Region Moment Mal: „Guten Tag Kd.-Nr. 791346“

Region / Thomas Steibadler 07.09.2017
Ein Heizungsversprechen hat uns erfreut und stutzig gemacht.

Wir sind Glückspilze. Das Landratsamt hat uns und zwölf weitere Haushalte zum Testhaushalt erkoren: Wir bekommen für unseren alten Rußkessel im Keller eine neue, ökologische Heizung, für die wir keinen Cent bezahlen müssen. Darüber hinaus werden wir mit 16 000 Euro Tauschprämie belohnt. Das ist noch viel besser als die „Umweltprämie“, die uns VW für den alten Diesel bietet. Außerdem verpflichtet uns keiner, ein neues Auto zu kaufen, wir können die Kohle nach Belieben auf den Kopf hauen. Und wem haben wir dieses unfassbare Glück zu verdanken? „Möglich machen dieses extrem hohe Förderungen der EU.“

Spätestens jetzt ist extremes Misstrauen angebracht, sollten auch Sie eine solche E-Mail von der „Bürgerberatung des Landkreises“ bekommen haben. Denn eines ist ja bekannt: Die EU kostet uns Deutsche nur Geld.

In der Tat handelt es sich bei der Mail mit der durchaus originellen Anrede „Guten Tag
Kd.-Nr. 791346“ um Spam, um einen Schwindel also. Vor diesem warnt der Deutsche Landkreistag in einem Rundschreiben an die Kreisverwaltungen. Darin heißt es: „Hier wird der Eindruck erweckt, es handle sich um eine amtliche Nachricht, obgleich deren Inhalt genau genommen jeden stutzig machen sollte.“ So auch einen Bürger, der die Mail mit dem Heizungsversprechen offenbar mit dem Absender des Alb-Donau-Kreises erhalten hatte. Eine Nachfrage im Landratsamt bestätigte dann seinen Verdacht. Und Bernd Weltin, Pressesprecher der Behörde, betont auf Anfrage der Zeitung: „Wir haben das nicht verschickt.“

Wer dann? Das weiß auch Markus Mempel, der Pressesprecher des Deutschen Landkreistags, nicht. Unklar ist auch, was der Absender mit der Spam-Mail bezweckt. Die Adressaten werden ja nicht aufgefordert, erst mal 50 Euro Bearbeitungsgebühr zu überweisen, sie sollen auch keine Bankverbindung oder sonstige Daten angeben. „Vielleicht eine Spam um des Spammens willen“, meint Mempel.

Doch es gebe auch schwerwiegendere elektronische Attacken auf arglose Bürger. Mempel berichtet von einer gefälschten Facebook-Seite eines Landkreises, die dem Original täuschend nahe komme. Die Urheber säßen wohl in der Ukraine oder in Russland und könnten so in einem vermeintlich seriösen Umfeld auch zweifelhafte Inhalte platzieren, zum Beispiel Parteienwerbung: Mempel: „Da muss man sensibel sein.“

Na schön, dann heizen wir halt weiter mit Schweröl.

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