Bahnhalt Albbahnhof bei Merklingen kann wahr werden

Stuttgart/Merklingen / MATTHIAS STELZER 30.09.2015
Die Bahn kommt auf die Alb. Das Stuttgarter Verkehrsministerium meldet den Durchbruch. „Das Geld für das Projekt steht prinzipiell zur Verfügung“, sagte der Sprecher von Ministers Winfried Hermann am Mittwoch.
Detailberechnung der Gutachter brachten die Wende: Ein Bahnhalt in Merklingen an der Schnellbahnstrecke Stuttgart-Ulm ist nun wirtschaftlich. Und das, obwohl der Albbahnhof bei der Erstvorlage der Machbarkeitsstudie noch voll durchgerauscht war. „Wir haben im Rahmen des rechtlich Zulässigen nachgearbeitet“, erklärte Edgar Neumann, Sprecher des Verkehrsministers Winfried Hermann (Grüne). So könne durch eine Optimierung der betrieblichen Abläufe und durch zusätzliche Investitionen auf der Strecke Ulm- Lindau auf die ursprünglich als notwendig angesehene Anschaffung schnellerer Züge verzichtet werden. Damit würde ein beträchtlicher Kostenblock entfallen, das Projekt liege deutlich jetzt über dem für die Finanzierung aus dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (LGVFG) geforderten Kostennutzenfaktors von 1,0. Je nachdem, ob für den Regionalverkehr auf der Schnellbahntrasse „gute Gebrauchtfahrzeuge“ oder neue Züge beschafft würden, liege er bei 2,23 oder 1,13.

„Die Berechnungen der Gutachter sind eindeutig“, sagte Neumann. Da sein Minister ja schon mehrfach betont habe, dass „er selbst das Projekt will“, stehe der Verwirklichung nichts mehr im Wege. Allenfalls müsse für den Fall, dass das LGVFG-Programm schon zu überbucht sei, noch geschaut werden, ob es andere Töpfe gibt. Gespräche mit dem Finanzministerium von Nils Schmid (SPD) stünden jetzt an. „Geld ist jetzt theoretisch da, es bleibt nur noch die Frage, wo man es jetzt herholt“, sagte Neumann – und: „Das ist nun Regierungsgeschäft.“ Zumindest, wenn der Förderantrag, der fürs Projekt noch gestellt werden muss, positiv beschieden wird.

Mit größeren Widerständen gegen das insgesamt 21 Millionen Euro teure Bahnhofs-Bauprojekt und die Beschaffung der schnelleren Züge rechnet man im Ministerium nicht mehr. Auch wenn die Stadt Geislingen, die eine Schwächung der Kommunen an der bestehenden Bahnstrecke im Filstals befürchtet, am Mittwochabend im Gemeinderat eine Resolution gegen den Bahnhalt beschlossen hat, sehe man in Stuttgart vor allem eine breite Unterstützung des Projekts.

Beistand, den der Albbahnhof vor allem auch aus der Region erfuhr. Acht Städte und Gemeinden der Laichinger Alb beteiligen sich mit insgesamt 13 Millionen Euro an den Kosten, der Alb-Donau-Kreis wird künftig jährlich eine Million Euro in die Hand nehmen, um den Bus-Zubringerverkehr zu finanzieren, die Wahlkreisabgeordneten aus Bundestag und Landtag warfen sich für das Projekt in die Bresche. Allen voran die beiden Landtagsabgeordneten der Regierungsparteien Jürgen Filius (Grüne) und Martin Rivoir (SPD).

„Wir freuen uns sehr, dass der Bahnhalt Merklingen in der aktualisierten Nutzen-Kosten-Untersuchung seine Wirtschaftlichkeit beweisen konnte. Der entscheidende Durchbruch für das Projekt ist nun endlich geschafft“, freuten sich die beiden Landespolitiker am Mittwoch in einer gemeinsamen Presseerklärung. „Aus meine Sicht brennt da nichts mehr an“, sagte Filius am Mittwoch am Telefon. Rivoir, inzwischen auch OB-Kandidat in Ulm, reiste im Juni zusammen mit dem SPD-Landtagsfraktionschef Claus Schmiedel zu Bahn-Vorstandsmitglied Ronald Pofalla, um dort Wohlwollen für den Albbahnhof einzuwerben. „Wir mussten an allen Ecken und Enden drücken“, beschrieb Rivoir die Lobbyarbeit für den Bahnhof.

Der Einsatz war offenbar erfolgreich. Denn nach dem finanziellen Go aus dem Ministerium bestätigte am Mittwoch auch die Bahn zu ihrer Zusage, den Albbahnhof zu bauen, wenn dadurch die Inbetriebnahme der Neubaustrecke (geplant für Ende 2021) nicht verzögert wird. „Wir stehen dazu, dass wir den Bahnhof bauen, wenn die Finanzierung gesichert ist, der Haltepunkt den Betriebsablauf des Schnellzug-Verkehrs nicht beeinträchtigt und die Arbeiten sich in den Bauablauf der Strecke einfügen“, sagte am Mittwoch ein Sprecher der Bahn auf Anfrage. Und er betonte einmal mehr, dass die Zeit drängt. „Wir müssten irgendwann nächstes Jahr Baurecht haben.“ Deshalb gehe es jetzt auch darum, möglichst schnell den nächsten Schritt zu gehen: „Wir brauchen schnell den Abschluss einer Finanzierungsvereinbarung.“
 
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