Das Wissen über Bohnen beschränkt sich bei den meisten Menschen auf Kidneybohnen, Grüne Bohnen und vielleicht noch auf Limabohnen. Sorten wie „Röllerle“ und „Gelbe aus Siebenbürgen“ dürften aber wohl den wenigsten ein Begriff sein. Dabei haben diese alten Sorten viele Vorzüge, weiß Dr. Denise Emer. Die Biologin informierte am Samstag die Besucher des vierten Illertisser Saatgutmarktes über die Hülsenfrüchte: So ähneln die „Röllerle“ einem Kirschkern, bilden kleine Hülsen und keimen ohne lästige Fäden. Wer wollte, konnte sich beim Stand des Alblinsen-Fördervereins für alte Kulturpflanzen auf der Schwäbischen Alb ein paar „Röllerle“ für den Anbau im eigene Garten mitnehmen. „Damit wollen wir erreichen, dass sich alte Bohnensorten wieder verbreiten“, erklärte die Vereinsvorsitzende Emer.

Die alten Bohnensorten eignen sich auch, um Schmuck herzustellen, da sie sehr robust sind. Eine Kette gefertigt aus der Stangenbohne „Dußlinger Beckerschürzle“ überreichte Bürgermeister Jürgen Eisen der bayerischen Bio-Königin Carina Bichler bei der Eröffnung. Sie betonte, wie wichtig es ist, die Vielfalt des Saatgutes zu bewahren, „denn Saatgut ist Kulturgut“. Es bestehe, seitdem Menschen vor Tausenden von Jahren sesshaft wurden. Heute jedoch würden nur noch wenige Sorten angebaut, die vor allem für die Großproduktion geeignet seien, erklärte Bichler.Und das gehe häufig auf Kosten des Geschmacks.

Mehr als nur reden

Das Erhalten der Artenvielfalt und die Förderung alter Gemüse- und Getreidesorten hat sich der Verein „Förderer der Gartenkultur“ vor vier Jahren zum Ziel gemacht. „Wir wollten aber nicht nur große Reden schwingen, sondern auch etwas tun“, erklärt die Vorsitzende Thea Zedelmeier. Daraus entstand der Illertisser Saatgutmarkt. Mit einem festen Kern von rund 20 Aussteller war im und um das Museum der Gartenkultur am Samstag viel geboten. Außerdem gab es Fachvorträge rund um ökologischen Landbau, über Themen wie „Essbares aus dem eigenen Garten“ und „die Industrie und das Saatgut“.

Einige der Marktbeschicker hatten einen weiten Weg auf sich genommen, um an der Veranstaltung teilzunehmen. Die weiteste Anreise hatten der „Sortengarten Südtirol“ und Elisabeth Kössler von „Pflanz’ Gutes“, ebenfalls aus Südtirol. Aber auch ortsansässige Vereine sind jedes Jahr vertreten, wie die Gartenbauvereine aus Au, Illertissen, Jedesheim und Tiefenbach.

Über die gute Zusammenarbeit mit den Vereinen freut sich Thea Zedelmeier besonders, etwa über deren Tauschtisch, den die Gartenbauer betreuen. Dort konnten Besucher ihr eigenes Saatgut gegen andere Samen eintauschen. Am Stand wurden Gemüsesamen aus dem Museumsgarten angeboten. Rund zehn Bohnensorten und Peperoni mit unterschiedlichem Schärfegrad aus dem Kosovo waren mit dabei. Außerdem wurden zahlreiche Blumensamen getauscht. Sie sind besonders wichtig, um die Blütenvielfalt zu erhalten und dienen Bienen als Nahrungsquelle.

Blumen für Bienen

Das weiß auch Helga Griesinger aus Gerlenhofen. Sie kommt jedes Jahr nach Illertissen und kaufte am Samstag eine „Durchwachsene Silphie“. Diese Bienenpflanze ist eine Pollen- und Nektarquelle für Insekten. Zum ersten Mal auf dem Saatgutmarkt war Andreas Nocker. Der gebürtige Illertisser war zu Besuch in der Heimat und machte einen Abstecher auf den Markt. Mit Erfolg: Zwei Töpfchen Oregano landeten im Korb. Der Mikrobiologe fand die Veranstaltung spitze und lobte vor allem die Atmosphäre sowie die Auswahl: „Ich bin beeindruckt, wie vielfältig und groß das Angebot ist.“ Wenn sich die Vielfalt des Marktes auch bald im eigenen Garten wiederfindet, dann sind die Förderer der Gartenkultur ihrem Ziel wieder ein Stück näher.

Insektensterben wird diskutiert


Imker Landwirtschaftliche Monokulturen, der Einsatz von Pestiziden, immer weniger verbundene Biotope sind unter anderem Ursachen für das Insektensterben, das auch auf dem Illertisser Saatgutmarkt Thema war. Mit dabei war der Kreisimkerverband Neu-Ulm mit einem Infostand.

Volksbegehren Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten finden oft nicht mehr genug Nahrung. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken wurde in Bayern das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ iniitiert, das mehr Biolandwirtschaft und weniger Pestizide fordert: Mehr als eine Million Menschen haben sich in die Unterschriftenliste für das Volksbegehren eingetragen, das Änderungen im bayerischen Naturschutzgesetz fordert.