Klinik Alb-Donau Klinikum ist ambulant stark gefordert - Betriebskosten steigen

Das Gesundheitszentrum in Langenau mit dem Kreiskrankenhaus. Wie die anderen kreiseigenen Kliniken in Ehingen und Blaubeuren dient es der Grundversorgung und wird von immer mehr Notfallpatienten aufgesucht.
Das Gesundheitszentrum in Langenau mit dem Kreiskrankenhaus. Wie die anderen kreiseigenen Kliniken in Ehingen und Blaubeuren dient es der Grundversorgung und wird von immer mehr Notfallpatienten aufgesucht. © Foto: Siegfried Geyer
ISABELLA HAFNER 27.02.2016
Vor welchen Herausforderungen stehen ländliche Krankenhäuser? Wie machen sie sich fit für die Zukunft? Wolfgang Schneider, der Geschäftsführer der kreiseigenen Krankenhäuser, gab Antworten.

Krankenhäuser in ländlichen Gebieten sind immer wieder von Schließung bedroht. In Baden-Württemberg gibt es nur noch 32, in Bayern 161 - was Wolfgang Schneider zufolge auch damit zu tun hat, dass Baden-Württemberg mehr städtisch verdichtete Gebiete aufweist. Als Geschäftsführer der ADK GmbH für Gesundheit und Soziales ist Schneider auch für die Kreiskrankenhäuser in Blaubeuren, Ehingen und Langenau zuständig. Auf Einladung der Volkshochschule sprach er im Blaubeurer Krankenhaus über Herausforderungen und Chancen. Vor einer überschaubaren Runde, was wohl an der Laichinger Bahnhalt-Veranstaltung gelegen haben dürfte, zu der Verkehrsminister Winfried Hermann kam.

Warum muss man Landkliniken gesondert betrachten? Die Entfernungen für Patienten sind oft weiter - auch wenn die Mobilität zunimmt -, die Kliniken müssen als Grundversorger verschiedenste medizinische Geräte vorhalten, als Arbeitgeber konkurrieren sie um Ärzte und Pflegekräfte mit Häusern in der Großstadt. Schneider zufolge müssen immer mehr kleinere Notfälle behandelt werden. "Einige Patienten wollen nicht bis zur kassenärztlichen Notfallpraxis ins Bundeswehrkrankenhaus nach Ulm oder Ehingen fahren. Auch der Notarzt wird öfter gerufen." Ein Problem für das Alb-Donau Klinikum: Rund 16.000 ambulante Notfallpatienten werden im Jahr behandelt. Doch die Notfälle kosten. "25 bis 28 Euro bekommen wir für einen Patienten. Im Schnitt legen wir 88 Euro drauf." Ein jährlicher Fehlbetrag von 1,4 Millionen Euro.

Die Defizite steigen nicht nur deshalb. Heute gibt es Fallpauschalen: Der Patient und seine Erkrankung werden nach Kriterien wie Alter und Nebendiagnosen eingestuft. Dementsprechend erhält die Klinik Geld. Die Krux: Immer mehr Menschen gehen ins Krankenhaus und werden früh entlassen, was auch an den Fallpauschalen liegt: 1990 lag die Durchschnitts-Verweildauer bei 14,7 Tagen, 2013 bei 7,2. "In der Chirurgie sind es im Schnitt fünf. Mit allen Folgen, die dazugehören."

Zum Beispiel verdichtet sich die Arbeit der Pflegekräfte und Ärzte. Mitarbeiter und Patienten müssen mit der strafferen Taktung klarkommen. Immer mehr erfolgt ambulant. Nicht selten treten Versorgungslücken auf, wenn jemand entlassen wird, zu Hause aber Familie für die Rest-Pflege fehlt.

Obwohl immer mehr ambulante Arbeit anfällt, muss viel Geld in die stationäre Infrastruktur gesteckt werden - wenn sie nicht vernachlässigt werden soll. Der Alb-Donau-Kreis will seine dezentrale Struktur bewahren, um wohnortnahe ärztliche Versorgung für die Bevölkerung zu gewährleisten. Etwa 5,7 Millionen Euro investiert die Krankenhaus-Gesellschaft in den Umbau der Chirurgischen Ambulanz im Kreiskrankenhaus Blaubeuren. Zudem wird dort eine interdisziplinäre Notfallambulanz eingerichtet.

Künftig gilt es Schneider zufolge, die Profile der Kliniken zu schärfen (siehe Infokasten) und sich zu vernetzen mit "allem, was mit Gesundheit zu tun hat". Man könne Fach- und Hausärzte als Mieter ins Krankenhaus holen und mit Fitness- oder Gesundheitsstudios und Apotheken kooperieren. Krankenhäuser sollen medizinische Versorgungszentren werden. Auch Telemedizin sieht er als Thema: Dann checkt ein Radiologie irgendwo in Deutschland das Röntgenbild einer Blaubeurerin.

Das Alb-Donau Klinikum

Gesundheitszentren Die Kliniken in Blaubeuren, Ehingen und Langenau werden als Alb-Donau Klinikum geführt. Träger der Krankenhäuser und der angeschlossenen Gesundheitszentren ist die Krankenhaus GmbH des Alb-Donau-Kreises. Deren Geschäfte führt Wolfgang Schneider, der auch Geschäftsführer derDachgesellschaft ADK GmbH für Gesundheit und Soziales ist. Alleiniger Gesellschafter ist der Alb-Donau-Kreis. Zu den Gesundheitszentren gehören Präventionsangebote, Fitness- und Gesundheitsstudios.

Profile In Ehingen werden Chirurgie, Frauenklinik und Innere Medizin als Hauptabteilungen geführt, zudem gibt es eine Geriatrische Rehabilitationsklinik. Blaubeuren wartet mit einem Schlaflabor auf und legt den Fokus auf Magen-Darm-Chirurgie. In Langenau ist die Gynäkologie und Geburtshilfe in eine Hauptabteilung umgewandelt worden und verfügt nunmehr zum Beispiel über minimalinvasive OP-Techniken. Insgesamt verfügen die drei Häuser des Alb-Donau Klinikums über 375 Betten und beschäftigen etwa 2000 Mitarbeiter.