Glaube „Hey Gott, meld’ Dich doch mal“

Um andere Zugänge zu Gott ging es in dem Pfadfindergottesdienst in Oberelchingen.
Um andere Zugänge zu Gott ging es in dem Pfadfindergottesdienst in Oberelchingen. © Foto: Lisa Maria Sporrer
Elchingen / Von Lisa Maria Sporrer 18.07.2018

Hi Gott, wir müssen reden . . .“: So fing die Predigt an. Eine ungewöhnliche Anrede für einen Gottesdienst. Denn in dem Text, den Nico Lange geschrieben hatte und den Pater Ulrich verlas, ging es nicht um eine Auslegung des Evangeliums oder um den Appell künftig Gutes zu tun und nachsichtig zu sein. Es wurde darin über Liebe gesprochen, wie Kinder und Jugendliche sie interpretieren. Und es ging um die unendliche Vielfalt, Wege zu Gott zu finden. „Man vergisst Gott, wie man alte Freunde vergisst. Nur bei großen Feiern wie Ostern und Weihnachten ist er offiziell eingeladen“, hieß es in der Predigt. Das reiche aber vielen Jugendlichen nicht mehr. Sie wollen andere Zugänge zum Glauben.

Um andere Zugänge zu Gott ging es auch in dem Pfadfindergottesdienst, der im Pfarrgarten der Oberelchinger Klosterkirche stattfand. Rund 35 Pfadfinder hatten unter dem Motto „Gemeinsam an sich glauben“ einen außergewöhnlichen und trotzdem feierlichen Gottesdienst vorbereitet, der bei den zahlreichen Teilnehmern, die auf Bänken unter den Apfelbäumen Schatten suchten, bestens ankam. „Es ist wie eine lockere Feier und trotzdem mit Andacht, viel Gefühl und kein Mal langweilig. Ich fühle mich Gott hier sehr nahe“, sagte die Gottesdienstbesucherin Rosaline Meyer. „Wir haben uns die ganze Woche lang jeden Tag getroffen, um den Gottesdienst vorzubereiten“, sagte Nils Bosch (19), Leiter bei den Pfadfindern.

Musikalisch umrahmte eine Band die Feier, und statt eine Kerze anzuzünden wie in der Kirche üblich, konnten die Gottesdienstbesucher in stillem Gebet Kohle-Körnchen in eine Weihrauchschale legen. Anschließend sprach Nico Lange, Vorsitzender der Pfadfinder des Stamms Oberelchingen, ein wiederum selbst verfasstes Glaubensbekenntnis.

Seit sechs Jahren gestalten die Pfadfinder alle zwei Jahre einen eigenen Gottesdienst. Im Wechsel dazu gibt es ein verlängertes Pfingstlager. „Unsere Idee zu einem Gottesdienst kam kurz vor unserem 50-jährigen Bestehen“, erinnert sich Timo Pfeifer, zweiter Vorsitzender. „Lagerfeuer, Natur, Aktivitäten: Wir machen so viel gemeinsam und nutzen und lieben die Natur, die Gott geschaffen hat. Da bot sich eine Dank­sagung in der Natur an“, sagt Pfeifer.

Spende an „Herzenswünsche“

Die Einnahmen vom Frühstück und dem anschließenden Kaffee und Kuchen werden dem Verein „Herzenswünsche“ gespendet. „Denn gemeinsam an sich glauben ist schließlich unser Motto. Und das wollen wir vorleben“, sagte Lang. „Wir Pfadfinder sind eine große Familie und offen für alle“, sagte auch Martin Werdich (17), Rover bei den Pfadfindern. Das eine sei zu glauben, das andere aber, diesen Glauben mit der Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen in Einklang zu bringen. Und so endete die Predigt auch nicht mit dem üblichen „Amen“, sondern mit: „Hey Gott, meld dich doch mal.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel