Illerrieden Altbürgermeister Franz Geisinger: Zeitzeuge, Ehevermittler und Hauptakteur

Illerrieden / WERNER GALLBRONNER 04.11.2013
48 Jahre lang leitete Franz Geisinger Illerriedens Geschicke. Er sah sich nicht als Kommunalpolitiker, sondern als kommunalpolitisch Verantwortlicher.

Für die heutige Generation der Illerriedener, Wangener und Dorndorfer ist es selbstverständlich, dass sie eine Einheitsgemeinde sind. Sie gehören kirchlich zusammen und sind gemeinsam in den Illerrieder Vereinen aktiv. Nur einen Friedhof hat jeder Ortsteil selber. Der Druck zum Zusammenschluss kam aber von oben, vom Land mit seiner Gemeinde- und Verwaltungsreform von 1968 bis 1974.

Schon früh haben in dieser Phase die Wege von Dorndorf und Illerrieden zueinander geführt: Ende des Jahres 1970 haben sich die Gemeinderäte beider Orte einstimmig für eine Eingliederung Dorndorfs entschieden mit Wirkung zu Neujahr 1971. "Es war im damaligen Kreis Ulm nach Blaustein erst der zweite Gemeindezusammenschluss", erinnert sich Altbürgermeister und Ehrenbürger Franz Geisinger. Förderlich war, dass er damals schon gut vier Jahre lang Bürgermeister beider Ortschaften in Personalunion war. "Die Verhandlungen fanden in einer äußerst harmonischen und vertrauensvollen Atmosphäre statt." Damit war aber Illerrieden noch nicht groß genug: Regglisweiler und Wangen sollten dazukommen, die Gespräche dazu waren sehr weit fortgeschritten. "Das Kind ist gezeugt, es muss nur noch geboren werden", hatte Geisinger dem damaligen Landrat Wilhelm Bühler mitgeteilt. Doch es kam anders: Die Dietenheimer Stadträte wurden aktiv, warben mit dem Versprechen größerer Finanzkraft um Regglisweiler, das schließlich umschwenkte.

"Nicht zuletzt das Verhalten des Regglisweiler Gemeinderats führte dazu, dass sich Wangen ohne wenn und aber zu einer Einheitsgemeinde mit Illerrieden bekannte." Am 1. März 1972 wurde sie Realität - und laut Geisinger eine Erfolgsgeschichte. Binnen weniger Jahre wurden Ortskanalisation vorangetrieben und Straßen in Wangen ausgebaut. Zahlreiche weitere Projekte wie den Bau der Illertalhalle, Ansiedlung von Sozialstation, Arzt, Apotheke und mehr hat der Altbürgermeister in seiner Amtszeit bis 2004 vorangetrieben, unterstützt von einem "bis auf wenige Ausnahmen sehr guten Gemeinderat, auf den ich mich verlassen konnte".