Ulm Abpfiff für SSV-Fußball?

RUDI KÜBLER HANS-ULI MAYER 22.05.2014
Wenn nicht noch Unvorhergesehenes passiert, dann muss der Notvorstand des SSV 46 Fußball heute Insolvenz anmelden. Den Verein drücken 420 000 Euro Schulden, ein Sponsorentreffen blieb erfolglos.

"Die Resonanz war ernüchternd." Enttäuscht und niedergeschlagen wirkte der vor zwei Wochen vom Amtsgericht eingesetzte Notvorstand beim SSV 46 Fußball, Dr. Dietmar Voss. Am Montagabend hatten er und seine Mitstreiter Elke Strauß und Kai Krätschmer etwa 350 Sponsoren ins VIP-Zelt auf dem Gelände des Donaustadions geladen. Den Verein drücken aus der laufenden und der zurückliegenden Spielzeit 420 000 Euro Schulden. Gibt es für die keine "positive Fortführungsprognose", wie es im Gesetz heißt, muss der Verein erneut Insolvenz anmelden.

Nach dem ergebnislosen Sponsorentreffen scheint daran kein Weg mehr vorbeizuführen. Gekommen waren gerademal 15 mögliche Geldgeber, die sich angesichts der prekären Lage aber offenbar zurückhielten. Wie Voss sagt, sei kein zusätzliches Geld gekommen. Wohl auch deshalb, weil diese Summen nur dazu verwendet würden, um Spielergehälter und offene Rechnungen zu bezahlen, statt die neue Saison zu finanzieren. Um die zu stemmen, rechnen Insider mit einem Bedarf von einer weiteren Million Euro, was im Grunde einen aktuellen Bedarf von etwa anderthalb Millionen Euro ausmacht.

Voss beklagte vor den Anwesenden eine völlig intransparente Buchführung. Belege habe er in Schubladen der Geschäftsstelle zusammensuchen müssen, Verträge und Sondervereinbarungen habe er bislang nicht gesehen, und könne deshalb keine Gehälter ausbezahlen: "Ich habe bis heute keinen Spielervertrag in den Fingern gehabt."

So düster die augenblickliche Situation ist, der Notvorstand kämpft um die Zukunft des Vereins. "Wir sind noch eine Marke", beschwörten Voss und Strauß die anwesenden Sponsoren. Geholfen hat es nichts, weshalb Voss ernüchternd feststellen muss: "Wie soll ich eine Region bei dieser Vergangenheit begeistern."

Ganz unsentimental skizzierte er das Bild, dass es einen Retter brauche, der in letzter Sekunde alles mitbringe: "Wer jetzt noch einsteigt, braucht viel Geld, ein gutes Konzept und die Leute dazu." Wenn es letztlich aber nur für die Bezirksliga reicht, dann sei das halt so.

Von der Stadt ist indes keine Hilfe zu erwarten. "Ich bedauere diese Entwicklung", sagt OB Ivo Gönner, aber die Stadt habe in der Vergangenheit schon mit "ziemlich vielen 100 000 Euro" geholfen. Eine erneute Hilfe schloss er aus, zumal die Stadt ja auch die Infrastruktur zu äußerst günstigen Konditionen bereit gestellt habe und auch für einen Neuanfang bereitstellen werde.

Heute, Donnerstag, findet die Mitgliederversammlung von 20 Uhr an in der Jahnhalle statt.

Die zweite Insolvenz innerhalb von drei Jahren droht

Insolvenzen Nach der ersten ebenfalls von den Fußballern verschuldeten Insolvenz des Hauptvereins 2001 geht die Fußball-Abteilung jetzt bereits in die dritte Insolvenz. Die Abteilung wurde 2009 vom Hauptverein ausgegliedert und war 2011 bereits erneut zahlungsunfähig. Nur drei Jahre später scheint es jetzt wieder soweit zu sein.

Skandale Von sportlichen und wirtschaftlichen Misserfolgen abgesehen, haben die Fußballer für eine Reihe weiterer Skandale gesorgt. 2008 durchsuchte die Staatsanwaltschaft die Geschäftsräume: Es ging um Sozialbetrug und Steuerhinterziehung. Spieler wie Verantwortliche wurden verurteilt. Nur zwei Jahre später und nach der Ausgliederung ging es um Wettbetrug, in den auch Ulmer Spieler verwickelt waren.

SWP