Erbach Anschauungsunterricht mit Pastinake und Zucchini

Gemüse auf den Tisch! Das fordert die Aktion "Außer Haus Essen". Die Erbacher Schüler scheinen sich damit erst noch anfreunden zu müssen.
Gemüse auf den Tisch! Das fordert die Aktion "Außer Haus Essen". Die Erbacher Schüler scheinen sich damit erst noch anfreunden zu müssen. © Foto: Franz Glogger
FRANZ GLOGGER 05.02.2015
Woher kommen im Winter Erdbeeren, wo wächst Gemüse, wieviel sollte man davon essen? Antworten erhielten Schüler der Erbacher Schillerschule im Rahmen der landesweiten Aktion "Außer Haus Essen".

Die Viertklässler drängen sich in der Erbacher Schulmensa um einen Tisch mit zwei kleinen Kisten. Die eine ist mit Obst gefüllt, die andere mit Gemüse. Jessica Schmidt hält eine Zucchini hoch und fragt in die Runde, wer die Frucht kennt. "Gurke!" ruft ein Schüler, "Aubergine" ein anderer. Die meisten kennen das Kürbisgemüse zwar aus Mutters Küche, doch keinem fällt der richtige Name ein. Auch bei anderen Gemüsesorten wie Rotkohl tun sich die Kinder schwer, bei Pastinaken sowieso.

Beim Obst hingegen sind die richtigen Antworten selbstverständlich: Banane, Apfel, Mandarine, Orange, Zitrone. Das schmeckt auch lecker, wie einige der Kinder mit entsprechender Mimik betonen. Auf die Frage, ob auch Gemüse auf den Teller darf, kommt dagegen ein eher ein abschätziges "schon mal".

Das wollen Jessica Schmidt, Ernährungsberaterin vom Landratsamt Alb-Donau, und Claudia Mederer, Diät-Assistentin von der Landesinitiative Bewusste Kinderernährung (Beki), ändern. Sie sind im Rahmen der Ernährungstage des Ministeriums für ländlichen Raum und Verbraucherschutz unterwegs und haben jetzt an der Schillerschule in Erbach Station gemacht. "Außer Haus Essen" lautet der Titel der Aktion, die in insgesamt 60 Mensen, Kantinen und ähnlichen Einrichtungen stattfindet. Immer mehr Berufstätige und Kinder essen auswärts, erläuterte Jessica Schmidt. Und wenn in der Folge zu Hause weniger gekocht wird, geht auch Wissen über Lebensmittel und deren Zubereitung verloren.

In der Erbacher Schule ging es den beiden Fachfrauen vor allem darum, die Kinder auf die Vielfalt gesunden Essens aufmerksam zu machen. So lernten die Schüler nicht nur die vielen Sorten kennen, sie erfuhren auch, dass Gemüse meist im oder am Boden wächst, Obst auf Sträuchern und Bäumen und süß schmeckt - außer der Zitrone: Die gehöre deshalb auch auf ein Schnitzel, meinte ein Mädchen.

Beeindruckt waren die Kinder, als sie erfuhren, was in Obst und Gemüse alles drinsteckt und wie die Stoffe helfen, dass der Körper gesund bleibt: zum Beispiel Vitamin C, das als Verhinderer von Erkältungen wirkt. Bei der Frage eines Jungen, warum Gemüse und Obst so viele gesunde Stoffe enthält, kamen die Fachfrauen ins Grübeln. "Tja, vermutlich, damit ihr gesund bleibt", zog sich Claudia Mederer geschickt aus der Affäre. Bei den älteren Schülern waren zudem Umweltaspekte ein Thema, wie etwa Erdbeeren im Winter: Die müssen nämlich in der kalten Jahreszeit per Flugzeug aus fernen südlichen Ländern importiert werden.

Schlussendlich durfte der Hinweis nicht fehlen, wieviel Obst und Gemüse der Körper täglich braucht, um gesund zu bleiben. Die Schätzungen der Kinder reichten dabei von drei Mal bis drei Millionen. "Fünf Portionen", klärte Claudia Schmidt auf: drei Mal Gemüse, zwei Mal Obst oder umgekehrt. Die Maßeinheit, wie groß eine Portion ist, habe jeder bei sich: die Hände. Bei großen Früchten reicht eine Hand, bei kleinen wie Trauben nimmt man die zweite zu Hilfe. Und: "Einfach Form und Farbe regelmäßig wechseln", empfahl Claudia Mederer.

Romina, Annika, Ömer und Ethem haben in der Schulstunde einiges gelernt. Obst steht bei allen täglich auf dem Speiseplan. Bei Gemüse gehen die Geschmäcker allerdings auseinander. "Spinat liebe ich", sagte Romina, während Ömer ihn hasst und Annika Karotten und Gummibärchen klasse findet. Cornflakes zum Frühstück und schlichtes Wasser als Getränk sind selbstverständlich, wie auch kleine Sünden. "In der Schule kauf' ich mir dann ab und zu Zitronenlimonade", verriet Romina.

Workshop über Ernährungs-Unterricht

Fortbildung Ehe die Küche ins Klassenzimmer kommt, müssen die Lehrer zur Fortbildung. Eine solche bietet der Fachdienst Landwirtschaft des Landratsamts Alb-Donau am Mittwoch, 18. März, an. Lehrkräfte, die dritte Klassen unterrichten, können dann den "aid- Ernährungsführerschein" erwerben. In dem dreistündigen Workshop geht es darum, den Ernährungs-Unterricht zu gestalten. Die Schüler sollen selbst Salate, Quarkspeisen und andere kleine Gerichte zubereiten. Dazu gehören Obst und Gemüse schneiden, der Umgang mit Küchengeräten und das Lesen und Verstehen von Rezepten. Zur Vorbereitung des Unterrichts dient ein Medienpaket, das für teilnehmende Schulen kostenlos ist. Anmeldung zur Fortbildung unter Tel. (0731) 185 31 74.