Treffensbuch Aktionstag "Ohne Auto mobil": Einblicke in ein Ökodorf

Treffensbuch / FRANZ GLOGGER 22.09.2014
Hühner, die in Wiesen picken. Kühe, die ohne genverändertes Kraftfutter Milch geben, und eine Kläranlage, in der Pflanzen sauber machen: Im Rahmen von "Ohne Auto mobil" ging es ins "Ökodorf" Treffensbuch.

Fährt man in den kleinen Weiler Treffensbuch auf der Alb, tut sich ein Idyll auf: Zwei Esel stehen auf einer Koppel, eine Handvoll Zwergschafe döst daneben in der Sonne, Kohl, Salat und Blumen gedeihen im kunterbunten Bauerngarten. Und im Hintergrund durchsuchen Hühner auf den Wiesen den Boden nach Essbaren - mit Platz, soweit die Hühnerbeine tragen. Straßennamen sucht der Besucher in dem Berghüler Teilort vergebens. Für gut 20 Häuser, bewohnt von 67 Treffensbuchern, genügen Hausnummern. Als "Ökodorf" ist Treffensbuch den Besuchern angekündigt worden, die im Rahmen des Aktionstags "Ohne Auto mobil" am Samstag mit dem BUND Ulm auf die Alb kamen, um sich heimische Bio-Produktion anzuschauen.

BUND-Mitarbeiterin Amina Buchner führte die Besucher zu Martin Mollenkopf, dessen 2400 Hühner Eier nach den Bioland-Richtlinien produziert werden. Sein Kollege Heinrich Roser, der einen Bioland-Betrieb mit Mutterkuhhaltung führt, zeigte ihnen die örtliche Kläranlage, in der Pflanzen das reinigen, was in die Kanäle fließt. Und nicht zuletzt wurde in Westerheim die Biogas-Anlage von Thomas Kneer besucht, die vor allem mit Gras betrieben wird.

Die Teilnehmer an der Bus-Ausfahrt - fast alle "Bio"-beschlagen - versicherten sich zum Beispiel bei Martin Mollenkopf, woher er das Soja-Eiweiß für seine Hühner bezieht: Logischerweise kein genverändertes Soja aus den USA, sondern ein nach Bioland zertifiziertes. Sie fragten, wie die Hühner im Winter legefreudig gehalten werden, und der Bauer erklärte, dass künstliches Licht für einen durchgehenden 14-Stunden-Tag sorge. Und noch eines erfuhren die Besucher: Vor einigen Jahren hätten Bio-Kunden noch verschmutzte Eier akzeptiert. "Die will heute keiner mehr", sagte Mollenhauer.

Beeindruckend auch die Pflanzen-Kläranlage am Rande von Treffensbuch. "Hier riechts ja kaum", stellte eine Frau fest, was von Heinrich Roser bestätigt wurde. Der Beiname "Ökodorf", wie Treffensbuch im Programm des Donau-Iller-Nahverkehrsverbund (Ding) für den autofreien Tag angekündigt war, sei dann aber doch etwas übertrieben, meinte Roser. Sicher, es gebe die Pflanzen-Kläranlage, auch ernährten sich vermutlich überdurchschnittlich viele Treffensbucher mit natürlichen Lebensmitteln. Auch stimme, dass drei von fünf Landwirten im Ort ihre Höfe nach Bio-Richtlinien bewirtschafteten, was immerhin 390 von 420 Hektar der landwirtschaftlichen Fläche entspricht.

Doch Roser wertet das vermeintliche "Ökodorf" ein bisschen anders: Eigentlich sei es nur eine Rückkehr in Zeiten, als sich die Menschen natürlicher ernährten. Das gelte auch für die Landwirtschaft, meinte Roser: "Jetzt haben wir 50, 60 Jahre ganz schönen Blödsinn gemacht. Da wird es Zeit, wieder umzukehren. Früher hat Landwirtschaft doch auch funktioniert."

Tausende mit Bussen und Zügen unterwegs: Ding zufrieden

Zufrieden Trotz des wechselhaften Wetters am Samstag ist der Donau-Iller-Nahverkehrsverbund (Ding) mit der Resonanz auf den 14. Aktionstag "Ohne Auto mobil" zufrieden: Wie das Verkehrsunternehmen mitteilt, sind viele Angebote sehr gut angenommen worden.

Für manche, etwa die Führung durch das Müllheizkraftwerk im Donautal, gab es deutlich mehr Anmeldungen als Plätze. An ihre Kapazitätsgrenzen gelangt seien auch die Ulmer Straßenbahnen, unter anderem wegen der Jugendläufe zum Einstein-Marathon im Donaustadion, sowie die Verbindung mit Zug und Bus von Ulm über Weißenhorn zum Roggenburger Ökomarkt. Dort informierten sich tausende Besucher an den 81 Ständen und probierten jede Menge Bio-Spezialitäten. Viele zog es mit Bus und Bahn, die am Samstag umsonst fuhren, zum Kreismustergarten in Weißenhorn. Im üppigen Grün der 9000 Quadratmeter großen Anlage bekamen sie Tipps für den Umgang mit Gartenpflanzen. Etwa über die richtige Pflege von Rosen, von denen es dort 15 unterschiedliche Arten gibt. Kreisfachberater Rudolf Siehler erklärte, dass die empfindlichen Blumen dort ganz "biologisch", also ohne jegliche Spritzmittel, gedeihen.

Infos Großen Anklang fanden laut Ding auch die vielen Info-Möglichkeiten. Vor allem der neue Regionalnetzplan, der die Bus- und Bahnlinien im Verkehrsverbund auf einer Landkarte und auf Stadtplänen von Ulm/Neu-Ulm, Biberach, Ehingen, Laupheim und Illertissen darstellt, habe reißenden Absatz gefunden.