Alb-Bahnhof Alb-Donau-Kreistag einigt sich auf Fahrplan für Bahnhalt in Merklingen

Alb-Donau-Kreis / THOMAS STEIBADLER 27.10.2014
Der Alb-Donau-Kreis wird sich an einer Machbarkeitsstudie zum Bahnhalt Merklingen beteiligen. Deren Umfang wird in Absprache mit dem baden-württembergischen Verkehrsministerium und der Bahn festgelegt.

Den Termin hatte Heiner Scheffold, Erster Landesbeamter im Landratsamt Alb-Donau, bereits vor der gestrigen Kreistagssitzung vereinbart: Am 11. November geht es im Verkehrsministerium in Stuttgart um den Bahnhalt Merklingen. Gegenstand des Gesprächs, an dem auch die Deutsche Bahn mitwirken will: Wie umfangreich muss eine Machbarkeitsstudie sein, auf deren Grundlage dann über eine Realisierung des Projekts entschieden werden kann? Der Kreistag will die Studie möglichst bald in Auftrag geben, sie soll aber auch nicht mehr kosten als unbedingt notwendig.

Auf dieses Vorgehen hat sich der Kreistag am Montag einstimmig festgelegt. Vorangegangen waren eine ausführliche Darstellung der aktuellen Bahnprojekte im Alb-Donau-Kreis und in der Region sowie eine für Kreistagsverhältnisse emotionsgeladene Diskussion. Angestoßen hatte diese Landrat Heinz Seiffert, der die Kreisräte vor allzu enger Auslegung des Wählerauftrags warnte. Nicht das Interesse des jeweiligen Wahlkreises dürfe im Vordergrund stehen: „Sie alle sind verpflichtet, auf das Wohl des gesamten Landkreises zu achten.“ Dazu gehöre der verantwortungsvolle Umgang mit Steuergeld. Im Übrigen lasse er sich von teilweise massiven Forderungen nach dem Bahnhalt nicht unter Druck setzen. Zumal dessen Vorteile wie kürzere Reisezeiten nach Ulm und Stuttgart privatisiert, die Kosten (siehe Infokasten) aber sozialisiert würden.

Bernhard Schweizer, Kreisrat der Freien Wähler aus Laichingen, reagierte prompt. „Wir sind hier keine Kreisräte, die Klientelpolitik betreiben.“ Auch die Vertreter der Laichinger Alb seien sich ihrer Verantwortung für den ganzen Landkreis bewusst. Zu dessen ureigensten Aufgaben gehöre gerade der öffentliche Nahverkehr, und zwar flächendeckend. Wenn nach Solidarität für den Landkreis gerufen werde, dann gelte diese Forderung auch für den Raum Laichingen. Die Machbarkeitsstudie solle deshalb so schnell als möglich in Auftrag gegeben werden, forderte Schweizer: „Es gibt keinen Grund zu warten.“ Auch der Laichinger Bürgermeister Klaus Kaufmann (ebenfalls Freie Wähler) warnte vor Zögern: „Das Zeitfenster schnappt demnächst zu, und zwar für immer.“

Dabei wollen auch die anderen Fraktionen die Machbarkeitsstudie zum Alb-Bahnhof an der Neubaustrecke Stuttgart–Ulm. Der Landkreis dürfe einerseits „keine Chancen auslassen“, sagte Alexander Baumann (CDU), dürfe andererseits aber „keine unkalkulierbaren Risiken eingehen“. Die Studie sei notwendig, „um eine vernünftige Entscheidung zu treffen“. Der Bahnhalt bringe dem öffentlichen Nahverkehr zweifellos neue Fahrgäste, sagte Robert Jungwirth (Grüne), der Landkreis könne aber auch nicht jeden Preis bezahlen: „Wir entscheiden dann, wenn wir wissen, was machbar ist.“ Für die SPD rief Jürgen Haas dazu auf, die anderen Nahverkehrs-Projekte nicht außer Acht zu lassen: „Es ist wichtig, dass wir die Gesamtheit sehen.“

Zu dieser Gesamtheit gehören zum Beispiel bessere Busverbindungen, wie sie im Nahverkehrsplan von 2016 bis 2025 beschrieben sind. Dessen Umsetzung kostet laut Gutachten allein 3,3 Millionen Euro.

Gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis mit Tempo 189

Zahlen Laut der Potentialanalyse der Beratungsfirma Intraplan ist der Nutzen eines Bahnhalts bei Merklingen deutlich größer als die Kosten, wenn auf der Strecke schnelle Regionalzüge eingesetzt werden. Das Institut geht von Tempo 189 aus. Von Eckart Fricke, Bevollmächtigter der Deutschen Bahn für Baden-Württemberg, hat Heiner Scheffold, Erster Landesbeamter im Alb-Donau-Kreis, aber erfahren, dass die Züge 200 Kilometer schnell sein müssten. Das treibt die Kosten nach oben und verschlechtert das Nutzen-Kosten-Verhältnis. In der Potentialanalyse werden diese Mehrkosten auf bis zu 45 Millionen Euro beziffert. Der Bahnhof allein würde bis zu 21,8 Millionen kosten, plus 3,2 bis 4,8 Millionen Euro für die Planung. Genauere Zahlen soll die Machbarkeitsstudie liefern.

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