Bürger-Information Allgaier-Projekt in Lonsee weiter umstritten

In der fast vollbesetzten Mühlbachhalle hat der Lonseer Bürgermeister Jochen Ogger (links) über den Bebauungsplan für das Industriegebiet und das Allgaier-Werk informiert.
In der fast vollbesetzten Mühlbachhalle hat der Lonseer Bürgermeister Jochen Ogger (links) über den Bebauungsplan für das Industriegebiet und das Allgaier-Werk informiert. © Foto: Michael Seefelder
Lonsee / Von Michael Seefelder 13.10.2018

Bis zu 250 Arbeitsplätze, mehr Steuereinnahmen und bessere Infrastruktur auf der einen Seite. Auf der anderen Seite die Furcht vor mehr Lärm und Verkehr. Die Meinungen, was die Ansiedlung eines Werks des Automobilzulieferers Allgaier und die damit verbundene Ausweisung eines neuen Industriegebiets im Teilort Luizhausen für Lonsee bringen würden, gehen in der Gemeinde weit auseinander. Manche Wortmeldungen während der Bürger­information in der fast voll besetzten Mühlbachhalle am Donnerstagabend fielen deshalb emotional aus, gingen jedoch nicht unter die Gürtellinie.

Nach der Präsentation von Bürgermeister Jochen Ogger, der einen Überblick über das Vorhaben und die möglichen Vor- und Nachteile gab, erläuterte Roland Schmuck vom Ingenieurbüro Wassermüller den Entwurf des Bebauungsplans.

Helmar Aßfalg, Vorsitzender der Geschäftsführung von Allgaier, informierte über das Unternehmen mit Sitz in Uhingen (Kreis Göppingen) und seine Pläne im Industriegebiet Luizhausen Ost. Das Werk dort werde nahezu eine Kopie des Werks im sächsischen Oelsnitz, das eine Besuchergruppe aus Lonsee kürzlich besichtigt hat. In der Endausbaustufe werde der Standort bis zu 250 Arbeitsplätze bieten, sagte Aßfalg. Das Werk sei „hermetisch abgeriegelt“, deshalb werde es keine Probleme mit Lärm-Emissionen geben. Da die Pressen auf Federelementen stünden, gingen von ihnen keine Schwingungen aus. Die Lastwagen würden im Inneren der Halle beladen. Während der Nachtschicht kämen keine Lkw am Werk an, an den Wochenenden stünden überwiegend Instandhaltungsarbeiten an. Aßfalg sprach von 40 Lastwagen am Tag, die zwischen den Standorten Uhingen und Lonsee verkehren sollen.

Schnell entwickelte sich im Anschluss an Aßfalgs Ausführungen eine lebhafte Debatte. Ein Zuhörer spitzte zu: Allgaier habe gesagt, wenn Lonsee die Ansiedlung nicht wolle, werde sich die Firma einen anderen Standort suchen. „Und wir wollen nicht“, sagte der Bürger, der für seine Aussage Applaus erntete. Laut geklatscht wurde aber auch, als ein Befürworter die Kritiker aufforderte: „Springt über euren Schatten und unterstützt dieses enorm wichtige Vorhaben.“

Die Wortmeldung einer Bürgerin verdeutlichte, wie unterschiedlich die Ansichten vieler Bewohner Luizhausens einerseits und dem Rest der Gemeinde andererseits sind: „Unsere Sorgen wegen des Verkehrs werden von der Großgemeinde etwas heruntergespielt. Ich finde es von den Mitbürgern aus Lonsee nicht gut, das nicht ernst zu nehmen.“ Auch die Sorge, Allgaier könnte Fachkräfte von anderen Firmen im Ort abwerben, wurde geäußert.

Gemeinderätin Gabriele Claus kritisierte, dass viele Gegner der Allgaier-Ansiedlung nicht bei der Besichtigung des Werkes in Oelsnitz dabei gewesen seien. Dort seien weder Lärm noch Boden-Erschütterungen wahrnehmbar gewesen. „Das ist alles an den Haaren herbeigezogen“, sagte Claus.

Bürgermeister Ogger räumte ein, dass mehr Verkehr in Luizhausen eine mögliche Folge der Ansiedlung von Allgaier sei. Um Abkürzungsfahrten durch den Ort zu vermeiden, könne eine entsprechende Vereinbarung mit dem Unternehmen getroffen werden. Eine Umgehungsstraße, wie von manchen Bürgern angeregt, sei jedoch wegen des geringen zu erwartenden Verkehrsaufkommens unrealistisch.

Der Bürgermeister informierte außerdem, dass der von Allgaier bisher geplante Produktionsbeginn im September 2019 wohl verschoben werden müsse. Ogger betonte, dass die Verwaltung das Wohl der Gesamtgemeinde im Blick haben müsse. Manchmal sei es dabei aber unvermeidbar, dass einer der sieben Teilorte benachteiligt werde. „Das ist ein Abwägungsprozess.“

Übers Landratsamt nach Lonsee

Vorgeschichte Im Januar dieses Jahres hatte die Firma Allgaier eine Anfrage für einen Produktionsstandort in der Nähe von Ulm an das Landratsamt gestellt. Das Unternehmen benötigt für das Vorhaben eine Fläche von etwa sechs Hektar (60 000 Quadratmeter) und eine schnelle Anbindung an die A 8. Gearbeitet werden soll im Vierschicht-Betrieb. Lonsee bewarb sich daraufhin mit einer Machbarkeitsstudie. Als Standort vorgesehen ist die Fläche direkt an der B 10, südlich des bestehenden Gewerbegebiets Luizhausen. Im Juni 2018 wurde der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan gefasst. Im Juli lagen die Unterlagen des Entwurfs erstmals öffentlich aus.

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