Elchingen / Barbara Hinzpeter  Uhr

Eiseskälte ohne Aussicht, sich aufzuwärmen – „das ist schlimm“, sagt Birgit Möller. Sie habe schon im Dezember den ganzen Tag gebib­bert, obwohl sie ja viel besser angezogen war als die Flüchtlinge in Griechenland. „Ich hatte alles in Schichten übereinander an, was ich zum Bergsteigen und Skifahren habe.“ Und jetzt sehe sie auf aktuellen Bildern, wie die leichten Zelte im Lager Moria unter Schneemassen zusammenbrechen – Birgit Möller schüttelt es, wenn sie daran denkt.

Eine Woche lang hat sie auf der griechischen Insel Lesbos in einer Küche mitgeholfen, die von der Schweizer Hilfsorganisation Remar betrieben wird. Zu deren Unterstützung hatten die Asyl-Helfergruppen im Landkreis Neu-Ulm im Oktober des vergangenen Jahres aufgerufen. Innerhalb weniger Tage kamen auf diese Weise Spenden im Wert von 27.000 Euro zusammen, in Form von Geld und Lebensmitteln. Birgit Möller wollte nicht nur sehen, wie Remar arbeitet und ob die Spenden ankommen, sondern auch mithelfen.

Das konnte sie von der ersten Minute an, nachdem sie in der ehemaligen Honda-Werkstatt in der Nähe des Lagers Kara Tepe angekommen war. Dort ist die einfache Küche eingerichtet. „Sofort hatte ich ein Messer in der Hand und half beim Gemüseschnippeln“, sagt Möller.

Freiwillige, die eine oder zwei Wochen lang die Helferinnen und Helfer von Remar unterstützen, seien immer willkommen. Die Arbeit sei bestens organisiert: Neben den Remar-Mitgliedern aus Portugal, Spanien und Italien ist eine Gruppe von Flüchtlingen fest im Team. Das hat die Elchingerin besonders beeindruckt. Die jungen Männer aus Afghanistan, Pakistan, Syrien und dem Irak „sind unglaublich nett untereinander und zu den Menschen in den Lagern“.  Sie seien froh, „in dem ganzen Elend etwas Sinnvolles tun zu können“. Kochen, Verteilen von Essen und Getränken, aufräumen und wieder die Mahlzeiten für 800 Menschen im Lager Kara Tepe vorbereiten: Zeit zum Verschnaufen hatte die Ärztin aus Oberelchingen nicht. Der Dienst begann kurz nach sieben am Morgen, abends etwa um halb zehn „sanken wir nur noch ins Bett“.

Berge von Nudeln, Paprika und Tomaten wurden verarbeitet. Wenn die Helfer von Zelt zu Zelt unterwegs waren, um den Familien das Essen zu bringen, wurden sie stets freudig erwartet. Eifrig halfen die Kinder mit. „Es zerriss mir fast das Herz, wenn sich Kinder an die Beine von Helfern hängten“, berichtet Birgit Möller.

Das von nichtstaatlichen Organisationen betreute Lager Kara Tepe sei auf Initiative des Bürgermeisters der Inselhauptstadt eingerichtet worden, weil er das Elend der Familien nicht mitansehen konnte. Während die Zelte dort sauber und beheizt seien, sei die Situation im vom Militär verwalteten Camp Moria kata­strophal. Ausgelegt für 3000 Menschen, lebten dort mindestens 5000, viele von ihnen in notdürftigen Zelten.

Auch dort unterstützen die Remar-Helfer so gut sie können, teilen warme Getränke und Suppe aus. Im Camp sei das Essen knapp, es gebe keinen freien Zugang zu Getränken. „Für alles muss man anstehen“, sagt Möller. Sie sah einen alten, gebrechlichen Mann, der ewig Schlange stand und schließlich ein Stück trockenes Brot und eine Flasche Wasser erhielt.

In einer der wenigen Pausen stand Birgit Möller bei strahlender Sonne am Strand und blickte hinüber aufs nur wenige Kilometer entfernte türkische Festland. „Angesichts dieser Kälte und vor allem der hohen Wellen würde ich mich nie und nimmer auf ein Boot wagen“, betont die Hobby-Seglerin. Die Gefahr zu ertrinken sei bekannt, ebenso die Situation auf der Insel.

Trotzdem wagten sich täglich Menschen in völlig überfüllten Schlauchbooten aufs Wasser. „Man kann es nicht fassen, dass es so etwas gibt“, sagt die Ärztin. Es habe sie sehr berührt, als der Lastwagen mit den Hilfsgütern aus dem Landkreis ankam. Auch das Geld sei in guten Händen. Remar leiste sehr gute Arbeit, der aber durch mangelnde Finanzierung stets das Aus drohe. Momentan sehe es so aus, dass die vom christlichen Glauben getragenen  Helfer bis April weitermachen können.