Entsorgung „Meisterwerk“ für den Wasserschutz

Bürgermeister Sven Kneipp (links) und Regierungspräsident Klaus Tappeser drehen an den Schaltern und nehmen die neue Abwasserleitung in Betrieb.
Bürgermeister Sven Kneipp (links) und Regierungspräsident Klaus Tappeser drehen an den Schaltern und nehmen die neue Abwasserleitung in Betrieb. © Foto: Joachim Lenk
Joachim Lenk 12.01.2019

Seit gestern Morgen um 11.50 Uhr wird das Abwasser der rund 2000 Merklinger nicht mehr in der eigenen Kläranlage, sondern im Klärwerk Steinhäule in Neu-Ulm gesäubert. Möglich macht dies eine knapp 31 Kilometer lange Leitung, von der das letzte 9,2 Kilometer lange Teilstück von Merklingen nach Bermaringen in den vergangenen zwei Jahren verlegt wurde.

Von einem „Meisterwerk“ sprach der Tübinger Regierungspräsident Klaus Tappeser, der es sich nicht nehmen ließ, zusammen mit Bürgermeister Sven Kneipp den Schalter zum offiziellen Startschuss zu betätigen. Beide sprachen von einem „historischen Tag“ für die kleine Albgemeinde, die in diese Modernisierungsmaßnahme rund 4,3 Millionen Euro investiert hat.

„Dass ein solches Großprojekt von einer 2000-Seelen-Gemeinde gestemmt wird, ist keine Selbstverständlichkeit.“ Mit diesen Worten hob Tappeser den Mut der Verwaltung und des Gemeinderates hervor. Der kleine Ort habe sich „in vorbildlicher Weise um den Grundwasserschutz verdient gemacht“, lobte der Regierungspräsident. An diesem Projekt sei zu sehen, wie mit interkommunaler Zusammenarbeit eine zukunftsfähige Infrastruktur im Abwasserbereich geschaffen worden sei.

Dabei sprach Tappeser auch den sich derzeit im Bau befindlichen Retentionsbodenfilter an, der nach den Grußworten im Backhaus auf dem Gelände der Kläranlage besichtigt wurde. „An Merklingen sieht man die Vielfältigkeit, wie Fördergelder nicht nur beim Abwasser, sondern auch beim Backen eingesetzt werden können.“ Dem stimmten die beiden Landtagsabgeordneten Manuel Hagel (CDU) und Daniel Rottmann (AfD), die sich unter den geladenen Gästen befanden, kopfnickend zu.

Ohne die finanzielle Hilfe des Regierungspräsidiums hätte Merklingen „eines der größten Projekte der letzten 15 Jahre“ nicht stemmen können, gab Bürgermeister Sven Kneipp zu bedenken. „Diese Fachförderung zeigt, wie wichtig es dem Land ist, unser Grundwasser und unsere Natur zu schützen.“ Er erinnerte dran, dass 80 Prozent der Kosten als Zuschuss kamen. Trotzdem: Die Gemeinde musste noch rund 900 000 Euro aus eigener Tasche bezahlen.

Zustimmung der Kommunen

Weiteres Geld nimmt Merklingen in die Hand, wenn jetzt die Kläranlage am Ortsrand nach rund 50 Jahren „in Rente geht“ und teilweise zurückgebaut werden muss. „Das war keine leichte Entscheidung“, räumte Kneipp ein. „Bevor wir in das Projekt eingestiegen sind, habe ich mich mit mehreren Kollegen von nah und fern mit diesem Thema auseinandergesetzt“, erinnerte er. Nachdem er von allen Seiten Zuspruch erhalten habe, habe man mit der Planung begonnen.

Bei dieser Gelegenheit bedankte sich der Merklinger Bürgermeister bei den Vertretern der beteiligten Kommunen, die ihr Einverständnis gaben, an die bereits bestehende Abwasserleitung anschließen zu dürfen. „Diese interkommunale Verbindung“ lobte auch Stefan Tluczykont als Vertreter des Landrates. Merklingen habe jetzt die „maximale Möglichkeit“, das Abwasser in einer „der modernsten Kläranlagen Deutschlands“ zu reinigen.

2014 sei zum ersten Mal über den Ableitkanal nachgedacht worden, informierte Thomas Scherraus vom Büro Wassermüller in Ulm. Ein Jahr später wurde das Strukturgutachten erstellt und mit den beteiligten Kommunen gesprochen. 2016 erhielt Merklingen den Zuschussbescheid und im Februar 2017 begannen die knapp zwei Jahre dauernden Arbeiten. Die 25 Zentimeter breiten Rohre sind laut Scherraus „zukunftssicher“. Aktuell fließen bei 2000 Einwohnern bis zu 20 Liter pro Sekunde Richtung Steinhäule. „40 Liter sind möglich“, sagte der Ingenieur.

Nachpflanzungen an den Wegen

Voll des Lobes war auch Manfred Rauh vom gleichnamigen Neu-Ulmer Landschaftsarchitekturbüro. Er hatte den landschaftspflegerischen Begleitplan erstellt, da der Kanal in einem Naturschutzgebiet verlegt wurde. „Die Baufirmen haben sich an die Vorgaben gehalten“, freute sich Rauh, der die ökologische Baubegleitung hatte. Wegen brütender Wanderfalken und Uhus hätten die Bauarbeiten zeitweise geruht. Entlang der Feldwege und Straßen sei überall nachgepflanzt worden. Im Frühjahr werde man noch einige Restarbeiten erledigen. „Im Herbst sieht es dann so aus, als wäre nichts gewesen.“

Abwasser legt 31 Kilometer lange Strecke zurück

Leitung Insgesamt knapp 31 Kilometer lang ist der Ableitkanal, der von Merklingen ins Klärwerk Steinhäule nach Neu-Ulm führt. Die 9,2 Kilometer lange Leitung von Merklingen nach Bermaringen wurde in den vergangenen zwei Jahren verlegt. Die Rohre liegen im Schnitt in 1,5 Metern Tiefe und haben einen Durchmesser von 25 Zentimetern. Von Bermaringen aus führte bereits eine rund 21 Kilometer lange Leitung ins bayerische Klärwerk. Berghülen, Blaustein, Dornstadt und der Blaubeurer Ortsteil Asch sind ebenfalls an diesen Kanal angeschlossen. Um auch das Abwasser von Merklingen aufnehmen zu können, wurde der Kanal im Kleinen Lautertal auf einer Länge von rund 1,3 Kilometern zwischen Lautern und Herrlingen von 40 auf 50 Zentimeter Durchmesser vergrößert. Zehn Stunden dauert es, bis das Abwasser aus Merklingen das Klärwerk Steinhäule in Neu-Ulm erreicht.

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