Bauerntag „System billig“ hat seinen Preis

Der Kreisvorsitzende Ernst Buck (links) kritisierte den erbitterten Preiskampf des Lebensmittel-Einzelhandels.
Der Kreisvorsitzende Ernst Buck (links) kritisierte den erbitterten Preiskampf des Lebensmittel-Einzelhandels. © Foto: Michael Seefelder
Michael Seefelder 12.01.2019

Das Bild, das von Landwirten und ihrer Arbeit in Teilen der Gesellschaft vorherrscht, stößt vielen Mitgliedern des Kreisbauernverbandes Ulm-Ehingen sauer auf. Das wurde beim gestrigen Bauerntag in der Mühlbachhalle in Lonsee deutlich. Außerdem machen den Landwirten Bürokratie, Wetterextreme und die aus ihrer Sicht zu niedrigen Preise für Nahrungsmittel zu schaffen.

Der Kreisvorsitzende Ernst Buck warnte: „Ein System billig – billiger – am billigsten hat seinen Preis.“ Der Lebensmittel-Einzelhandel trage einen erbitterten Preiskampf auf dem Rücken der Landwirte aus. Kopfzerbrechen bereitet ihm auch, dass die neue Düngemittelverordnung von der EU noch immer nicht genehmigt sei. „Ich sehe hier dunkle Wolken aus Brüssel auf uns zukommen“, sagte der Kreisvorsitzende.

Die anhaltende Hitze im vergangenen Jahr habe außerdem Höfe und Landwirte „an die Grenze des Erträglichen“ gebracht. 2018 könne als das Jahr des Feuers bezeichnet werden, meinte Buck im Hinblick auf viele Brandkatastrophen weltweit. Dass die Frist für die betäubungslose Ferkelkastration vom Bundestag um zwei Jahre verlängert worden ist, bewertete Buck positiv. Nun gelte es, die Zeit zu nutzen, um Alternativen dafür zu finden.

Der stellvertretende Landrat Markus Möller bezeichnete in seinen Grußworten die Landwirtschaft als Markenzeichen der Region. Jedoch drohe der Bezug vieler Menschen zu den Erzeugern der Nahrungsmittel verloren zu gehen. Dem gelte es entgegenzutreten, erklärte Möller. Er verwies auf das Projekt „Lernort Bauernhof“, für das 2018 zusätzlich 10 000 Euro bereitgestellt worden seien. Mit dem „Schülererlebnistag“, dem „Tag des offenen Hofes“ und dem Aktionstag „Gläserne Produktion“ nannte er weitere Initiativen, um die Wertschätzung für die Arbeit der Landwirte zu steigern.

Der Lonseer Bürgermeister Jochen Ogger, dem die Rolle des Gastgebers für den Bauerntag zukam, stellte Zahlen und Fakten zur Gemeinde vor. Auch in Lonsee sei die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe deutlich rückläufig. Es gebe noch etwa 60 davon, je zur Hälfte Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe, berichtete Ogger. Europaabgeordneter Norbert Lins (CDU) warb für eine europäische Düngeverordnung. „Dann wäre vieles leichter für sie“, sagte er. Lins ging unter anderem auch auf die anstehende EU-Agrar-Reform und die europäische Agrarförderung ein. Für den Kreislandfrauenverband überbrachte Sabine Häge Grüße und Glückwünsche für das neue Jahr. Sie stellte die Bildungsarbeit der Landfrauen und ihr Engagement für den Erzeuger-Verbraucher-Austausch vor. Neben den Wetterbedingungen sieht sie in der Digitalisierung und der Versorgung auf dem Land zentrale Herausforderungen für die Zukunft.

Künstliche Intelligenz kommt

Zur Image-Diskussion innerhalb des Bauernverbandes passte dann auch der Vortrag unter dem Titel „Landwirtschaft in der Öffentlichkeit“ von Referent Josef Stangl (Firma Horsch Maschinen aus Schwandorf). Er sieht Versäumnisse darin, den Wandel in der bäuerlichen Erzeugung nach außen gut zu kommunizieren. Außerdem gab er einen Ausblick auf künftige Trends beim Ackerbau und beim Kauf von Lebensmitteln. Autonome Systeme und Künstliche Intelligenz würden in der Landwirtschaft Einzug halten, ist sich Stangl sicher.

Andreas Braig, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, betonte in seinem Bericht, dass durch viele Hofübergaben und Betriebsaufgaben der Zeitaufwand für die landwirtschaftliche Sozialberatung 2018 stark angestiegen sei. Im vergangenen Jahr habe der Kreisverband wegen Alter oder Tod ein Prozent der Mitglieder verloren. Derzeit seien es 3077, sagte Braig.

Der stellvertretende Kreisvorsitzende, Hans Roggenkamp, forderte die Mitglieder auf, sich selbst mehr für die Achtung der von ihnen erzeugten Lebensmitteln einzusetzen. Denn diese seien noch nie so sicher und gesund gewesen wie heute, sagte Roggenkamp.

Teil des Bauerntags war auch ein Frühstück, bei dem die Landfrauen aus Ettlenschieß die Bewirtung übernahmen.

Ortsobmänner geehrt

Auszeichnungen Beim Bauerntag des Kreisbauernverbandes Ulm-Ehingen in der Lonseer Mühlbachhalle  standen gestern auch Ehrungen langjähriger Ortsobmänner an. Für 20 Jahre in dem Ehrenamt wurden Thomas Steeb, Karlheinz Renz und Manfred Erthle ausgezeichnet. Für 25 Jahre geehrt wurden: Paul Braig, Hubert Kurfeß, Martin Sauter, Georg Schmutz jun., Karl Schenzle, Johannes Huber, Roland Braig, Josef Glöggler jun., Karl Göggelmann, Anton Burgmaier und Konrad Buntz. Eine Auszeichnung für 30 Jahre gab es weiter für Gerhard Bohnacker, Hans Gräter, Wilhelm Zimmermann, Josef Häußler jun. und Reinhold Dreher. Eine Ehrung für 35 Jahre als Ortsobmänner erhielten Heinrich Kilian und Gerhard Honold.

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