„Habt Geduld mit uns“: Diesen Wunsch äußert Ahmad Ali Asaf, ein junger Geflüchteter, der mittlerweile in Regglisweiler Fuß gefasst hat. Dort hatte der Frauenkreis Regglisweiler zu einem Gedankenaustausch eingeladen. „Wie können wir weiterhin zu einer gelingenden Integration beitragen“, wollte Gabi Häußler drei Jahre nach der großen Flüchtlingswelle wissen. Antworten und Hintergrundinformationen kamen kamen von Walter Sippl, Sozialarbeiter beim Landratsamt Alb-Donau-Kreis.

In Regglisweiler waren und sind die Probleme mit Geflüchteten nicht so gravierend wie anderswo, hat Sippl festgestellt.  Der Sozialarbeiter zeigte sich von der Qualität der offenen Zusammenarbeit mit dem Flüchtlings-Helferkreis und vom Engagement der Helfer dort begeistert: „Das Landratsamt könnte die Unterbringung und Betreuung ja gar nicht alleine stemmen.“ In Regglisweiler gebe es es aber auch entscheidende Unterschiede, etwa zu Langenau. Während in Regglisweiler hauptsächlich Frauen, Alleinerziehende und Familien untergebracht wurden, leben in Langenau viele junge Männer und unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Bei der Integration in die Gesellschaft müssten alle Geflüchteten ihre eigenen Erfahrungen machen, ist Sippl überzeugt: „Sie müssen in 10.000 Erlebnissen dazulernen, wie unser Land tickt.“ Dazu gehöre auch, dass sie lernen, mit dem Stress in Gemeinschaftsunterkünften umzugehen. Das sei umstritten, aber: „Pädagogisch sehen wir da keine bessere Möglichkeit.“ Die Integration bezeichnete er als „enorme Aufgabe“. Aufklärung über Hygiene und Empfängnisverhütung, über Gleichberechtigung zwischen Männer und Frauen gehöre auch dazu. Und besonders der Bildungsansatz. „Ich glaube, dass die Integration der Geflüchteten mindestens zehn Jahre, wenn nicht eine ganze Generation andauern wird. Beide Seiten werden aufeinander zugehen müssen.“

Wie das funktionieren kann, berichtete Ahmed Ali Asaf. Der junge Flüchtling, 1988 geboren, kam 2015 nach Deutschland. 2012, als der Krieg seine Geburtsstadt Aleppo in Syrien erreichte, flüchtete die Familie in die Türkei. Von dort wagte er alleine die gefährliche Überfahrt nach Griechenland und kam über die Balkanroute nach Deutschland. Dass er eine Ausnahme ist, weiß er. Schließlich konnte er Englisch und hatte deshalb weniger Probleme mit der deutschen Sprache, die er mittlerweile gut spricht. Auch mit der westlichen Kultur war er vertraut. Er wollte immer schon nach Europa, habe viel darüber gelesen. „Aber ich wollte nicht als Flüchtling kommen.“ Das sei jetzt vorbei. Ahmed wurde anerkannt, arbeitet im Kinderhaus St. Maria in Regglisweiler als Bundesfreiwilliger und lebt und seit ein paar Wochen in einer eigenen Wohnung.

Gegensätzliche Welten

Die Sprache sei für viele Geflüchtete eine große Hürde, weiß der junge Mann. Auch die Kultur sei ganz anders, fremd. „Ich glaube nicht, dass sich alle Geflüchteten an hier gewöhnen können. Bei einigen wäre es wahrscheinlich besser, wenn sie nach dem Krieg wieder in ihre Heimat gingen“, sprach er ganz offen. Zu gegensätzlich seien  sie oft, diese kulturellen Welten, hat auch Häußler festgestellt. „Was können wir für eine weiter gelingende Integration tun?“ fragte sie. Hilfsbereitschaft und Engergie bewahren, nicht ermüden und Kontakte pflegen, war Sippls Antwort. Ahmed wünscht sich Geduld: „Es gibt soviel Toleranz in Deutschland. Dennoch wird manchmal zu viel von uns erwartet. Gebt uns etwas Zeit, hier anzukommen. Das ist nicht immer einfach.“

Wohnheime werden reduziert


Unterbringung Walter Sippl ist im Landratsamt als Betreuer der Geflüchteten für Langenau und in Regglisweiler zuständig. Derzeit gibt es andere  Aufgaben als Unterbringung und  Verteilung der Menschen. „Im Moment ist die Lage spürbar entspannt“, sagte Sippl bezogen auf die Wohnheime, die nach Abklingen der großen Flüchtlingswelle jetzt sukzessive reduziert würden. Von insgesamt 40 Einrichtungen im Alb-Donau-Kreis konnten 14 bereits wieder geschlossen werden. 143 Plätze konnten „in der Fläche verteilt werden“, berichtet Sippl; die Auslastung liege momentan bei 81 Prozent.