Kirche Evangelischer Gemeindepfarrer erprobt neue Formate

Merklingen / Joachim Striebel 28.06.2018

Cornelius Küttner, evangelischer Gemeindepfarrer in Merklingen, erprobt neue Formate, um Menschen zu erreichen. Im Grunde sind es aber ganz alte: Beispielsweise gemeinsam mit anderen zu essen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen, wie es schon Jesus getan hat.

Herr Küttner, Sie hatten kürzlich zum Männergottesdienst bei Fassbier und Grillfleisch in den Merklinger Kirchgarten eingeladen. Wie kam denn das ungewöhnliche Angebot an?

Cornelius Küttner: Das kam besser an, als ich erwartet hatte. Es waren gut sechzig Männer da, ich konnte sie nicht genau zählen. Die jüngsten 16, die ältesten 85 Jahre alt. Und viele Männer im mittleren Alter. Ungefähr zwanzig Prozent gehören zum engeren Speckgürtel der Kirche, die anderen sind sonst eher weiter weg. Da war ich total baff.

Wie viele Männer kommen in Merklingen in einen gewöhnlichen Sonntagsgottesdienst?

Meist sind es insgesamt rund sechzig Gottesdienstbesucher, darunter nur zwanzig Prozent Männer. Unter den Bläsern, die jeden Sonntag im Gottesdienst spielen, sind natürlich auch viele Männer.

Hört man bei Fleisch und Bier auf Gottes Wort?

Mein Gefühl sagt: ja. Das passiert aber anders als in der Kirche. Die Besucher sitzen an Biertischen, das ist nicht so frontal. Ich lese auch keinen langen Text mit zehn Versen. Ein einziger Bibelvers steht im Mittelpunkt und ich gebe einen Impuls von drei Minuten. Das ist ein völlig verändertes Setting. Es besteht die Möglichkeit, miteinander zu sprechen. Es geht nicht darum, dass ich vorne was erzähle, es geht darum, dass etwas passiert.

Standen Sie selber am Zapfhahn?

Ja, und andere Männer haben mir geholfen. Ich wollte Gastfreundschaft zeigen. Was macht man in einer Männerrunde? Man drückt dem, der kommt, ein Glas in die Hand. Das muss nicht Bier sein. Das ist das, was Jesus konnte: die Schwelle brechen. Oft wird berichtet, dass er mit den Menschen gegessen hat.

Welche Botschaft hatte Ihr Impuls?

Unter dem Titel „Von Löwenherzen und Heldenmut“ ging es um den Vers „Niemand liebt mehr als einer, der sein Leben für seine Freunde einsetzt“ aus Johannes 15. Und ob es heute noch Männer braucht in der Gesellschaft und in der Kirche, Männer mit Löwenherz und Heldenmut. Bei der Feuerwehr, bei der Frauen freilich nicht unerwünscht sind, bringen sich Männer selbst in Gefahr, damit andere überleben können. Man kann nichts Besseres tun, als sich einzusetzen für andere.

Am kommenden Sonntag ist „Männerzeit“ im Kirchgarten in Machtolsheim. Wird es dort ähnlich ablaufen?

Ja, bis auf den Hauptimpuls wird alles ziemlich gleich sein. Manche, die in Merklingen dabei waren, wollen auch nach Machtolsheim kommen.

Was gibt’s zum Essen?

Es gibt wieder Fleisch, Pulled Pork aus dem Smoker. Und dazu Bier vom Fass.

Haben Sie für die Reihe „Gottesdienst anders“ noch weitere Ideen?

Für Konfirmanden und deren Eltern gibt es am 29. Juli in Machtolsheim und am 16. September in Merklingen eine „Bring & Share-Party“. Nicht nur, dass die Jugendlichen und die Eltern Essen mitbringen und das teilen, sondern auch sich selber mitbringen und was von sich mit anderen teilen. Im Advent wird etwas Besonderes nur für Jugendliche angeboten, die „Jugendzeit“ im Chorraum der Kirche. Ein Kerzen-Dinner, ein Festmahl mit Musik, aber auch mit wesentlichen Elementen eines Gottesdienstes. Ich denke an weitere Formate: Ich will mit Menschen an besonderen Orten in Merklingen und Machtolsheim zusammenkommen. Jeder bringt sich ein mit seinen Gedanken zu einem Bibelwort. Im Herbst gibt es einen Lauf-Gottesdienst, ein gemeinsames Joggen mit einer Liturgie. Damit habe ich aber noch keine Erfahrung.

Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen mit neuen Angeboten?

Zum Auftakt hatten wir ja schon eine gut besuchte „Frauenzeit“. Das lief auch übers gemeinsame Essen. Bei unseren „Echtzeit“-Gottesdiensten mit Interviewpartnern stieg die Zahl der Gottesdienstbesucher von sechzig auf etwa 200. Da gibt es keine Predigt von mir, aber es wird auch über Fragen des Glaubens gesprochen. Es war die älteste Einwohnerin Merklingens, eine 97-Jährige da, und eine zugezogene Frau mit elf Kindern, die ist auch schon 94. Beim Erntebittgottesdienst hatte ich zwei Merklinger Bauern im Interview. Das war sehr spannend.

Seit sieben Jahren Pfarrer in Merklingen

Zwei Gemeinden Cornelius Küttner stammt aus Sachsen aus der Gegend südlich von Dresden und ist seit sieben Jahren Pfarrer in Merklingen. Im Zuge des neuen Pfarrplans ist er jetzt auch für den Nachbarort Machtolsheim zuständig. Der 34-Jährige ist verheiratet, das Ehepaar hat zwei Kinder.

Im Kirchgarten Die „Männerzeit“ im Kirchgarten in Laichingen-Machtolsheim beginnt am kommenden Sonntag, 1. Juli, um 18 Uhr.

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