Warum die ganze Aufregung? Im vergangenen Jahr waren auf dem Festival „Rock dein Leben“ in Laichingen weit und breit keine rechten Umtriebe zu sehen. Das ist die Meinung vieler, die das Festival mit umstrittenen Bands wie „Freiwild“ besuchten. Sebastian Lipp vom Recherchebündnis „Allgäu rechtsaußen“ sieht und hört genauer hin: „Man muss sich überlegen, welchen politischen Strömungen die Texte der Songs von Freiwild in die Hände spielen.“

Lachingen

Lipp beschäftigt sich seit Jahren mit der so genannten „neuen Rechten“ und analysiert die Texte der Band „Freiwild“ sowie deren Umfeld. Auf Einladung des Bündnisses „Ulm gegen Rechts“ sprach er am Dienstagabend im Alten Laichinger Rathaus über „Freiwild – völkischer Nationalismus als hippe Popkultur“. Sebastian Lipp rollte die Geschichte der Band aus Südtirol auf, die 2001 von dem Sänger und Gitarristen Philipp Burger gegründet wurde. Burger hatte vorher bei der Rechtsrockband „Kaiserjäger“ gesungen, die sich 2001 nach einem Konzert mit Massenschlägerei auflöste. Bis 2008 war Burger Mitglied der Partei „Die Freiheitlichen“, von denen er sich später distanzierte. Der Journalist Thomas Kuban ordne die Band dem „Identitätsrock“ zu, der in der Neonazi-Szene verbreitet sei, sagte Lipp. Kuban zufolge seien die Texte nationalistisch und völkisch geprägt.

Bewusst uneindeutig

Lipp zitierte einen Text der Band, der antisemitisch verstanden werden könne. „Es gibt nur ihre Meinung, und sie denken nur schwarz-weiß, sie bestimmen, was gut, was böse ist, sie sind das, worauf ich scheiß’“ lautet eine Zeile aus dem Song „Gutmenschen und Moralapostel“. Weiter heißt es darin: „Sie richten über Menschen, ganze Völker sollen sich hassen, nur um Geschichte, die noch Kohle bringt, ja nicht ruhen zu lassen.“ Und: „Nach außen Saubermänner können sie jeden Fehler sehn, sind selber die größten Kokser, die zu Kinderstrichern gehn“. Die Texte seien teilweise so verfasst, „dass man nicht genau weiß, auf was sie sich beziehen“, sagte Lipp. Seine Schlussfolgerung: „Ich halte Freiwild nicht für eine Nazi-Band, aber für Nazis verwertbar.“ Die Kämpfer-Rhetorik mit Vokabeln wie „Heldenblut“ und „Maulkorbterroristen“ könne man als Aufforderung verstehen, politisch aktiv zu werden. „Man kann der Band vorwerfen, nationalistischen und völkischen Strömungen Vorschub zu leisten“, sagte der Referent. Ob das nur dem Kommerz diene oder als politisches Kalkül anzusehen sei, bleibe Interpretationssache.

So erging es auch dem Publikum mit dem Vortrag. Einer der etwa 25 Zuhörer bezeichnete Lipps Aussagen als „wirres Zeug“. Ein junger Mann, der nach eigener Aussage beim Laichinger Festival im vergangenen Jahr im Sicherheitsbereich tätig gewesen sei, sagte, damals sei alles friedlich verlaufen, rechte Umtriebe seien nicht festgestellt worden. Ein anderer verwies darauf, dass in Laichingen ja auch Punkrock­-Bands auf der Bühne stünden.Mitglieder des Bündnisses „Ulm gegen Rechts“ sind sich dagegen sicher, dass in den auf den ersten Blick oberflächlichen Texten bestimmte Codes versteckt sind. „Die Texte sind nicht dumm, sondern ausgefeilt“, sagte Bündnis-Mitglied Josef Naßl: „Es ist intelligente Propaganda, die bewusst dumpf daher kommt, weil das die Leute anspricht“.

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Zweite Auflage im Juli


Programm Das Festival „Rock dein Leben“ findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. Vom 25. bis 27. Juli treten auf dem Gelände des Flugsportvereins unter anderem umstrittene Bands wie „Freiwild“ „Maerzfeld“ und „Unantastbar“ auf. Auch ein Weißwurstfrühstück mit der Stadtkapelle Laichingen ist angekündigt.