Blaubeuren Alte Häuser mit reicher Geschichte

Dr. Otto-Günter Lonhard erhielt einen Landespreis für Heimatforschung.
Dr. Otto-Günter Lonhard erhielt einen Landespreis für Heimatforschung.
Blaubeuren / THOMAS SPANHEL 27.11.2012
Dr. Otto-Günter Lonhard hat für sein "Blaubeurer Häuserbuch" einen Landespreis für Heimatforschung verliehen bekommen. Das Buch berichtet vom wechselvollen Schicksal der Menschen in alten Zeiten.

Fast unverändert sind die Grundstücksparzellen in Blaubeuren seit dem Mittelalter erhalten geblieben. Das war eine überraschende Erkenntnis für Dr. Otto-Günter Lonhard, den gebürtigen Blaubeurer und Stadthistoriker, bei der Arbeit an seinem "Blaubeurer Häuserbuch". Auch Amüsantes hat er bei der detailreichen Arbeit entdeckt: So waren Misthaufen, die "Dunglege", früher nicht nur genehmigungs-, sondern auch "zinspflichtig" und tauchen in alten Geschichtsquellen auf.

Am vergangenen Donnerstag hat Lonhard von Jürgen Walter, Staatssekretär im Wissenschaftsministerium, einen zweiten Landespreis für Heimatforschung in Bräunlingen überreicht bekommen. "Die Befassung mit der lokalen Geschichte und mit den lokalen Traditionen ist essentiell für unsere kulturelle Identität", sagte Walter bei der Preisverleihung. Der Landespreis ist mit insgesamt 10 200 Euro dotiert, es wurden ein Hauptpreis über die "Kirchfeldsiedlung" in Karlsruhe vergeben, zwei zweite Preise sowie ein Jugendförder- und Schülerpreis.

Lonhard, der vor seiner Pensionierung im Jahr 1998 Präsident des Landesrechnungshofes war, hat sich schon im Zusammenhang mit seiner 1958 gedruckten Doktorarbeit über die Rechtsgeschichte des Blaubeurer Benediktinerklosters mit der Geschichte Blaubeurer Häuser auseinandergesetzt: "Die Stadt gab es vor dem Kloster nicht", berichtet Lonhard. Als er die Quellen aus dem Klosterarchiv durchforstete, habe es sich geradezu aufgedrängt, sich mit der Geschichte der alten Häuser zu beschäftigen. Die meisten davon waren in den Klosterakten nämlich ab 1457 verzeichnet, weil die Eigentümer dann unter anderem den "Feuerzins" bezahlen mussten. Lonhard legte sich Karteikarten zu gut 250 Blaubeurer Häusern an. Sie standen innerhalb der Stadtmauern, in der Vorstadt und an der Blau. Nach seiner Pensionierung durchforstete er Steuer- und Kaufbücher sowie Dokumente von Inventuren und Häuserteilungen bis 1820 und verfasste schließlich sein Buch.

Darin lässt sich nun auch die Geschichte von Familien in Häusern über viele Generationen hinweg verfolgen. So erfährt man beispielsweise, dass das älteste noch stehende Blaubeurer Haus in der Klosterstraße 7 im Jahr 1391 errichtet wurde. Seit 1559 bewohnte es der Augsburger Scherer und Wundarzt Conrad Zehe, der 1562 Blaubeurer Bürger wurde und Stadtbaumeister war. Sein Sohn Georg Zehe übernahm später das Haus - er war ebenfalls Wundarzt, Barbier und Stadtbaumeister. 1627 gehörte das Haus einem Schuhmacher, später einem Teppichmacher, dann einem Seiler und einem Amtsbürgermeister, der es 1706 verkaufte.

Anmerkungen in den Dokumenten lassen Schicksalsschläge wie Tod, Armut oder Trennung erkennen - wenn beispielsweise 1566 Jakob Eisselin aus dem Haus in der Webergasse 13 wegzieht "unter Zurücklassung seiner Frau".

Keine Frage, das Buch, das Lonhard bereits 2005 in kleiner Auflage veröffentlicht hat, ist eine Fundgrube für die Blaubeurer Stadtgeschichte. Lonhard erinnert sich noch an seine Jugend in Blaubeuren, als er viele der alten Häuser, die er im Buch beschreibt, noch kaum verändert gesehen hatte. Später wurden etliche davon abgerissen. Dank seines Buchs bleiben sie der Nachwelt im Bewusstsein.

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