Unterhaltung „Ihr sparet ja gar net“

Geschichte in ein Theaterstück verpackt gab’s in Merklingen zu sehen, über das sich am Samstagabend zahlreiche Besucher in der Gemeindehalle amüsierten.
Geschichte in ein Theaterstück verpackt gab’s in Merklingen zu sehen, über das sich am Samstagabend zahlreiche Besucher in der Gemeindehalle amüsierten. © Foto: mp
Merklingen / mp 09.10.2018

Man könnte direkt neidisch werden auf die alten Zeiten. In Merklingen war im 18. Jahrhundert die Heiligenkasse so gut gefüllt, dass man den Deckel der Truhe kaum schließen konnte. 60 000 Gulden seien in der Kasse, erklärte am Samstagabend auf der Bühne der Gemeindehalle Bauinspektor Kapfer von der Reichsstadt Ulm. Da könne man sich einen neuen Kirchturm für 20 000 Gulden locker leisten, ermunterte er die Merklinger.

Die Interessensgemeinschaft für Geschichte und Brauchtum in Merklingen hat  lokale Geschichte in ein amüsantes Theaterstück gepackt, das im gut besuchen Saal für einige Lacher und viel Information sorgte. In dem Sketch „Wie der Merklinger Kirchturm seine Zwiebel bekam“  ging es  um den Neubau des Merklinger Kirchturms, der 1797 gehörig in Schieflage geraten war. Damals wie heute ragt der stolze Turm mit seinen 61 Metern Höhe  weit über das Dorf hinaus. Damals wie heute schwätzen bei jeder Kirchturmrenovierung alle Beteiligten und weniger Beteiligten mit.

So saßen zu Beginn der Lehrer und Pfarrer, die Bauern und Handwerker auf der Bühne und diskutierten den Stolz der Merklinger. Jeder verfolgte seine eigenen Interessen. Der Schmied bot sich an, mit einem Eisenband den Turm wieder aufzurichten und der Zimmermeister  präsentierte eine Fuhre morsches Holz, um die Baufälligkeit des Turms zu demonstrieren. Pfarrer Gottlieb Flaischlen, der den Bau für die Nachwelt protokollierte und damit auch die Vorlage für das Theaterstück gab, wollte „ein dauerhaftes Bauwerk für die nächsten Jahrhunderte“.

Vor allem hoch sollte der Turm sein. „Nicht so ein Zwerg wie in Treffensbuch“, schimpfte der Maierbauer. Schließlich beschloss man, den Turm bis auf den Uhrenboden abzureißen. Und wie soll der neue Turm aussehen? Auch das wurde heftig diskutiert. Herabfallende Ziegel hätten schon manchen Bürger erschlagen, hieß es. Also entschied man sich für eine Kuppel. Der Lehrer favorisierte einen schönen Umgang, auf dem die Bläser in alle Himmelsrichtungen zu hören wären. Denn das Kuppel-Stüble, in dem acht Bläser Platz hatten, wurde mit abgerissen. Neue Uhrentafeln, die neue Glocken, Treppen für sechs Stockwerke und ein vergoldeter Knopf für die Dokumente wurden beschlossen. „Ihr sparat ja gar net“, monierte der Tirolerbauer. Aber bevor die Heiligenkasse womöglich „nach Machatshoi rüber“ wandert, stecke man das Geld lieber in den Kirchturm, war sich die Merklinger Dorfgemeinschaft einig.

Fast hätte man den Blitzableiter vergessen, aber letztlich war „Älles vom Feinschta“, stellte der Hasbauer fest. Die Steine kamen zwar aus dem katholischen Drackenstein, aber das mache nichts, so lange sie gut seien. Doch im letzten Moment vermieste der Bendel-Weber Lukas den Merklingern ihren Traum von einem Umgang. Die Balken würden abfaulen, moserte er. „Das ist alles historisch belegt“, meinte Stückeschreiber Jakob Salzmann, der auch auf die Ausstellung verwies. Dort konnte man in den Protokollen von Pfarrer Gottlieb Flaischlen nachlesen, wie sich damals alles zutrug.

Die Akteure des Theaterstücks

Mitspieler waren: Uwe Schulz (Anwalt Bartle, Bader und Chirurg), Hans-Jürgen Betz (Heiligenpfleger Schmid), Peter Bachteler (Lehrer Jakob Baumann), Jens Dreher (Hasbauer Semle), Klaus Betz (Pfarrer Gottlieb Flaischlen),  Markus Marth (Bauinspektor und Bauleiter Kapfer von der Reichsstadt Ulm), Armin Ziller (Zimmermeister Johannes Staudenmeyer), Andreas Ruhland (Maierbauer Bührle) , Manfred Wittlinger (Tirolerbauer Bäumler), Julian Wittlinger (Maurermeister Jakob Walter, später Schultheiß), Hans Peter Schmid (Bendel-Weber Lukas). Technik Oliver Betz, Regie Eva Marth und Georg Betz.  Das Stück schrieb Jakob Salzmann.

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