Soziales 40 Jahre Stadtjugendring: Abfeiern wie früher

Es war was los im alten Kaos-Keller, wie das Bild aus 2004 zeigt. Morgen ist Gelegenheit, diese Zeiten aufleben zu lassen.
Es war was los im alten Kaos-Keller, wie das Bild aus 2004 zeigt. Morgen ist Gelegenheit, diese Zeiten aufleben zu lassen. © Foto: Christian Roth
Markus Fröse 22.12.2017
Das Jubiläum des Stadtjugendrings wird am 23. Dezember gefeiert: mit einer großen Party im Kaos-Keller und einigen Bands.

Musik war spätestens seit den 1950er Jahren ein enorm wichtiger Bestandteil der Jugendkultur. In Zeiten gestreamter Smartphone-Beschallung verflüchtigt sich diese Bedeutung. Die auch den Langenauer Stadtjugendring (SJR) prägte, wie sich im 40. Jahr seines Bestehens zeigt.

Das Fundament für den SJR legte 1970 der Stadtjugendkreis. Die lose Gruppe knüpfte Kontakte zur Stadtverwaltung und machte ab 1973 aus dem selbst renovierten „Pumphäusle“ am Löffelbrunnen einen Jugendtreff. Viele Feten später gründeten die treibenden Kräfte 1977 den SJR, mit Stefan Keiner als erstem Vorsitzenden. „Etwa Mitte der 80er hat man das Pumphäusle verloren – es gab immer wieder Ärger wegen Lärm“, erzählt Martin Häge.

Aktivitäten fast eingestellt

Er war später SJR-Kassierer und erinnert sich, dass der Verein seine Aktivitäten damals mangels Räumlichkeiten praktisch einstellte. Und zwar bis Anfang der 90er-Jahre, als Kulturamtsleiter Edwin Köperl der Schülermitverwaltung des Gymnasiums die Wiederbelebung der SJR ans Herz gelegt habe, nach dem Motto: Ihr macht doch auch Konzerte, als Verein habt ihr da noch mehr Möglichkeiten.

Die Chance wurde ergriffen mit Oliver Necknig als neuem SJR-Vorsitzenden. Für Veranstaltungen nutzte man das städtische Jugendhaus, das unter Leitung von Sozialarbeiter Helmut Massler im Keller eines Nebengebäudes der Realschule entstanden war. Bei Konzerten wurde dieser als „Kaos-Keller“ zum beliebten Treff mit immer besserer Bühnentechnik. In Sachen Konzerte habe man „nur das gemacht, was uns gefallen hat“, erzählt Necknig.

Bald stand auch er selbst auf der Bühne mit den Punk-Rock-Gruppen „Happy Planet“ und „Second Chance“. Nur zwei von einigen weiteren Bands die im Dunstkreis des SJR entstanden sind, wie etwa Invaders, In Brief, Beat Roots, Rango Dango oder Frequency Of Hate, und die den „Kaos-Keller“ teils auch als Übungsraum nutzten. Man knüpfte Kontakte, holte andere Bands nach Langenau und organisierte bald auch das erste von einigen folgenden Pfleghof-Open-Airs (POA), beziehungsweise die eine oder andere „X-Day“-Party.

„Zu dieser Zeit hat sich der Kaos-Keller zum weithin bekannten Konzertort für Alternative Rock entwickelt“, fügt Vinzenz Huzel hinzu, der ab 2000 dem SJR vorstand. Auch mit Hilfe befreundeter Veranstalter aus Ulm seien ab den 90ern in Langenau Bands wie Offspring, NOFX oder Guano Apes aufgetreten, die später Millionen CDs verkauft haben. „Doch es wurden den Jugendlichen nicht nur Partys geboten, sondern auch Möglichkeiten für politische Aktivitäten“, betont Huzel. Schließlich bezog der SJR mit dem DRK die frei gewordene Hausmeisterwohnung über dem Kaos-Keller und richtete darin das „Kafé Kanne“ ein. „Es war das, was es sein sollte: ein Jugend­treff“, sagt Huzel, der auch bei Rango Dango mitspielt.

Die Skaterszene habe etwa 2004 zum nächsten Generationswechsel beim SJR beigetragen, erinnert sich Vorstandsmitglied Nadine Nieß. 2006 sei das Nebengebäude auf dem Realschulgelände abgerissen worden und Mitte 2007 zog der SJR in den Nachfolgebau ein, „mit größerem Kellerraum für Konzerte“. Der neue Kaos-Keller als Konzert-Location und das „Kafé Kanne“ als Treffpunkt seien lange Zeit sehr gut besucht gewesen, sagt Vorstandsmitglied Christian Roth – ebenfalls Mitglied einer „SJR“-Band, den „Fun Is Elsewhere“.

Die „goldenen Zeiten“ (Nieß) des Punk- und Alternative-Rock in Langenau scheinen aber seit 2014 vorbei zu sein. Das Interesse an Konzerten und am Mithelfen bei der Organisation sei spürbar gesunken. Der Kitt der gemeinsamen Begeisterung für diese Art Musik, der den SJR jahrzehntelang zusammen gehalten, ist bröckelig geworden. Ein Generationswechsel ist überfällig, lässt aber auf sich warten. Aus diesem Grund wurde 2017 das POA abgesagt und die „Kafé-Kanne“-Räume an die Sozialarbeit abgegeben (wir berichteten).

Wenn die heutigen Jugendlichen etwas anderes wollen als die SJR-Generationen vor ihnen, müssen sie das schon selber in die Hand nehmen und können die Strukturen des Vereins dafür nutzen, meint Nieß. Entsprechende Kontakte ließen sich ganz zwanglos knüpfen bei der Party, die am Samstag im Kaos-Keller mit reichlich Live-Rockmusik gefeiert wird (siehe Info links).

Große Party mit den SJR-Hausbands

Musik Die Party „Vierzig Jahre Stadtjugendring Langenau“ am Samstag, 23. Dezember, geht natürlich im Kaos Keller über die Bühne. Auf dieser stehen ab 19 Uhr die Gruppen Fun Is Elsewhere, Act The Fool, Robin And The Elephant, Rango Dango, Beat Roots.