Industriegebiet Allgaier sagt Lonsee ab: Kein neues Presswerk

Anfang Oktober unternahm Allgaier-Inhaber und -Aufsichtsratschef Dieter Hundt selbst den ersten Baggerbiss für das neue Allgaier-Verwaltungsgebäude in Uhingen. Den Neubau eines Presswerks in Lonsee-Luizhausen hat das Unternehmen jetzt gestrichen.
Anfang Oktober unternahm Allgaier-Inhaber und -Aufsichtsratschef Dieter Hundt selbst den ersten Baggerbiss für das neue Allgaier-Verwaltungsgebäude in Uhingen. Den Neubau eines Presswerks in Lonsee-Luizhausen hat das Unternehmen jetzt gestrichen. © Foto: Staufenpress
Lonsee / mis/ts 05.12.2018
Der Automobilzulieferer legt die Pläne für ein Presswerk auf Eis. Die Gemeinde hält trotzdem am Bebauungsplan „Luizhausen-Ost“ fest.

Der Automobilzulieferer Allgaier hat seine Pläne für ein Presswerk in Lonsee gestoppt. „Wir benötigen es nicht“, sagte Unternehmenssprecherin Christine Gnädig. Allgaier mit Sitz in Uhingen (Kreis Göppingen) sei abhängig von Aufträgen aus der Automobilindustrie, und die könnten zur Zeit ohne ein neues Presswerk bewältigt werden. Zu diesem Zweck habe das Unter­nehmen Hallenflächen in Göppingen angemietet.

Für die Gemeinde ist das ein herber Rückschlag. Bis zu 250 Arbeitsplätze hatte Helmar Aßfalg, Vorsitzender der Geschäftsführung, in Aussicht gestellt. Um die Ansiedlung zu ermöglichen, hat der Gemeinderat den Bebauungsplan für das Industriegebiet „Luizhausen-Ost“ auf den Weg gebracht. Im Teilort Luizhausen selbst gab es Widerstand gegen die Erweiterung des bestehenden Gewerbegebiets. Verkehrsbelastung, Produktionslärm sowie die Ausmaße einer geplanten bis zu 21 Meter hohen Halle waren die Hauptkritikpunkte.

Bürgermeister Jochen Ogger hofft, dass die Absage aus Uhingen keine endgültige ist. Die Kommune habe großen Aufwand betrieben, um Allgaier die An­siedelung zu ermöglichen. Der Gemeinderat habe sich im Juni einstimmig dafür ausgesprochen, den Bebauungsplan aufzustellen, eine Änderung des Flächennutzungsplans musste auf den Weg gebracht werden. Zwei Bürger-Informationen wurden abgehalten, ferner organisierte das Rathaus eine Besichtigungsfahrt nach Oelsnitz in Sachsen. Dort betreibt Allgaier seit 2015 ein 35 Millionen Euro teures Presswerk, das als Vorlage für das Projekt in Luizhausen dienen sollte.

Am Montagabend bekannte sich der Gemeinderat erneut einstimmig zum Bebauungsplan „Industriegebiet Luizhausen-Ost“ Die Anregungen und Einwände von Bürgern sowie Behörden und anderer Träger öffentlicher Belange wurden zur Kenntnis genommen. Die Verwaltung wurde beauftragt, den Entwurf des Bebauungsplans weiter auszuarbeiten.

Aus der Bevölkerung waren zahlreiche Stellungnahmen eingegangen. Die Bürger, vor allem aus Luizhausen, treibt unter anderem die Sorge um, dass wertvolle Natur- und Landwirtschaftsfläche verloren geht, unzumutbare Verkehrs- und Lärmbelästigung entsteht und ihre Grundstücke an Wert verlieren.

Gemeinde muss Bedarf nachweisen

Eine Rolle im Genehmigungsverfahren spielen auch Aspekte der Raumplanung. Die Gemeinde muss für das Industriegebiet einen Bedarf nachweisen. Wie Bürgermeister Ogger und Planer Roland Schmuck erläuterten, verfüge Lonsee im Flächennutzungsplan nur über zwei gewerbliche Reserveflächen: im Gewann Egelsee (etwa 18 Hektar) und in Ettlenschieß (1,2 Hektar). Beide kämen aber nicht in Frage. Die Fläche in Ettlenschieß sei für den örtlichen Bedarf bestimmt. Das Egelsee-Areal gehöre der Firma Heidelberger Druckmaschinen, die zwar Flächen verkaufen wolle. Die dortigen Wasser-, Abwasser- und Gasleitungen könnten aber nicht überbaut werden, so dass eine Erschließung sehr teuer wäre.

Was den Bedarf angeht, verwies Bürgermeister Ogger auf die Anfrage von Allgaier über die Wirtschaftsförderung des Landkreises: Mit dem Ergebnis, dass nur Luizhausen als Standort im nördlichen Alb-Donau-Kreis infrage komme.

Gegenüber unserer Zeitung bekräftigte Ogger: „Wir möchten das Gewerbegebiet erweitern.“ Die Absage von Allgaier will der Bürgermeister daher nicht als endgültig verstanden wissen. Er werde bei Dieter Hundt, dem Aufsichtsratsvorsitzenden und Hauptgesellschafter von Allgaier, um einen Termin bitten.

Laut Firmensprecherin Christine Gnädig will das Unternehmen weiterhin flexibel bleiben und sich kurzfristig „nach den Gegebenheiten richten“.


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Unternehmen suchte 60.000 Quadratmeter

Fläche: Der Entwurf des Bebauungsplans „Industriegebiet Luizhausen-Ost“ umfasst eine Fläche von sieben Hektar (70.000 Quadratmeter). Allgaier hatte den eigenen Bedarf mit etwa 60.000 Quadratmetern angegeben.

Begründung: Am Stammsitz in Uhingen seien die Grenzen des Wachstums erreicht. Im Sommer 2015 hat Allgaier in Oelsnitz (Sachsen) ein Presswerk in Betrieb genommen. Dort werden zum Beispiel Karosserieteile für BMW in Leipzig, VW in Zwickau und Skoda in Tschechien gefertigt. Die Investition betrug etwa 35 Millionen Euro. Zum Volumen der nunmehr auf Eis gelegten Investition in Lonsee-Luizhausen macht das Unternehmen keine Angaben.

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