Memmingerberg/Hawangen Allgäu Airport: Autobahnanschluss für Flughafen Memmingen?

Der Allgäu Airport will seine Infrastruktur in den kommenden Jahren für 15 Millionen Euro ausbauen. Unter anderem soll die Start- und Landebahn von 30 auf 45 Meter Breite ausgebaut werden. Das geht aber nur mit behördlicher Zustimmung, deswegen werden nun Bürger und Verbände gehört. Privatfoto
Der Allgäu Airport will seine Infrastruktur in den kommenden Jahren für 15 Millionen Euro ausbauen. Unter anderem soll die Start- und Landebahn von 30 auf 45 Meter Breite ausgebaut werden. Das geht aber nur mit behördlicher Zustimmung, deswegen werden nun Bürger und Verbände gehört. Privatfoto
Memmingerberg/Hawangen / NIKO DIRNER 11.01.2012
Erst muss ein Anschluss an die A 96 her - so lautet eine Forderung der Kritiker des geplanten Ausbaus des Allgäu Airports. Am Dienstag sind sich Befürworter und Gegner erstmals begegnet, um zu diskutieren.

Erwachsene mit rosa Bändchen ums Handgelenk trifft man für gewöhnlich in All-Inclusive-Hotels an. Die Frauen und Männer, die am Dienstag am Eingang der Mehrzweckhalle in Hawangen bei Memmingen derart ausgestattet wurden, waren aber nicht im Urlaub - das war schon an den durchweg ernsten Gesichtern zu erkennen. Es handelte sich dabei um Teilnehmer des ersten Erörterungstermins im Planfeststellungsverfahren für den Ausbau des Allgäu Airports in Memmingerberg: Wer ein Bändchen bekam, war fortan für die Kontrolleure am Einlass als Anlieger zu erkennen, der den Saal ohne erneutes Vorlegen des Personalausweises verlassen und betreten durften. Denn vorbehalten ist eine solche Erörterung den Betroffenen - die sich aber erst bei der Fortsetzung am Mittwoch auch äußern dürfen. Am Dienstag sprachen Anwälte, Gutachter und Funktionäre - über Verkehr, Straßen und Bäume.

Allein die Betreiberfirma des Flughafens hatte zwölf Herren in zumeist dunklen Anzügen aufgeboten. Sicher ein Indiz dafür, wie wichtig das Vorhaben für den Allgäu Airport ist: Die Start- und Landebahn soll von 30 auf 45 Meter verbreitert, am Ost- und Westende der Piste sollen Wendeflächen für die Jets gebaut, das Vorfeld soll vergrößert und das Terminal erweitert werden. Geplant sind überdies zusätzliche Unterstell- und Wartungshallen für kleinere Flugzeuge und außerhalb des Airport-Geländes weitere Parkplätze. Ausgebaut werden soll zudem das Instrumentenlandesystem, um den Sicherheitsstandard zu erhöhen. Größter Streitpunkt ist aber die beantragte Erweiterung der Flugzeiten in die Nachtstunden hinein: Statt wie heute regulär von 6 bis 22 Uhr und ausnahmsweise bis 23 Uhr, soll künftig der Normalbetrieb bis 23 Uhr möglich sein - und verspätete Maschinen sogar bis 23.30 Uhr landen dürfen. Vor allem dagegen protestiert der Verein "Bürger gegen Fluglärm" mit der in Osterberg im Landkreis Neu-Ulm wohnenden Vorsitzenden Gabriela Schimmer-Göresz.

Jetzt aber - am Tag für die Träger öffentlicher Belange, also die Gebietskörperschaften, Behörden und Verbände - ging es eher um Details. So machte Anwalt Johannes Bohl klar, der den Zweckverband "Konversion Fliegerhorst Memmingerberg" sowie die daran beteiligten Gemeinden Memmingerberg, Benningen, Hawangen und Ungerhausen vertritt, dass der Ausbau ohne direkten Anschluss an die nahe A 96 nicht realisierbar sei. Das sah auch Ulrike Klotz vom Landratsamt Unterallgäu so - die beschlossene Nordost-Umfahrung von Memmingerberg werde nicht ausreichen. Der Autobahnanschluss müsse her - und der Bund müsse ihn bezahlen. Der im Auftrag des Flughafens agierende Verkehrsplaner Claus Kiener von Ulmer Büro Modus Consult widersprach: Der Flughafen werde nach dem Ausbau sukzessive wachsen, das geplante Gewerbegebiet im Süden sich langsam füllen, so dass das Straßennetz der Entwicklung immer noch angepasst werden könne. Im Übrigen werde der Verkehr auch bei einem "Null-Wachstum", also ohne die Airport-Erweiterung zunehmen: Die Notwendigkeit, neue Straßen zu bauen, stehe einer Erweiterung also "nicht im Wege", sagte Professor Ulrich Hösch, Anwalt des Flughafens.

Wohl aber das weltweit und auch von der Bundesregierung verfolgte Ziel, CO2 einzusparen, meinte eine Vertreterin des BUND Naturschutz. "Wir sollten noch einmal überlegen: Braucht es so einen Flughafen wirklich? Ich meine, er ist unnötig wie ein Kropf." Der wird gar als "Klimakiller" in einer gestern verbreiteten Mitteilung des BUND Bayern bezeichnet. "Der Antrag ist nicht genehmigungsfähig", lässt sich darin Professor Lutz Eiding zitieren, der Anwalt der Naturschützer, der Initiative "Bürger gegen Fluglärm", der Gemeinde Westerheim (Kreis Unterallgäu) und einiger Privatleute. Die Westerheimer Bürgermeisterin Christa Bail sagte: "Es wäre eine Katastrophe, wenn durch noch mehr Lärm die Lebens- und Wohnqualität beeinträchtigt würde." Trotz der massiven Vorwürfe verzichteten die Vertreter des Flughafens darauf, dieses Thema inhaltlich zu diskutieren. Verwiesen wurde auf ein Gerichtsurteil, wonach es dazu vermeintlich keine Veranlassung gebe. Zugesagt wurde aber, für die Bäume, die gefällt werden müssen, am Flughafen wieder aufzuforsten. Darauf hatte unter anderem das zuständige Landwirtschaftsamt gedrängt. Es handle sich nur um zu Tarnzwecken gepflanzte "minderwertige Fichten", meinte Airport-Geschäftsführer Ralf Schmid.

Ein weiteres Thema waren die dem Ausbau zugrunde gelegte Prognosen, wonach 2025 jährlich rund 2,8 Millionen Passagiere den Flughafen nutzen sollen. Unter anderem für den BUND Naturschutz ist diese Zahl an den Haaren herbeigezogen, für den geplanten Ausbau der Infrastruktur und die Ausweitung der Betriebszeit liege daher gar keine Notwendigkeit vor.

Spät am Abend schloss Uwe Büchner vom Luftamt Südbayern die Erörterung. Am Mittwochgeht es weiter, dann haben die Anlieger des Flughafens das Wort.

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