Unesco Freude über die Anerkennung der Höhlen als Unesco-Weltkulturerbe

Region / Joachim Striebel 09.07.2017
Wir sind Welterbe! Der Alb-Donau-Kreis jubelt. Nach der Ernennung der „Höhlen und Eiszeitkunst im Schwäbischen Jura“ zum Welterbe ist der Freudentaumel groß.

Die waren relativ schnell fertig mit unserem Antrag“, sagt Heiner Scheffold, Landrat des Alb-Donau-Kreises. Von den 21 Mitgliedern des in Krakau tagenden Welterbe-Komitees der Unesco meldeten sich nur sechs zu Wort. Und die äußerten sich positiv zur Aufnahme der „Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb“ in die Liste des Weltkulturerbes. Scheffold, der Blaubeurer Bürgermeister Jörg Seibold, sein Kollege Ulrich Ruckh aus Schelklingen, Museums-Direktorin Dr. Stefanie Kölbl und etliche Mitarbeiter des Museums und des Ulmer Landratsamts verfolgten im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren per Livestream die Behandlung des Antrags in Krakau, die gestern nur von 12.33 bis 12.40 Uhr dauerte. Gerade als der Vorsitzende die Entscheidung verkündete, gab es eine kurze Störung. Doch das Ergebnis, das Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalpflege sogleich per SMS aus Krakau bestätigten, war klar: Die Höhlen sind Weltkulturerbe.

Jubel im Museum,  Anstoßen mit einem Gläschen Sekt. Und wenig später Geschäftigkeit. Eilends wird eine Pressekonferenz einberufen. Dort spricht Landrat Scheffold von einem „wahnsinnigen Impuls für die Region“. Die Ulmer Bürgermeisterin Iris Mann gratuliert. „Wir sind alle froh und glücklich“, sagt der Heidenheimer Landrat Thomas Reinhardt. „Wir laden die ganze Welt zu uns ein.“ Es gebe jetzt viel zu tun. „Es geht morgen los.“

Reinhardt und Scheffold setzen auf enge Kooperation der beiden Landkreise und der Städte und Gemeinden, auf deren Gebiete die sechs zum Welterbe gehörenden Höhlen liegen. Mit im Boot sitzt auch die Stadt Ulm, die in ihrem Museum den berühmten Löwenmenschen zeigt. Laut Scheffold ist geplant, eine hauptamtlich besetzte Geschäftsstelle für die gemeinsame Werbe-Dachmarke „Weltkultursprung“ einzurichten. Die Stelle soll beim Landratsamt des Alb-Donau-Kreises angesiedelt werden und sich um touristische Vermarktung kümmern. Es sollen weitere Wanderwege beschildert und Höhlen-Konzerte mit namhaften Künstlern angeboten werden.

Zu der jetzt von der Unesco geadelten Fundlandschaft gehören drei Höhlen im Achtal bei Schelklingen und Blaubeuren (Hohler Fels, Sirgenstein, Geißenklösterle) und drei Höhlen im Lonetal bei Rammingen, Asselfingen und Niederstotzingen (Bockstein, Hohlenstein, Vogelherd). Die Fundplätze der ältesten Musikinstrumente und der ältesten figürlichen Kunstwerke stünden jetzt im gleichen Rang wie die Chinesische Mauer und die Pyramiden von Gizeh, sagte Scheffold.

Er stellt sich vor, dass Besucher in Blaubeuren ein E-Bike leihen, damit die Höhlen im Achtal besuchen, dann über Blaustein nach Ulm radeln, die Lonetal-Höhlen besichtigen und das Fahrrad dann im Archäopark bei Niederstotzingen wieder abgeben. Er hofft bei der Umsetzung eines touristischen Angebots auf die Unterstützung des Landes Baden-Württemberg, das mit den Höhlen nun eine sechste Welterbestätte hat neben der Klosterinsel Reichenau, der Klosteranlage Maulbronn, dem Obergermanisch-Raetischen Limes, den prähistorischen Pfahlbauten und den beiden Le-Corbusier-Häusern der Stuttgarter Weißenhofsiedlung.

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Originale in mehreren Museen

Konzept Die Unesco-Anerkennung der Höhlen und Eiszeitkunst ist kein Anlasse, das Konzept zur Präsentation von Original-Fundstücken zu ändern. Landrat Heiner Scheffold verwies gestern bei der Pressekonferenz auf die vor Jahren getroffene Entscheidung der Landesregierung, die Funde dezentral auszustellen. In der Region sind in Blaubeuren, in Ulm und in Niederstotzingen Originale zu sehen. Für den Blaubeurer Bürgermeister Jörg Seibold wäre das Urgeschichtliche Museum als Zweigeinrichtung des Archäologischen Landesmuseums auch der geeignete Ausstellungsort für mögliche weitere Funde.

Unterstützung Über Jahrzehnte haben Wissenschaftler mit Hilfe von Vereinen, Firmen und Privatleuten Basisarbeit geleistet. Ein wichtiger Punkt für die Archäologie in der Region und den Erfolg des Welterbe-Antrags, sagte Georg Hiller, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Blaubeurer Museumsstiftung.