Flugplatzfest „Und jetzt wieder in die Gurte“

Laichingen / Sabine Graser-Kühnle 10.09.2018

Von elf Uhr an herrschte gestern über dem Himmel von Laichingen ein starker Verkehr – fast wie auf der Autobahn: Es war Flugplatzfest des Flugsportvereins. Allerdings ging es am Himmel doch wesentlich geordneter zu als auf Deutschlands Fernstraßen. Vor allem dank des Flugleiterteams, das den Überblick über die zahlreichen Flieger behielt, die zum Fest kamen oder die mit einem kleinen Wink nach unten drüber hinwegflogen.

Die Zuschauer waren, treu wie stets, besonders zahlreich gekommen. Und die Laichinger Flieger hatten ein tolles Flugprogramm für ihr Publikum zusammengestellt.  Darunter waren echte Raritäten und einige Neuheiten.  So landete erstmals eine Hawker Hurricane hier, ein Jagdflugzeug aus dem zweiten Weltkrieg, ebenso eine Messerschmitt 108 von den Bayerischen Flugzeugwerken aus derselben Ära, die von der Luftwaffe einst als Kuriermaschine und als Passagierflugzeug eingesetzt wurde.

Die Hawker wurde von Moderator Jochen Frieß als „absolutes Highlight – unter anderen großen Highlights“ angekündigt – und gleich strafften sich die Schultern  altgedienter Piloten auf dem Jakob-Laur-Flugplatz. „Wow, wenn die hier durchs Tal donnert, das treibt mir jetzt schon Pipi in die Augen“, sagte Marcus Hausmann. Seines Zeichens zwar „nur“ Pilot und Konstrukteur von Flugzeugmodellen und derzeitiger Weltmeister im Modellflug der Klasse F4H, aber dennoch mächtig angetan von dem britischen Flieger. Frieß rief den Gästen begeistert durchs Mikro zu: „Einen solchen Boliden mit so viel PS hatten wir hier noch nie.“ Nicht nur akustisch lässt die Hawker aufhorchen, sie ist außerdem eine Augenweide: In dieser tollkühn wirkenden Kiste stellt man sich tatsächlich verwegene Piloten vor.

Draufgängerisch zeigten sich drei Piloten, die in ihren Doppeldeckern der Marke Bücker Jungmann und Jungmeister schöne Formationen am Himmel zeichneten. Zu diesen Oldtimern gesellten sich beim Flugplatzfest noch weit mehr. Mit ihren schnittigen Formen unterschieden sie sich von den modernen Flugzeugen, die sich recht ähnlich sehen. „Mit Aerodynamik hat der gleichförmige Rumpf heutiger Flieger nichts zu tun“, urteilte Flugleiter Jochen Haas aus Bissingen: Das sei dem preisgünstigen Industriebau geschuldet.

Die „preisgünstig“ hergestellten Flieger machten am Himmel dennoch viel her. Etwa wenn die Kunstflieger spektakulär vom Himmel fielen, um knapp über dem Boden wieder aufzudrehen. „Und jetzt wieder in die Gurte“, moderierte Jochen Frieß und erklärte, wie die extremen G-Kräfte auf die Flieger bei solchen waghalsigen Kunstflügen wirken. Zahlreiche Modellflieger zeigten ihr Können in der Konstruktion und als Modellpiloten. Ein Spektakel war der Start eines mit einem Staustrahl-Triebwerk der einstigen V1-Rakete ausgestattetes Modell: Höllisch laut und feurig ging es ab.

Wer von all dem nicht genug hatte, stieg selber in die Luft, als Passagier im Flieger oder im Helikopter.

Flugleitung diesmal aus Stuttgart

Flugleitung Alle zwei Jahre holt sich der Flugsportverein die Profis vom Stuttgarter Tower auf sein Fest. Voraussetzung ist, dass das Laichinger Flugplatzfest nicht mit dem im Zweijahresrhythmus stattfindenden Oldtimer-Fliegertreffen auf dem Flugplatz Hahnweide bei Kirchheim zusammentrifft. Flugleiter Jochen Haas folgt gerne dem Ruf nach Laichingen und bringt zwei Kollegen mit, heuer waren es Roland Kokot und Steffi Senglaub. Ansonsten leiten die vereinseigenen Flugleiter das Kommen und Gehen am Himmel und auf der Start- und Landebahn.

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