Oppingen "Dolores": Filmteam durch Zufall in Oppingen gelandet

Oppingen / JOACHIM LENK 04.09.2015
Alles ist im Kasten. Der Regisseur ist zufrieden. Stundenlang standen die Kameras in der Nacht im Bahnhof in Oppingen, wo für den ARD-Spielfilm „Dolores“ Szenen mit der Schmalspurdampflok gedreht wurden.

Es ist Mittwoch, kurz vor 22.30 Uhr. Der Oppinger Bahnhof ist ausgeleuchtet. Auf den Schienen schnauft die 111 Jahre alte Dampflok 99 7203. „Kamera läuft, Ruhe bitte“, sagt Regisseur Michael Rösel. Es ist mucksmäuschenstill am Set. Langsam setzt sich die betagte Eiserne Lady mit Lokführer Matthias Biro und seinem Vater Heinrich, der den Heizer spielt, in Bewegung und dampft langsam los.

In den beiden Waggons der bayerischen Zugspitzbahn aus den 1920er-Jahren sitzen die Schauspieler Udo Schenk (Georg), Franziska Petri (Dolores) und Marcus Grüsser (Hollywood-Star Laney). Auf dem Bahnsteig steht Christian A. Koch, der den SS-Kommandanten Wolf im Spielfilm „Dorlores“ mimt. Der Streifen spielt in den 1940er- und 1950er-Jahren.

Drumherum tummeln sich Zugführer Bernd Scherer, Mike Weiß, Michael Maurer, Heiner Mergel und Achim Heidenreich. Alle gehören, wie auch die Biros, zu den Ulmer Eisenbahnfreunden, denen auch das Alb-Bähnle gehört, das sonst als Museumsbahn sonntags zwischen Amstetten und Nellingen-Oppingen schnauft.

Außerdem sind noch einige andere Statisten am Set, die schon bei verschiedenen anderen Fernsehproduktionen mitgespielt haben. Da die Szenen am Bahnhof im Dritten Reich spielen, müssen sie sich im Vorfeld die Haare kräftig stutzen lassen. Die Maskenbilderinnen haben viel zu tun. Sogar im Freien legen sie Hand an.

In Oppingen ist der sechste Drehtag. Die Szenen in Stuttgart und Schwäbisch Gmünd sind bereits abgedreht. Jetzt geht es in Nürtingen weiter, wo in der Villa Domnick, die heute ein Kunstmuseum ist, zwei Wochen lang die Kameras stehen.

In dem 90-minütigen Spielfilm, den die Macher für das Abendprogramm der ARD produzieren, geht es um die Hollywood-Diva Dolores Moor, die den Modellbauer Georg beauftragt, ein maßstabgetreues Modell von ihrer extravaganten Villa anzufertigen. Während der Bauphase wird der Künstler Zeuge, wie der Stern des in die Jahre gekommenen Weltstars zu sinken beginnt. Dabei geschehen unvorhergesehene Dinge. . . Mehr verrät Autor Sebastian Feld an diesem Abend in Oppingen nicht.

Produzent Frieder Scheiffele, der Geschäftsführer der Schwabenlandfilm GmbH, hatte nicht damit gerechnet, dass überhaupt in Oppingen gedreht wird. Geplant war nämlich, die Bahnhofsszenen in Münsingen zu drehen. Aber dort steht zurzeit keine Dampflok. Die Alternative Blumberg am Südrand des Schwarzwaldes war dem Team zu weit entfernt. Man hatte sich schon darauf eingestellt, die Szenen unter den Arkaden der Markthalle in Stuttgart zu drehen und den Bahnhof mit Lautsprecheransagen zu simulieren. Vor zwei Wochen bekam dann das Team einen Tipp, dass in Oppingen eine alte Dampflok steht.

„Der Verein hat spontan zugesagt und versprochen, dass einige Mitglieder sogar als Statisten mitspielen“, erzählt Scheiffele. Nicht nur das Team, auch die Schauspieler sind begeistert von dieser einmaligen Location, schwärmt Regisseur Rösel.

Auch das Entgegenkommen der Oppinger fasziniert das Produktionsteam. Ein Landwirt öffnet spontan seine Scheuer, in der alle Beteiligten ihr Abendessen einnehmen können. Alles in allem sind es knapp 40 Personen. Mit dabei sind Pyrotechniker, die es während der Aufnahmen kräftig knallen lassen.

In Windeseile spricht es sich in dieser Nacht im Flecken herum, dass am alten Bahnhof ein Film gedreht wird. Immer wieder kommen Schaulustige vorbei und verfolgen die Aufnahmen in gebührendem Abstand. Sandra Scheifele, die im Rathaus arbeitet, macht eifrig Fotos für das Gemeindeblatt und wird vom Fleck weg für eine Statistenrolle engagiert. Ein paar Schüler lassen sich derweil von den Schauspielern Autogramme geben.

Gegen 3.15 Uhr am Donnerstag ist endlich alles im Kasten. Die Beteiligten sind froh, dass es wie am Schnürchen geklappt hat. Auch wenn einige Szenen mehrmals gedreht werden mussten. „Aber das ist normal“, sagt Regisseur Rösel, der sein Gähnen nur mühsam unterdrücken kann. Wenig später fährt das Team ins Hotel, die alte Lokomotive schnauft zurück in den Lokschuppen nach Amstetten.

„Dolores“ wird voraussichtlich im Herbst 2016 in der ARD ausgestrahlt. Produzent Scheiffele geht davon aus, dass nur etwa zwei bis zweieinhalb Minuten davon in Oppingen spielen.

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