Landwirtschaft Bio-Bauernhof: „Wir wollen nicht gegen die Natur arbeiten“

Anita und Matthias Eisele auf der Kuhweide am Waldrand.
Anita und Matthias Eisele auf der Kuhweide am Waldrand. © Foto: Vanessa Arslan
Region / Vanessa Arslan 02.10.2018
Der Anfang war schwer. Doch jetzt sind Matthias und Anita Eisele froh, ihren Bauernhof auf Bio umgestellt zu haben.

Matthias Eisele sitzt auf der Terrasse hinter dem Haus mit Blick auf sein Weideland und nippt am selbst gepressten Apfelsaft. „Wir haben 18 Mutterkühe und Jungvieh“, erklärt er und zeigt auf eine Wiese am Waldrand, mehrere hundert Meter vom Bauernhaus entfernt. Dort liegt eine Kuhherde im noch nassen Gras. Insgesamt sechs Hektar Weideland steht den Rindern zum Grasen zur Verfügung.

Der Auslauf im Sommer ist eine von vielen Bedingungen, die bei der Bio-Tierhaltung beachtet werden müssen. Vor zwei Jahren haben die Eiseles angefangen, auf biologische Landwirtschaft umzustellen. 2017 war der Hof dann ein vollwertiger Bio-Bauernhof. Als sie den Betrieb 2008 von Eiseles Onkel Ulrich übernahmen, weil der ihn aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weiter führen konnte, war er noch konventionell geführt. Da das Anwesen nicht besonders gut in Schuss war, musste die Familie viel Arbeit investieren. „Was wir verdient haben, mussten wir auch wieder reinstecken. Rentabel war das nicht“, erinnert sich Eiseles Frau Anita und nimmt einen Schluck vom Apfelsaft.

Auslauf im Winter

Für die beiden stand fest: Es muss sich etwas ändern. Der Anreiz für die Umstellung war anfangs finanzieller Natur, denn Bauernhöfe, die auf ökologische Landwirtschaft umstellen, erhalten vom Land eine Förderung. Und viel geändert werden, musste ohnehin nicht. Zumindest bei der Rinderhaltung. Die Kühe durften im Sommer schon immer draußen weiden. Das war bereits so, als Eiseles Onkel den Hof führte. Neu ist, dass die Kühe auch im Winter eine Auslaufmöglichkeit haben, die an den Stall grenzt. „Der Ackerbau war im Gegensatz zur Tierhaltung eine richtige Herausforderung“, erklärt der 41-Jährige. Gut zehn Hektar Ackerland bewirtschaftet Eisele, der den Hof neben seiner Tätigkeit als Kfz-Mechaniker führt. Weizen, Wintergerste, Dinkel, Erbsen und Mais baut er an.

Keine Chemie

Um als Naturland-zertifiziert zu gelten, musste Eisele auf chemischen Dünger verzichten. Mechanisch und durch gezielte Fruchtfolge wird das Unkraut jetzt bekämpft. Das heißt, in regelmäßigen Abständen werden im Wechsel verschiedene Kulturen angebaut. „Ab und zu stechen wir Unkraut auch selbst heraus, zum Beispiel Ampfer“, erklärt der Bio-Landwirt. Der fünffache Familienvater ist froh über die zuverlässigen Maschinen, die erlauben Unkräuter mechanisch zu entfernen. So muss er beim Verteilen des chemischen Düngers die giftigen Dämpfe nicht mehr einatmen. Ein gesundheitliches Risiko, das jetzt wegfällt. Das Grünfutter für die Rinder stammt auch aus eigenem Anbau. Nur Stroh muss dazu gekauft werden, das dann den Tieren eingestreut wird. Die Rinder sind reine Masttiere, die nach eineinhalb bis zwei Jahren zum Schlachten geholt werden. Das Fleisch wird dann über Naturland verkauft.

Bewusstsein für Natur und Tiere

Auch Anita Eisele ist froh über die Umstellung. Anfangs war sie jedoch skeptisch. „Es kam alles auf einmal, der Hausbau, die Kinder und dann noch die Umstellung auf Bio“, erklärt sie auf dem Weg von der Terrasse zur eigenen Streuobstwiese. Schlussendlich hat es sich aber gelohnt und das nicht nur finanziell. „Unser Bewusstsein für die Natur ist geschärft und die Tiere sind auch seltener krank“, resümiert die gelernte Krankenschwester ihre Erfahrung und pflückt einen Apfel vom Baum. Es ist ein „Rheinischer Krummstiel“, eine alte Apfelsorte. Anita Eisele hat sich auf ihrer Streuobstwiese bewusst für die älteren Sorten entschieden. „Die sind viel robuster, als die Neuen“, weiß sie.

Das Thema Ökologie hat die Mutter von fünf Kindern schon immer interessiert. Als ihr Mann Matthias 2008 seine Landwirtschaftsausbildung an der Abendschule begann, hat sie sich dazu entschieden Fachwartin für Obst- und Gartenbau zu lernen. Das erworbene Wissen hat zwar bei der Umstellung geholfen, viel wichtiger aber war die Unterstützung von anderen Bio-Landwirten, wie dem Biogeflügelhof Unterweger aus Dietenheim.

Mittlerweile können die Eiseles sagen, dass nicht die Finanzen alleine der Anreiz für die Umstellung waren, sondern auch der Wunsch Landwirtschaft zu betreiben, die die Schöpfung achtet. „Wir wollen nicht gegen die Natur arbeiten“, sind sich beide einig. Sie sind froh ihre anfänglichen Zweifel überwunden zu haben und den Sprung ins kalte „Bio-Wasser“ gewagt zu haben. „Ich würde die Umstellung immer wieder machen, auch ohne Förderung“, ist sich Eisele sicher.

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Unterschiedliche Bio-Prädikate

Die Verbände Bio-Bauern sind meist bei Demeter, Bioland oder Naturland organisiert. Diese Anbauverbände verleihen ihr Siegel an Betriebe, die sich verpflichten, nach deren Vorgaben zu wirtschaften. Allen drei ist gemein, dass die Kontrollen engmaschiger  und strenger gelten als die Vorgaben der Europäischen Union, die das EU-Bio-Siegel verleiht. Das EU-Prädikat wird von anderen Verbänden oft als „Biolandbau light“ kritisiert. In der Region ist die biologische Wirtschaftsweise noch die Ausnahme, aber kein Kuriosum mehr. Diese Serie stellt in loser Folge Höfe und Menschen vor:  von der Brennerei bis zum Hühnerhof, vom Milchviehbetrieb bis zum Getreidebauern. Landwirte erzählen, wieso sich entschlossen haben, neue Wege zu gehen und geben Auskunft über teils langwierige Prozesse bis zum Ziel.

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