Freiwild Festival „Rock-Dein-Leben“ in Laichingen

Dicht gedrängt stehen die Fans beim Auftritt der Band „Unantastbar“ vor der großen Bühne des „Rock-Dein-Leben“-Festivals. Das Festival fand am vergangenen Wochenende auf dem Flugplatz bei Laichingen statt.
Dicht gedrängt stehen die Fans beim Auftritt der Band „Unantastbar“ vor der großen Bühne des „Rock-Dein-Leben“-Festivals. Das Festival fand am vergangenen Wochenende auf dem Flugplatz bei Laichingen statt. © Foto: Patrick Fauß
Laichingen / Patrick Fauß und Carsten Muth 22.07.2018

Die Welt? Ist hart. Die Medien? Berichten unfair. Die Öffentlichkeit? Besteht aus Bedenkenträgern. So sehen es jene Bands, die sich dem Deutschrock verschrieben haben und am Wochenende auf dem Festival „Rock-Dein-Leben“ in Laichingen auftreten. Ein Musikfestival, das im Vorfeld in der Tat für Wirbel und Proteste sorgt – weil, so der Vorwurf, sich einige Gruppen aus der Szene in einer Grauzone bewegten, völkische und rechte Botschaften verbreiteten.

Was Bands und Fans von derlei Zuschreibungen halten, wird auf dem umfunktionierten Fluggelände deutlich: nichts. Sie betrachten sich als Opfer nimmermüder Attacken einer feindlich gestimmten Gesellschaft. „Zeigen wir der Welt da draußen, dass wir eine große Familie sind, die wirklich das lebt, worüber unsere Bands singen“,  lässt die „Rock-Dein-Leben“-Crew im Programmheft wissen. Und auch das: „Wir wissen, was Toleranz, Respekt und friedliches Miteinander ist.“

Rund 9000 Besucher aus ganz Deutschland, aber auch aus Österreich und der Schweiz sind laut Veranstalter auf die Alb gekommen. Viele von ihnen schlugen bereits am Donnerstag ihre Zelte auf dem Gelände auf, einige markierten ihr Revier. Deutschland-Fahnen flattern im Wind.

Viele Helfer im Einsatz

Das Wetter ist zumeist mies, was der Stimmung aber keineswegs schadet. Das Festival ist eine große Party. Hier spuckt niemand ins Bier. Und so torkeln – zur Belustigung Umstehender – einige Deutschrock-Liebhaber schon am frühen Abend in bedenklicher Schieflage übers Gelände. Die Organisation der Groß-Veranstaltung funktioniert reibungslos. Dafür sorgen die vielen Helfer und Security-Leute. Die Polizei ist in Mannschaftsstärke vertreten, Mitglieder des Roten-Kreuzes stehen bereit. Das Festival verläuft friedlich. Rassistische Töne sind nicht zu vernehmen.

Dafür gibt es Wut und „Leck-Mich-Am-Arsch-Lyrik“. Etwa von der „Goitzschen Front “ aus Bitterfeld in Sachsen-Anhalt, deren jüngstes Album hat kürzlich Platz eins der deutschen Album-Charts erreicht. Die Musiker singen an gegen die „Schweinepriester-Politik“ und Menschen, die „kein Vorbild für die Nation“ sind – wobei nicht klar wird, welche Menschen denn nun damit gemeint sind. Die Männer von der „Goitzschen Front“ lassen den Osten Deutschlands und den guten, alten Trabbi hochleben, finden: „Nur Männer aus Stahl fahren Autos aus Pappe.“

Freiwild -sehnsüchtig erwartet

„Leb’ dein Leben, mach’ was du willst, und lass’ dir von niemandem was sagen.“ So fasst Besucher Michael Schmid aus Augsburg das Motto des Konzertwochenendes zusammen. Den 27-Jährigen mit Wikinger-Tatto nervt es, dass seine Bands in die Nähe des Rechtsradikalismus gerückt werden. Klar, es gehe schon auch um Heimatverbundenheit. Das finde er aber in Ordnung. Ähnlich sieht es der „Unantastbar“-Sänger Joachim Bergmeister. „Unantastbar ist weder rechts noch links“, ruft er. Aus Südtirol kommen Freiwild, die bekannteste und erfolgreichste der in Laichingen auftretenden Bands. Sie werden sehnsüchtig erwartet, betreten am Samstag kurz vor 23 Uhr die Bühne. Und singen: „Wir spielen unsern Deutschrock. Ja eben das, was uns gefällt. Und ihr seid unsre Freunde. Ja, ihr seid unsre Welt.“

Polizei: Keine nennenswerten Vorkommnisse

Bilanz Das Deutschrock-Festival in Laichingen ist ohne nennenswerte Vorkommnisse verlaufen. Das berichtete ein Sprecher des Polizeipräsidiums Ulm gestern auf Nachfrage unserer Zeitung.

Veranstalter „Hochzufrieden“ sei er mit dem Verlauf, sagte Festival- Veranstalter Andreas Kamm gestern. Auch wenn das Wetter vor allem am Samstag besser hätte sein können. Rund 9000 Besucher seinen am Wochenende auf dem Gelände gewesen: „Es gab keine gemeldeten Schlägereien, keine Diebstähle, keine rechtsradikalen Symbole“, sagte Kamm, der die gute Zusammenarbeit mit den Behörden lobt. 

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