Blaubeuren „The Les Clöchards“: Talentierte Teilzeitobdachlose

Frech und hemmungslos, in dreckigen zerlumpten Klamotten: Die „The Les Clöchards“ geben einen furiosen Auftakt der Sommerbühne.
Frech und hemmungslos, in dreckigen zerlumpten Klamotten: Die „The Les Clöchards“ geben einen furiosen Auftakt der Sommerbühne. © Foto: Eva Menner
Blaubeuren / EVA MENNER 18.07.2016
Frech und hemmungslos: In zerlumpten Klamotten haben „The Les Clöchards“ zum Auftakt der Sommerbühne am Blautopf einen furiosen Auftakt hingelegt.

Kalt war es am Blautopf am Freitagabend, vielleicht waren deshalb nur etwa 130 Zuschauer gekommen, die sich mit warmen Decken und dicken Jacken ausgestattet hatten. Den fünf Jungs auf der Bühne dürfte es eher heiß gewesen sein, so wie sie sich verausgabten: Mit „It’s a long way to the top“ von AC/DC ging es los.

Die Bandmitglieder Dregue Sbæg (Gesang), Adel Millah (Melodica, Keybaord, Saxophon), Ilnatterino Stallione (Gitarre), Dør Kence (Kontrabass) und Coque Chanson (Drums) haben sich übrigens ihre eigene Legende gebastelt. „Wir stammen von einer kleinen Insel in der Nähe von Korsika mit nur 380 Einwohnern“, sagte Sänger und Frontman Dregue Sbaeg auf Englisch mit pseudofranzösischen Akzent. Von dort seien sie ausgezogen, um Rockstars zu werden. Sehr sehr viele Songs hätten sie geschrieben, die aber dauernd geklaut werden, sagten sie und behaupteten frech, Urheber einiger der größten Hits der Rockgeschichte zu sein.

Die Clöchards covern also, aber das auf höchstem Niveau, drückten den Stücken ihren eigenen Stempel auf, manches war deshalb erst mit genauem Zuhören zu erkennen, und wechselten mühelos vom Hard Rock zu Reggae, Funk oder Country. Der Kontrabass sah reichlich ramponiert aus, das Schlagzeug wie aus Müll gebastelt – und der Schlagzeuger saß währenddessen auf einem ausrangierten Sessel.

Der Landstreicherlook der „Teilzeitobdachlosen“ und ihr eigenwilliges Equipment konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass alle fünf exzellente Musiker sind. Bewiesen haben sie das mit einem aberwitzigen Parforceritt querbeet durch die Rock -und Popgeschichte, und das auf hohem musikalischen Niveau. Da war Bob Marleys „Is this love“ ebenso zu hören wie Madonnas „Like a Virgin“ oder eine französische Version des Affenkönig-Lieds aus dem Dschungelbuch, das sie angeblich für Walt Disney geschrieben haben.

Auf der Bühne herrschte dabei immer Bewegung, die Musiker hüpften wild umher, ließen Bäuche und Becken kreisen, warfen sich zu Boden, wirbelten Mikrofonständer und -kabel durch die Luft. Immer wieder erzählte Dregue Sbæg Geschichtchen. Auf seiner Insel seien stets viele berühmte Urlauber, um zu entspannen und ein bisschen was zu rauchen. Ein gewisser Mick Jagger zum Beispiel, von einer Band, deren Namen er vergessen habe, oder Peter Tosh, der leider schlecht auf dem gezeigten Bild zu erkennen sei, schwarzer Musiker vor schwarzem Hintergrund eben. Den mehrere Instrumente spielenden Adel Millah stellte er vor: „Das ist kein Fundamentalist, sondern ein Multiinstrumentalist.“

Was dann noch folgte, war ein Seitenhieb: „Jazz is just a capitalistic trick to sell saxophones.“ (“Jazz ist ein Trick des Kapitalismus, um Saxophone zu verkaufen.“) Das Publikum war  begeistert, klatschte, trampelte Beifall und wurde mit „How deep is your love“ von den Bee Gees und, damit’s nicht zu romantisch wird, „Sexbomb“ von Tom Jones belohnt.

Schließlich standen die fünf in Unterhosen auf der Bühne, zerschlissenes Feinripp, wie es sich für Clochards gehört. In ihrem anderen Leben sind die fünf – Michael Erbach, Axel Müller, Erik Jünge, Dirk Kunz und Philipp Zdebel – übrigens studierte und bekannte Jazzmusiker aus Deutschland. Aber man darf ja mal etwas Anderes machen, Spaß hat es jedenfalls gemacht.