Natur Anlage eines Biotops in Staig verhindert

Etwa 100 Meter von der Mündung des Reichenbachs (unser Bild) in die Weihung wollte die Gemeinde Staig ein Teich-Biotop anlegen. Daraus wird nach Intervention des Umweltministeriums in Stuttgart nichts.
Etwa 100 Meter von der Mündung des Reichenbachs (unser Bild) in die Weihung wollte die Gemeinde Staig ein Teich-Biotop anlegen. Daraus wird nach Intervention des Umweltministeriums in Stuttgart nichts. © Foto: Franz Glogger
Staig / Von Franz Glogger 07.06.2018

Mir stinkt das gottserbärmlich. Ich erwarte von den Grünen nicht viel, aber dass sie das hinbekommen schon.“ Der Staiger Gemeinderat Erich Kienhöfer war in der Sitzung am vergangenen Dienstag auf 180. Auslöser war die Mitteilung von Bürgermeister Martin Jung, dass das geplante „Sekundär-Biotop“ an der Weihung nicht gebaut werden dürfe. Auf Anweisung des Umweltministeriums in Stuttgart.

Der Teich sollte 60 mal 40 Meter messen und zu den Häusern einen Abstand von etwa 80 Metern haben (wir berichteten). Das Ministerium habe die untergeordneten Ämter „höchst formell angewiesen“, das Vorhaben aus der Planung zur Renaturierung der Weihung zu streichen. Als Grund werde die Lautstärke von möglichem Froschgequake angeführt, erläuterte Jung. Demnach sei nachts im Schnitt mit 53 Dezibel lauten Tiergeräuschen zu rechnen. Nach eindeutiger Recht­sprechung sei diese Lautstärke den Anwohnern nicht zuzumuten. „Niemand weiß, ob das so kommt, aber es wird angenommen, dass es so sein könnte“, fügte Jung spitz hinzu. Er empfahl dem Gemeinderat, keine Rechtsmittel einzulegen und sich auf andere Ziele zu konzentrieren. Zum Beispiel auf den neben dem Biotop vorgesehenen Bolzplatz.

Anstoß durch Petition

Die Ablehnung ins Rollen gebracht hatte ein Anwohner mit einer Petition an den Landtag in Stuttgart. Sie war im Februar eingegangen, anschließend wurde das Umweltministerium zu einer Stellungnahme aufgefordert.

„Ein grün geführtes Ministerium, super!“, schimpfte Kienhöfer. Ihn ärgere, dass wenige ein Vorhaben zum Kippen bringen, das viele begrüßt hätten, vor allem junge Familien mit Kindern. Die meisten anderen Räte waren ebenso verblüfft. Uwe Schacher bestätigte, dass viele das Projekt „toll gefunden“ hätten und forderte, mit anderen Vorhaben etwas für junge Leute zu tun, beispielsweise mit einer Skateranlage. Otto Weiß verwies auf Alb-Dörfer, deren wassergefüllte Hülen mitten im Ort niemanden störten: „Müssen die jetzt auch geschlossen werden?“ Regina Rehm zeigte ebenfalls kein Verständnis für die Entscheidung. Motorräder dürften mit einer Lautstärke durch die Orte fahren, „dass man nachts im Bett steht“. Aber Frösche würden nicht genehmigt.

Die Mehrheit der Räte hält wie Jung ein Widerspruchsverfahren für aussichtslos. Trotzdem wurde der Bürgermeister beauftragt, abzuklären, ob der Teich etwas weiter weg von den Wohnhäusern eine Chance hat. Ansonsten sollen Projekte wie Bolzplatz, Skaterpark oder ähnliches favorisiert werden. Jung: „Die quaken sicher nicht.“

Viele Vorhaben entlang der Weihung

Renaturierung Entlang der Weihung plant die Gemeinde Staig etwa 15 Einzelvorhaben. Zum Beispiel Aufweitungen des Bachbetts, Ausleitungen in die Aue und der Abbau von Sohlschwellen, die eine Wanderung von Lebewesen flussaufwärts verhindern. Von dem Teich-Biotop als Zone der Naherholung sollten die Bürger profitieren. Die Renaturierung ist auf knapp eine Million Euro veranschlagt. Das Land hat eine Förderung von 85 Prozent zugesagt. Die Bauzeit erstreckt sich über drei Jahre.

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