Kandidaten der Bürgermeisterwahl in Westerstetten. V.l.n.r. Kevin Ley, Inge Höhe und Amtsinhaber Alexander Bourke.
Die drei Kandidaten der Bürgermeisterwahl in Westerstetten. V.l.n.r. Kevin Ley, Inge Höhe und Amtsinhaber Alexander Bourke. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Westerstetten / Helga Mäckle 03.12.2018

Eigentlich hätte es eine klare Sache werden können für den Wester­stetter Bürgermeister Alexander Bourke. Der 38-Jährige ist seit fast acht Jahren im Amt und kann auf eine ordentliche Liste von Projekten verweisen, die er umgesetzt hat. Warum aber haben ihn dann gestern 700 – mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten in Westerstetten – nicht wieder zu ihrem Bürgermeister gewählt? Das Ergebnis lässt nur einen Schluss zu: Bourke hat die Bürger nicht von seinem Können und seinen Leistungen überzeugt. Bereits in der Kandidatenvorstellung Mitte November wurde deutlich, dass sich die Westerstetter von ihrem Bürgermeister nicht ausreichend informiert fühlen: Die Kritik lautete – übrigens sehr ähnlich wie beim Erbacher Bürgermeister Achim Gaus im Oktober –, Bourke erkläre nicht ausreichend, was in der Gemeinde geschieht, beteilige die Leute zu wenig an Entscheidungen, sei oft unnahbar.

Die Kritik mag zu Teilen berechtigt sein. Zumal Sympathien und Antipathien bei einer solchen Position eine gewichtige Rolle spielen. Kritikwürdig ist aber in vielerlei Hinsicht auch die Anspruchshaltung der Bürger. Deretwegen haben bereits einige Berufskollegen von Bourke das Handtuch geworfen. Oder wie sagte mal einer, der nicht mehr zur Wahl antrat: „Du bist halt immer der Depp, wenn was nicht funktioniert oder nicht so läuft. In dem Job brauchst du ein verdammt
dickes Fell.“ Denn der Bürgermeister soll sich um alles kümmern: von der kaputten Straßenlampe bis zur Bereitstellung von schnellem Internet. Er soll jeden Kanaldeckel kennen ebenso wie sämtliche EU-Förderprogramme. Er soll immer freundlich und zugewandt sein, aber auch klare Kante zeigen, wenn’s drauf ankommt. Das ist der klassische Fall der eierlegenden Wollmilchsau. Die gibt es nicht. Auch nicht als Bürgermeister.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel