Chorauftritt „Weibsbilder“ erzählen von der Heimat

Mal witzig, mal nachdenklich: Die „Weibsbilder“ präsentierten Lieder über die Heimat im „Fröhlichen Nix“.
Mal witzig, mal nachdenklich: Die „Weibsbilder“ präsentierten Lieder über die Heimat im „Fröhlichen Nix“. © Foto: Walter Notz
Blaubeuren / Walter Notz 25.06.2018

Um Heimat drehte sich alles beim Auftritt der „Weibsbilder“, des Chors der Volkshochschule Laichingen-Blaubeuren-Schelklingen. In der voll besetzten Blaubeurer Kulturkneipe „Zum Fröhlichen Nix“ führten sie am Freitagabend vor, dass viele Antworten auf die Frage „Was ist Heimat?“ möglich sind.

„In dieser Stadt kenn‘ ich mich aus, in dieser Stadt war ich mal zuhaus“, lautet eine Zeile aus einem Lied von Hildegard Knef, das der Chor präsentierte. Die Heimat als ein Ort steht hier im Zentrum, in dem man geboren wurde, wo man aufwuchs, ein Ort, den man aber später verließ. Kann man Heimat an einen anderen Ort hin mitnehmen? Fragen wie diese stellte der Chor im Programm „Heimatabend“ – und gab musikalische Antworten.

Beispielsweise mit „Kein schöner Land“, einem der populärsten deutschen Volkslieder. Ist das zu viel Romantik, zu viel Gefühl oder doch ein klares Bekenntnis? Man hat hierzulande mitunter ein leicht mulmiges Gefühl bei solchen Volksliedern, ist jedoch begeistert, wenn Menschen anderer Länder Lieder ihrer Heimat singen.

Jedenfalls war das Konzert alles andere als eine nüchtern gehaltene Auseinandersetzung mit dem Begriff Heimat. Da gab es parodistische Einlagen wie einen Werbeblock, bei dem man leckere Pralinen, heimisches Bier und „Linsen und Spätzle“ hoch leben ließ. Da gab es ganz persönliche Betrachtungen der Sängerinnen über das Thema Heimat. Und sie wurde mal definiert als Ort, wo man „schwäbisch schwätzt“, mal als Wohlfühl-Ort, „wo ich lebe“,  mal unter dem Aspekt: „Wir sind für unsere Heimat selbst verantwortlich!“

Musikalisch fanden 50er Jahre-Schnulzen wie Freddy Quinns „Heimweh“, das der Chor mit einem ironischen Augenzwinkern vortrug, ebenso Platz wie der Song „Haus am See“ von Peter Fox, in dem ein Frauenchor am Straßenrand singt. Dass ein Abschied aus der Heimat in unseren Ohren fast fröhlich klingen kann, wurde bei Harry Belafontes „Jamaica Farewell“ deutlich. Heiter karibisch kam das bei den „Weibsbildern“ rüber. Musik aus fernen Ländern hatten die musikalischen Gäste mitgebracht, die der Chor unter Leitung von Beate Schneck eingeladen hatte. Valerie besang sehnsuchtsvoll ihre russische Heimat, Koidu aus Estland erzählte in „Majakene mere ääres“ von der grauen See der Heimat. Und Mahmoud, der aus seiner Heimat Syrien fliehen musste und in Blaubeuren eine neue Heimat fand, begleitete sich auf der Oud, einem traditionellen arabischen Instrument. Beeindruckend und nachdenklich machend erklang sein Lied über Kinder auf einem Spielplatz, die in ihrer Phantasie als Drachen in den blauen Himmel steigen. In der gnadenlosen Realität Syriens nähert sich in diesem blauen Himmel ein Bomber und wirft seine tödliche Last genau über den spielenden Kindern ab. Das Grundthema: Menschen, die so tragisch ihre Heimat verlieren, sollten die Chance auf einen neuen Platz bekommen.

Passenderweise hatte der Chor eine musikalische Antwort. Es erklang die schwäbische Adaption eines Stücks der oberbayrischen Gruppe Neurosenheimer mit dem Titel „Macht Platz da“. Das bekannte US-Lied „This Land Is Your Land“ durfte auch nicht fehlen – wird es heute doch anders als noch vor einigen Jahren interpretiert. Auf die Heimat ist eben immer eine sehr persönliche Betrachtungsweise unvermeidbar.

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