Schule Achtklässler betreuen erwachsene Behinderte

Mit einer Gesangsvorführung erfreuten die Schüler ihre Besucher aus Heggbach.
Mit einer Gesangsvorführung erfreuten die Schüler ihre Besucher aus Heggbach. © Foto: Michael Seefelder
Von Michael Seefelder 07.07.2018

Nushe Kikaj beugt sich über die gedeckte Kaffeetafel, räumt einen Kuchenteller ab und bietet einer weißhaarigen Seniorin im Rollstuhl ein Glas Limonade an. Die Achtklässlerin ist eine von sieben Schülern der Gemeinschaftsschule im Illertal, die ein Jahr lang regelmäßig Menschen mit Behinderung im Heggbacher Wohnverbund der St. Elisabeth-Stiftung besucht haben. „Am Anfang war es schwer, mit den Leuten umzugehen, aber man hat sich schnell dran gewöhnt“, sagt sie. Eigentlich wolle sie mit den Besuchen weitermachen, doch das Schuljahr geht seinem Ende entgegen. Der Gegenbesuch der Heggbacher am Donnerstag in Dietenheim bildete für dieses Jahr den Abschluss der Kooperation zwischen der Schule und der Einrichtung für Menschen mit Handicap.

Seit 37 Jahren gibt es die Zusammenarbeit schon. Initiiert wurde sie einst von Lehrerin Erika Rabus und Wolfgang Dürrenberger, früher Pädagoge für Freizeitaktivitäten und Leiter vom Fachdienst begleitende Dienste in Heggbach. Seither können sich jedes Jahr Schüler für das Projekt bewerben, wenn sie sich sozial engagieren und über den eigenen Tellerrand blicken wollen. Einmal im Monat fahren die Achtklässler dann an einem Nachmittag zu den Senioren, backen mit ihnen Waffeln, basteln, gehen spazieren oder spielen Brettspiele. Für Nushe Kikaj und die anderen ist das eine außergewöhnliche Erfahrung. „Mit Behinderten hatte ich bisher noch nie Kontakt. Ich wollte einfach mal sehen, wie die so drauf sind“, sagt die Schülerin. Den Heggbachern ist die Freude deutlich anzusehen. „Da ist immer was los“, sagt Helga Wunderlich. Es sei schön, mit den jungen Leuten zusammen zu sein.

Für ihre Gäste haben die Schüler aus Dietenheim und Illerrieden ein kleines Musik- und Gesangsprogramm einstudiert; auf einer Leinwand gibt es Fotos von gemeinsamen Unternehmungen zu sehen. „Das ist wieder ein ganz toller Moment“, sagt Holger Hellendrung, Rektor der Gemeinschaftsschule. Die Kooperation sei „einfach sensationell schön“. Es fänden sich jedes Jahr ausreichend Schüler. Und Lehrerin Alexandra Adam, seit diesem Schuljahr zuständig für die Kooperation, betont: „Die machen das echt prima.“

Auch bei den Heggbachern ist man voll des Lobes. „Das ist dieses Jahr eine ganz aufgeweckte Truppe“, sagt Angela Gschwender vom Fachdienst begleitende Dienste. Sie ist für die Freizeitaktivitäten der Bewohner zuständig und nennt das Projekt für Schüler und Bewohner in Heggbach einen Gewinn. Während die Senioren stets offen auf die jungen Leute reagierten, seien die jungen Leute anfangs eher unsicher. „Sie wissen ja nicht, was da  auf sie zukommt.“ Doch das gebe sich mit der Zeit. Die Einrichtung nutze die Gelegenheit auch, um für soziale Berufe zu werben. Auch Absolventen eines Freiwillgen Sozialen Jahres (FSJ) würden stets gesucht. Nach Dietenheim hat Gschwender Urkunden für die Teilnehmer mitgebracht, um ihren Einsatz zu würdigen.

Freundschaftserklärung

Einen Menschen im Rollstuhl zu schieben, ist für die Jugendlichen in den vergangenen Monaten ganz selbstverständlich geworden. Und auch ihre Rolle als Gastgeber meistern sie problemlos. „Man sieht es den Schülern an, wie glücklich sie sind, Euch empfangen zu können“, sagt Rektor Hellendrung in Richtung der Senioren. Als der Chor aus Schülern „Griechischer Wein“ anstimmt, singen manche von ihnen mit, andere lächeln stumm. Die Hip-Hop-Nummer „Hallo Lieblingsmensch“ wird dann sinnbildlich zur Freundschaftserklärung unter Menschen über alle Grenzen hinweg.

Betreuung seit mehr als 100 Jahren

Heggbacher Einrichtungen In der Gemeinde Maselheim (Kreis Biberach) werden Behinderte bereits seit mehr als 100 Jahren gepflegt und betreut. Im Heggbacher Wohnverbund leben erwachsene, teils hoch betagte Menschen mit geistiger und Mehrfachbehinderung. Heggbacher Wohnverbund und Heggbacher Werkstattverbund gehören zur 1999 von Franziskanerinnen gegründeten St.-Elsabeth-Stiftung mit Sitz in Bad Waldsee.

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