Kommunales Abriss der Industriehallen Amann ist beschlossen

Von Michael Seefelder 03.08.2018

Für Dietenheim ist die Entwicklung des Amann-Areals ein gewaltiges städtebauliches Projekt. Die Freude in den Reihen der Verwaltung, dort gestalten zu können, ist spürbar. Nun wurden im Gemeinderat Beschlüsse gefasst, die das Vorhaben weiter voran treiben. Einstimmig fiel das Votum für den Abbruch der Bestandsgebäude aus. Stehen bleiben soll nur eine große Industriehalle aus den 1990er Jahren, die aufgrund ihres guten baulichen Zustands weiter genutzt werden kann. Für sie wird nun ein Käufer gesucht.

Das Ulmer Ingenieurbüro Wassermüller wurde auf Stundenbasis mit der Ausschreibung und Begleitung der Abbrucharbeiten beauftragt, deren Kosten auf 650 000 Euro geschätzt werden. Die Ausschreibung soll schon im Herbst 2018 beginnen, der Start des Abrisses ist dann für das Frühjahr 2019 geplant.

Hoffen auf viele Anbieter

Durch das großzügig bemessene Zeitfenster will die Stadt die Chance auf möglichst viele Anbieter erhöhen. Wie Bürgermeister Christopher Eh sagte, sei die Arbeit eines Abbruch-Spezialisten für das Vorhaben unerlässlich, da die Angelegenheit komplex sei und man auf der sicheren Seite sein wolle. Denn die Ansammlung von Gebäuden wurde im Laufe vieler Jahrzehnte immer wieder verändert, es gab An- und Neubauten. „Da fehlt uns bei der Dimension die Erfahrung“, räumte Eh ein. Ein detailliertes Leistungsverzeichnis könne Nachträge während der Bauphase verhindern.

Ebenfalls ohne Gegenstimme beschloss der Gemeinderat, das Ingenieurbüro Wassermüller mit der Planung der Verlegung des Gießenbaches zu betrauen. Das soll parallel zum Abriss der Bestandsgebäude geschehen, um keine Zeit zu verlieren. Das Büro Sieber wurde außerdem mit der Grünplanung, die aus Naturschutzgründen gefordert wird, für dieses Vorhaben beauftragt. Das Gewässer verläuft derzeit als künstlich geschaffener Triebwerkskanal in diesem Abschnitt unterirdisch durch Rohre. Der Bach soll laut Bürgermeister Eh freigelegt und für die Bürger zur „Freizeitaufwertung“ erlebbar gemacht werden. „Gute Vorgespräche“ habe es dazu bereits mit der Unteren Wasserbehörde und Vertretern des Naturschutzes gegeben. Das seltene Orchideen-Vorkommen im Osten des Areals soll erhalten werden. Der Bach wird renaturiert, weshalb die Stadt für das „Vorzeigeprojekt“ (Eh) auf Fördergelder hofft. Die reinen Baukosten werden nach einer ersten Schätzung auf 450 000 Euro netto beziffert. Laut dem Bürgermeister ist ein Zuschuss von bis zu 85 Prozent möglich. Er betonte jedoch, dass das der „Idealfall“ sei.

Komplettes Areal gekauft

Wie berichtet, hat die Stadt Dietenheim das ganze Firmenareal der Amann Group, auf dem einst die Nähfadenfabrik Adolf Müller GmbH angesiedelt war, Anfang des Jahres 2018 gekauft. Seit die Produktion im Jahr 2005 eingestellt worden war, stehen die Hallen leer. Entstehen soll auf einer Fläche von rund 3,5 Hektar nun ein Zusammenspiel aus Gewerbe- und Mischgebiet.

Textilstandort Dietenheim

Historie Bereits seit dem 16. Jahrhundert war Dietenheim für kleine Handwerksbetriebe ein Standort der Textilherstellung. Als mittels Mühlen am Gießenbach Strom produziert werden konnte, arbeiteten im 20. Jahrhundert dann große Firmen mit Spinn- und Webmaschinen. Niedrige Preise für Grundstücke und viele verfügbare Arbeitskräfte begünstigten die Entwicklung. Zeitweise waren bis zu 800 Menschen in den Dietenheimer Textilfirmen angestellt.

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