Verkehr Anschluss nicht verpassen

Autobahnunterführung bei Hohenstadt: Kennen die Planer des neuen Albaufstiegs die besondere Topografie? Diese Frage wurde im Laichinger Gemeinderat gestellt.
Autobahnunterführung bei Hohenstadt: Kennen die Planer des neuen Albaufstiegs die besondere Topografie? Diese Frage wurde im Laichinger Gemeinderat gestellt. © Foto: Sabine Graser-Kühnle
Laichingen / Sabine Graser-Kühnle 27.07.2018

Derzeit sind die Pläne des Regierungspräsidiums Stuttgart zum Bau des neuen Albaufstiegs der A 8 im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens öffentlich ausgelegt. Auch in Laichingen liegen dazu knapp 30 Ordner zur Einsicht bereit. Der Laichinger Bürgermeister Klaus Kaufmann und die Gemeinderäte sind mit den Plänen grundsätzlich einverstanden. Doch harsche Kritik gibt es in mehreren Punkten, die die Laichinger Alb unmittelbar betreffen.

Insbesondere der nicht vollwertige Anschluss bei Widderstall nahe Hohenstadt (im Planwerk als Anschlussstelle Hohenstadt benannt) und rund vier Kilometer westlich von der Anschlussstelle Merklingen, wurde kritisiert. Wie berichtet, ist die dortige Auffahrt lediglich in Richtung München geplant. Als Gründe nennen die Planer ein zu geringes Verkehrsaufkommen in Richtung Stuttgart. Ihr Argument: Aufgrund der Rückstufung des alten Albaufstiegs zur Landesstraße werden sich die meisten Kraftfahrer aus dem Laichinger Raum dafür entscheiden, nicht bei Hohenstadt auf die Autobahn zu fahren, sondern die Landstraße zu nutzen und in Mühlhausen über den gut ausgebauten Anschluss aufzufahren.

Zuwachs an Einwohnern

Die Zahlen, auf die sich die Planer stützen, stammen von einer Verkehrszählung, die in einer Zeit vorgenommen wurde, als die Ortsdurchfahrt Hohenstadt gesperrt war. Die werden von Laichingen daher bezweifelt. Bürgermeister Kaufmann lenkte den Blick auf die Veränderungen in Merklingen mit dem künftigen Bahnhof und dem vorgesehenen neuen interkommunalen Gewerbegebiet. Er stützte sich hinsichtlich des Einwohnerzuwachses auf die Zahlen des Regionalverbands Donau-Iller und verwies auf den jetzt schon überlasteten Autobahnanschluss Merklingen. Ulrich Rößler (BWV) sprach gar von Überlastung, nachdem sich dort „dreimal pro Woche ein Rückstau bis nach Machtolsheim“ bilde. Der Bürgermeister ist überzeugt davon, dass Verkehrsteilnehmer, die nach Stuttgart wollen, lieber bei Widderstall auffahren werden als die Landesstraße nach Mühlhausen zu nutzen. „Dort sind dann nämlich außerdem Traktoren und Lastwagen unterwegs, und bei dem Gefälle wird der Verkehr sicher wie gewohnt langsam fließen.“

Der einstimmige Beschluss des Laichinger Gemeinderats: Eine neue Verkehrszählung soll durchgeführt und die Anschlusstelle Hohenstadt (bei Widderstall) soll zu einem vollwertigen Anschluss mit Zu- und Ausfahrten in beiden Richtungen geplant werden.

Weiter ging es in der Kritik am Planwerk: Die Auffahrt auf die künftige Landesstraße (derzeit Albaufstiegstrecke der A 8), direkt hinter der Autobahnunterführung vor Hohenstadt sei eine „große Gefahrenstelle“, meinte Bernhard Schweizer (LAB). Er bezweifelte, dass den Planern die örtliche Topografie bekannt ist: Der Streckenabschnitt befindet sich in einer tiefen Senke. Auch hier erfolgte eine klare Stellungnahme: Überprüfung der Planung vor Ort und Korrektur des Anschlusses. Damit waren die Räte noch nicht zu Ende mit ihrer Kritik. Der jetzige Albabstieg soll entsprechend der Planung teilweise renaturiert werden. Die Räte wünschen sich dort zumindest einen Anschluss an das Radwegenetz.

Der Diskussion fehlte es nicht an Zynismus: „Unmöglich“ und „lächerliche Zahlen“ titelte Bernhard Schweizer (LAB), Ulrich Rößler (BWV) sprach gar von „blödsinniger Planung, anderes erwarte ich aber eigentlich gar nicht mehr“. Gisela Steinestel (IGEL) wollte die Formulierungen in der Stellungnahme Laichingens doch etwas „dringlicher“ als die Verwaltung formuliert haben: „Sonst werden wir vielleicht nicht ernst genug genommen.“

Straße als Forstweg oder als neue Zufahrt?

Rückbau Diskussionsgegenstand war im Laichinger Gemeinderat außerdem die Gemeindeverbindungsstraße zwischen Machtolsheim und Hohenstadt. Die ist, entsprechend der rechtskräftigen Planfeststellung im Zusammenhang mit der Ortsumfahrung Machtolsheim, zum Rückbau vorgesehen und soll nur noch der Land- und Forstwirtschaft zur Verfügung stehen. Laichingen sieht nun die Gefahr, dass diese Straße im Zusammenhang mit dem neuen A 8-Albaufstieg als Verbindungsstraße zur Anschlussstelle Hohenstadt (bei Widderstall) vorgesehen ist und dann mit mehr Verkehr zu rechnen ist.

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