Porträt Andachten im WhatsApp-Stil

Langenau / Oliver Heider 12.02.2019

Lisa, Ben, Marie und Leon haben eine WhatsApp-Gruppe gegründet. Darin chatten sie mit „Preacherman“, „Einstein“ und Gott höchstpersönlich – und erörtern vieles, was junge Menschen zwischen 12 und 20 Jahren umtreibt.

„Wer bin ich? Wo will ich hin? Was, wenn ich Außenseiter bin? Oder Liebeskummer habe?“ Um diese Fragen drehe sich sein erstes Buch, sagt Stefan Kleinknecht (30) beim Besuch seiner Heimatstadt Langenau (siehe Infokasten). Titel: „Love your life! 70 Andachten im WhatsApp-Style“.

Missionieren will er nicht

Das Besondere an dem Werk, das eine Mischung aus Jugendbuch und Ratgeber ist: Es ist verpackt in einen WhatsApp-Gruppenchat. „Das Buch sollte nicht allzu lange Texte beinhalten, in der Lebenswelt der Teenager spielen und sie dort abholen“, erklärt der 30-Jährige seine Intention. Er wolle Anregungen geben, zum Nachdenken animieren, helfen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Über weltliche Probleme. Auch über den Glauben, Gott.

Missionieren wolle er nicht. „Ich will niemandem eine bestimmte Glaubensrichtung aufzwingen“, sagt der evangelische Christ, dessen Eltern in Langenau wohnen, während er in Mittelhessen lebt. Neugierig auf den Glauben wolle er aber schon machen – in seinem Werk, das 240 „Smartpages“, Seiten, hat und bisher rund 2000 Mal verkauft wurde.

Der Grafiker des Verlags Gerth Medien habe versucht, das Smartphone ins Buch zu bringen. „Das hat er super hinbekommen“, findet Kleinknecht. In der Tat ist die ungewöhnliche Darstellung, in der auch abscannbare QR-Codes auftauchen, ein Hingucker. Nur ein paar Emojis mehr hätten es schon sein dürfen.

Emotionen indes fehlen freilich nicht: etwa wenn Maries verliebtes Herz Purzelbäume schlägt, Leon seinem verstorbenen Opa nachtrauert, Ben ohne Anlass eine Postkarte von unbekannt bekommt oder Lisa sich heftig mit ihrem Bruder streitet. Wie gut, dass es da den „Preacherman“ gibt, der sich in Glaubensfragen gut auskennt, den Querdenker „Einstein“, der super viel weiß – und natürlich Gott, der an manchen Stellen „göttliche Gedanken“ einfließen lässt.

Viele Werte, die ihm wichtig seien, erklärt Kleinknecht, habe er in das Buch gepackt, für das er zwei Jahre von der Idee bis zum Druck gebraucht habe. Manches sei ihm flugs von der Hand gegangen, bei anderem – etwa dem Thema Tod – sei es nicht leicht gewesen, gedanklich „Wertvolles weiterzugeben“.

Eines aber ist ihm besonders wichtig: „Wir müssen auf die Schöpfung Gottes gut aufpassen, weil sie so schön ist“, sagt Kleinknecht. Das treffe auch auf Langenau zu, wohin er im Schnitt alle zwei Monate zurückkehre. „Es ist immer noch meine Heimat.“

Erzieher kümmert sich um unbegleitete Flüchtlinge

Vita Stefan Kleinknecht wurde in Langenau geboren, wuchs dort auf und machte sein Abitur am Robert-Bosch-Gymnasium. Im Alter von 21 Jahren verließ er die Naustadt, um in Deutschland herum zu kommen, wie er sagt. Inzwischen lebt der 30-Jährige im mittelhessischen Langgöns, zwischen Gießen und Wetzlar. In einem Nachbarort kümmert er sich als ausgebildeter Erzieher in einer Einrichtung um unbegeleitete minderjährige Flüchtlinge von 16 bis 21 Jahren. Nebenher schreibt er für die christliche Zeitschrift „teensmag“.

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