Gastronomie „Hirsch“ in Schmiechen in sechster Generation

In Zeiten, in denen andere Gaststätten aufgeben, geht der Betrieb im „Hirsch“ in Schmiechen in sechster Generation weiter: Wirt Horst Kneer (rechts) mit Tochter Katharina Kneer und Schwiegersohn Patrick Kneer. Die Wirtschaft gibt es seit 250 Jahren.
In Zeiten, in denen andere Gaststätten aufgeben, geht der Betrieb im „Hirsch“ in Schmiechen in sechster Generation weiter: Wirt Horst Kneer (rechts) mit Tochter Katharina Kneer und Schwiegersohn Patrick Kneer. Die Wirtschaft gibt es seit 250 Jahren. © Foto: Emmenlauer
Schmiechen / Renate Emmenlauer 03.09.2018
Entgegen dem Trend besteht im Gasthaus „Hirsch“ in Schmiechen die Tradition in sechster Generation weiter.

Mitten in Schmiechen liegt der Gasthof Hirsch. Er ist seit Jahrhunderten eine Einkehrstube im heutigen Schelklinger Teilort und seit mehr als 250 Jahren in Familienbesitz. Entgegen dem Trend, nach dem immer mehr Gaststätten auf dem Land schließen, kann sich Horst Kneer freuen: Mit seiner Tochter Katharina und deren Mann Patrick geht die Gasthof-Tradition in die sechste Generation.

Dabei hatte es vor Jahren noch gar nicht so rosig ausgesehen. Katharina Kneer (28) hatte Wirtschaftsfachwirtin studiert und war beruflich in der Industrie beschäftigt – um sich dann doch für die Gastronomie zu entscheiden. „Ich bin im Gasthof aufgewachsen. Ich habe immer mitgeholfen. Diese Bindung zu den Gästen kann man nicht abschütteln. Das ist einfach meine Heimat“, nennt die 28-Jährige den Grund, warum sie angenehme Arbeitszeiten und Freizeit am Wochenende dann doch hinter sich gelassen hat.

Glücksfall für den Vater

Dann lernte die Schmiechenerin vor einigen Jahren ihren jetzigen Mann Patrick Kneer kennen, der als diplomierter Gastronomie-Betriebswirt den Service eines Gastrounternehmens leitete. Ihre Liebe zur Heimat sowie seine Leidenschaft und Neugier für ein eigenes Lokal führten das Paar schließlich in den „Hirsch“. Für Katharinas Vater als Inhaber des Gasthofs war dies ein Glücksfall. Zumal sich sein Schwiegersohn auch noch für eine Ausbildung zum Koch entschieden hatte.

Mit Abitur und Studium in der Tasche, wurde der derzeit 29-Jährige vor einem Jahr in der Landesberufsschule in Bad Überkingen ins „Abiturmodell“ aufgenommen. Er war schon in einem Sternelokal beschäftigt, sein aktueller Ausbildungsbetrieb ist der „Ochsen“ in Merklingen. In weniger als drei Jahren hat er seine Ausbildung samt Zusatzqualifikationen abgeschlossen und wird dann voll in den Schmiechener „Hirsch“ mit einsteigen. Wobei er den „Papa“, wie Patrick Kneer seinen Schwiegervater nennt, schon jetzt in der Küche unterstützt.

Auch wenn Patrick Kneer einiges „über den Tellerrand hinaus“ gesehen hat, will er kulinarisch nicht viel verändern. „Das eine oder andere Schmankerl“ komme vielleicht dazu. „Aber das macht unser Horst jetzt auch schon“, betont er, der für den Erhalt der Familientradition den Nachnamen seiner Frau angenommen hat. Der gebürtige Breisgauer habe sich gar „von Anfang an ins Schmiechtal verliebt“. Hier will er mit seiner Frau bleiben und Kinder großziehen, wenn es dann soweit ist.

Mehr Zeit für die Musik

Auch wenn „Hirsch“-Wirt Horst Kneer schon die 60 vollgemacht hat, will er sich noch lange nicht aufs Altenteil zurückziehen. „Wenn meine Tochter und mein Schwiegersohn das wollen, helfe ich weiter mit. Natürlich habe ich dann wieder ein bisschen mehr Zeit für meine Musik.“ Auch werde er weiterhin die Schnäpsle für den hauseigenen Verbrauch  kreieren.

Auch wenn sich Katharina und Patrick Kneer im „Hirsch“ mit 100 Sitzplätzen und 15 Beschäftigten sowie sieben Fremdenzimmern für die Zukunft gut aufgestellt sehen, überlegen sie, das Dachgeschoss mit weiteren Gastzimmern auszubauen und mittelfristig auch den Stadel für die Gastronomie zu nutzen. Bei aller positiven Resonanz der Gäste hat das Gastwirts-Trio etwas Bedenken, dass die Sanierung der Schmiechener Ortsdurchfahrt, die mehr als 18 Monate dauern soll, die Durchreisenden abschreckt. „Unseren Gasthof kann man immer anfahren. Bei uns ist man zu Gast bei Freunden“, wirbt Horst Kneer.

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