Soziales „Sie wachsen einem ans Herz“

Beim Pflegefamilienfest des Alb-Donau-Kreises wurden verschiedene Workshops angeboten, zum Beispiel die Kunst des Linolschnitts, in die Natascha Wenger und Jochen Rominger einführte. n
Beim Pflegefamilienfest des Alb-Donau-Kreises wurden verschiedene Workshops angeboten, zum Beispiel die Kunst des Linolschnitts, in die Natascha Wenger und Jochen Rominger einführte. n © Foto: Sabine Zeller-Rauscher
Zeller-Rauscher 06.07.2017

Dass Andrea Johnson, Diplom-Sozialarbeiterin beim Landratsamt Alb-Donau-Kreis heuer das Biosphärenzentrum als Plattform fürs jährlich stattfindende Pflegefamilienfest ausgesucht hatte, gefiel Landrat Heiner Scheffold richtig gut. Kein Wunder, zählt er doch noch zu der Generation, welche den ganzen Tag im Wald spielen durfte und abends unbeschadet heimkam. „In der Kindheit entwickelt man starke emotionale Bindungen und Beziehungen zur Natur“, hob Scheffold einen ganz wichtigen Aspekt in der Persönlichkeitsentwicklung aus eigener Erfahrung hervor. Auch die hohe Verantwortung, welche Pflegeeltern für ihre Pflegekinder übernehmen. „Pflegeeltern versorgen nicht nur, sondern erziehen und begleiten“, so der Landrat anerkennend.

Scheffold zählt zu den Menschen, welche das Glück hatten, in eine intakte Familienstruktur hineingeboren worden zu sein. „Ein Elternhaus gibt Geborgenheit und Sicherheit“, weiß Scheffold als Vater dreier Kinder und als Sohn und Bruder einer sechsköpfigen Familie. Eltern wären ganz lange Vertrauensbezugsperson. Leider ist nicht allen Kindern dieses Glück beschert. Psychische Erkrankungen, Suchterkrankungen oder auch kriminelle Energien der Eltern sorgen unter anderem dafür, dass Kinder in ihrem Zuhause nicht mehr das bekommen, was sie brauchen.

Dann springen Pflegefamilien ein. Im Alb-Donau-Kreis aktuell für 110 Kinder, wobei das jüngste Pflegekind erst zehn Tage alt ist. Andrea Johnson sieht die enge Bindung, welche sich mit der Zeit zu den Pflegekindern aufbaut, als größtes Problem für die Pflegefamilien, in welchen oft leibliche Kinder lernen müssen, zurückstecken. „Die Kinder wachsen einem ans Herz und irgendwann kommt vielleicht die Zeit, wo man sie wieder in die leiblichen Familien abgibt“. Eine Situation, die jeder Pflegefamilie bewusst sein muss. Ein Blick in die familiäre Runde verriet beim Familienfest, dass wohl die meisten Pflegeeltern ihrer freiwilligen Verantwortung nicht des Pflegegelds wegen, sondern mit ganz viel Herzblut nachkommen. Gerne nahmen sie das Dankeschön des Landkreises an. Zum einen um sich gegenseitig auszutauschen, zum anderen um die nachhaltigen Spuren des Biosphärenzentrums zu erkennen.

Verschiedenste Workshops erlaubten spielerisch aber dennoch intensiv in die Materie Biosphäre und Nachhaltigkeit einzutauchen. Etwa beim Filzen mit Filzkünstlerin Christiane Ludwig-Wolf und Anna Lena Knoll, Studentin der Nachhaltigkeitswissenschaften. Diplom-Designerin Natascha Wenger führte  mit Bildungsreferent Jochen Rominger in die Kunst des Linolschnitts beim Papier drucken und in das Papier Upcycling ein und Hauswirtschaftsmeisterin Irmgard Heilig und Anke Kley zauberten mit den Familien aus Linsen und Hafer leckere Waffeln, Vegane Alblinsen-Bratlinge und Alblinsen-Ragout mit Bandnudeln.

Interessantes gab es beim Thema vom Wald ins Buch mit Waldpädagoge Alexander Rothenbacher und der Kunstpädagogin Sylvia Lechler im Buchenwald zu entdecken, wo manchen erst beim zweiten Blick bewusst wurde, was selbst im Totholz noch alles zu finden ist. Ein spannendes und nachhaltiges Programm, welches die Alb mit allen Sinnen berührte und für die Wertschätzung sensibilisierte. Seinen Dank an die Pflegeeltern sprach auch Josef Barabeisch, der Dezernent für Jugend und Soziales vom Alb-Donau-Kreis aus.