Wirtschaft Aluminium-Beschichtung ist gefragt

Die Firma Holder nutzt die großen Hallen des früheren Laichinger Unternehmens Süddekor, um große Beschichtungsanlagen mit einer Länge von 70 Metern und mehr aufzubauen. Der Standort wird für Holder zum Aluminium-Kompetenzzentrum.
Die Firma Holder nutzt die großen Hallen des früheren Laichinger Unternehmens Süddekor, um große Beschichtungsanlagen mit einer Länge von 70 Metern und mehr aufzubauen. Der Standort wird für Holder zum Aluminium-Kompetenzzentrum. © Foto: Thomas Spanhel
Laichingen / Thomas Spanhel 01.08.2017
Der Oberflächen-Spezialist Holder baut ihren Laichinger Standort zu einem Technologie-Zentrum aus. Neun Millionen Euro werden für zwei Passivieranlagen und ein Blockheizkraft investiert.

In den nächsten Tagen geht eine erste große Passivieranlage bei dem Oberflächen-Spezialist Holder in Laichingen in Betrieb. Bis zum Ende des Jahres wird eine zweite folgen. Insgesamt steckt das Unternehmen mit Hauptsitz in Kirchheim unter Teck rund acht Millionen Euro in die beiden Anlagen, mit der spezielle Schutzschichten auf gestanzte und gegossene Aluminium-Teile aufgetragen werden. Hinzu kommt der Bau eines Blockheizkraftwerks für rund eine weitere Million Euro. Der Laichinger Bauausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung den Ausbau-Plänen einmütig zugestimmt. Schritt um Schritt, aber maßvoll, wie es sich für ein familiengeführtes mittelständisches Unternehmen gehört, soll der Standort Laichingen in den nächsten Jahren immer weiter zum Kompetenzzentrum für Aluminium ausgebaut werden, sagt Geschäftsführer Jochen Holder.

Die Firma Holder ist zertifizierter Partner der Automobilindustrie und verbessert ständig die Beschichtungstechnologie bei Aluminium-Bauteilen für Fahrzeuge. Diese werden immer stärker nachgefragt, weil Aluminium sehr leicht ist und für sparsame Fahrzeuge gebraucht wird. Innovative Beschichtungen gelten gleichzeitig als Fundament für die neue Leichtbauweise bei Autos, weil nur so ganz verschiedene Werkstoffe sinnvoll miteinander verbunden werden können. Auch für den Elektroantrieb der Autos werden die richtigen Aluminium-Beschichtungen eine wichtige Rolle spielen, ist sich Holder sicher: „Wir richten unser neues Laichinger Werk konsequent auf die Zukunft hin aus.“

Allerdings sind die Beschichtungsverfahren bei Aluminium aufwändig. Bei Gussteilen ist es beispielsweise wichtig, dass ölhaltige Trennmittel, die sich eingebrannt haben, vor der Weiterverarbeitung entfernt werden. Bei gestanztem Aluminium stören Stanzfette, von denen das Metall befreit werden muss. Selbst Ultraschall kommt zum Einsatz, um zu überprüfen, ob die Teile wirklich sauber sind. Erst danach können die Autoteile wirklich zuverlässig überlackiert, verklebt oder verschweißt werden.

Holder beschichtet für die Autoindustrie nicht nur Teile der Karosserie wie etwa das Dach oder Seitenteile, sondern auch tragende Teile wie die B-Säule im Fahrzeug, die bisher normalerweise nur aus sehr festem Stahl hergestellt wurde, um die Insassen bei Unfällen zu schützen. Durch innovative Legierungen kann inzwischen auch das leichtere Aluminium für solche Teile verwendet werden, muss allerdings einem speziellen Verfahren unterzogen werden, damit das Metall nicht am Ende korrodiert und instabil wird.

Eine große Herausforderung ist es, all die innovativen Verfahren zur Behandlung von Aluminium so zu verknüpfen, dass die Autoteile trotzdem möglichst kostengünstig in Serie produziert werden können. Dazu dienen die beiden riesigen neuen Anlagen, die in Laichingen arbeiten werden. Die eine ist 70 Meter lang, 15 Meter breit und 12 Meter hoch, berichtet Holder, die andere noch mal einige Meter länger.

Anlagen mit 70 Metern Länge

„Die Anlagen werden auf unsere Vorgaben hin von einem Anlagenbauer aufgebaut“, berichtet Jochen Holder. Reinigungsprozesse, Wärmebehandlungen und Beschichtungen können dann vollautomatisch vor sich gehen.

Die erste Anlage läuft, wird derzeit aber noch „freigeprüft“. Erst dann kann die Massenproduktion starten. Wegen der komplizierten Verfahren mit chemischen Substanzen unterliegen alle Anlagen-Teile einem strengen Genehmigungsverfahren. „Keiner hier nimmt den Umweltschutz auf die leichte Schulter“, betont Holder. „Wir haben viel Erfahrung mit Abwässern und einen hohen Standard.“ Normalerweise wird Kreislaufwasser verwendet. Ein Vorteil: Süddekor hat bereits früher mit viel Chemie gearbeitet, Installationen zum Reinigen sind vorhanden.

Mit den Maschinen werden auch weitere Arbeiter benötigt. Gegenwärtig sind es etwas über 35, Anfang nächsten Jahres dürften es zwischen 50 und 60 sein, schätzt Holder.

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