Schnürpflingen "Zuweze" gehört zum Erfolgsrezept

Mitglieder von acht Vereinen traten beim "Schnürpflinger Mehrkampf" unter anderem in der Disziplin "Bierkistenstemmen" an. Foto: Simon Palaoro
Mitglieder von acht Vereinen traten beim "Schnürpflinger Mehrkampf" unter anderem in der Disziplin "Bierkistenstemmen" an. Foto: Simon Palaoro
Schnürpflingen / SIMON PALAORO 04.09.2012
Seit fast einem halben Jahrhundert gibt es das Schnürpflinger Herbstfest. Es ist so erfolgreich, weil die Gäste wissen, was sie kriegen: gute Musik, die leckere "Zuweze" und einen außergewöhnlichen Mehrkampf.

Jochen Regenbogen kennt das Geheimnis eines erfolgreichen Festes. Der 36-Jährige ist Vorstand des ausrichtenden Musikvereins "Harmonie" und verrät mit Blick auf das vollbesetzte Zelt die scheinbar widersprüchliche Erfolgsformel: "Das ist ein wichtiges Traditionsfest. Im positiven Sinne bieten wir immer das Gleiche." Das zünftige Essen, die Mischung aus Rock- und Blasmusik und eine hervorragende Festzeltstimmung. Mehr als 2000 Besucher kamen über das verlängerte Wochenende nach Schnürpflingen, um das vom Musikverein zum 44. Mal ausgerichtete Herbstfest zu besuchen.

Einer der Höhepunkte war am Samstagabend der zum zweiten Mal ausgerichtete "Schnürpflinger Mehrkampf", an dem acht Vereine des Dorfes in mehreren Disziplinen gegeneinander antraten: Neben dem Wettnageln, einem Quiz und dem Wettmelken an einer selbstgezimmerten Melkmaschine mussten sich die Teilnehmer im beliebten "Kistenstemmen" beweisen, wobei je zwei Vereinsmitglieder mit Muskelkraft und Körpergewicht möglichst viele Bierkisten zwischen sich horizontal in der Luft halten mussten.

Sieger dieses lautstark beklatschten Spektakels wurde der Jugendtreff "Hütte Beuren", der sich schließlich im alles entscheidenden Bierkrugstemmen gegen Fußballer, Gemeinde- und Kirchengemeinderäte durchsetzen konnte. "Letztlich", sagte Organisator Regenbogen, "machen wir das Herbstfest für die Gemeinde und den etwas unkonventionellen Mehrkampf für den Zusammenhalt der Vereine".

Bürgermeister Michael Knoll (40) lobte: "Ein solches Fest ist für den Zusammenhalt einer Gemeinde wunderbar, und daran erkennt man auch, dass vieles in kleinen politischen Einheiten besser funktioniert als in großen politischen Gebilden." Knoll meinte damit den Bürgerstolz und Einsatz jedes Einzelnen. Daran hatte das Schnürpflinger Herbstfest keinen Mangel: Von den 230 aktiven und passiven Mitgliedern des Musikvereins arbeiteten rund 150 über eine Woche, um das Fest auf die Beine zu stellen: Am Freitagabend spielte die Rockband "Stuff" aus Staig-Altheim ihren "Classic-Rock" bis in die frühen Morgenstunden, am Samstag wurden die Gäste von der Banzendorfkapelle Hüttisheim unterhalten und am Sonntag kamen unter anderem Musiker aus Regglisweiler und Bellenberg.

Vor allem aber ziehen die kulinarischen Köstlichkeiten jedes Jahr viele Schnürpflinger und viele Gäste in das Festzelt: Schaschlik, Kesselfleisch, Currywurst und die legendäre "Zuweze", also das "zukunftsweisende Zeltessen": Frittiertes Geschnetzeltes vom Schwein, paniert mit einer geheimen Spezialmischung, dessen Zubereitung in der Hand von Hans-Peter Bosch (46) liegt: "Die Zuweze muss exakt 120 Sekunden frittiert werden, damit das Schweinefleisch perfekt wird", sagt der Baritonist und ehemalige Vorstand des Musikvereins. Das Spezialgewürz bleibt selbstredend sein Betriebsgeheimnis.

Gestern Abend ging das Schnürpflinger Herbstfest weiter, und auch der Montagabend war - wie jedes Jahr - bei den Besuchern ausgesprochen beliebt. Wie immer gab es ein komplettes Abendessen für kleines Geld: unter anderem die "Zuweze" mit Pommes, Kesselfleisch mit Sauerkraut und Schaschlik. Dazu spielten die Schnürpflinger Musikanten böhmisch-mährische Blasmusik.

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