Nellingen Gemeinde will Umgehungsstraße

Nellingen / Von Ralf Heisele 08.11.2018
Immer mehr Autos und Lastwagen rollen durch Nellingen. Die Gemeinde nimmt einen neuen Anlauf für eine Umgehungsstraße.

Immer mehr Autos zwängen sich durch Nellingen. Nach der neuesten Zählung sind es täglich 6616 Fahrzeuge, darunter mit 11,5 Prozent ein hoher Anteil an Lastwagen. Die Bürger beschweren sich zuhauf im Rathaus. Bürgermeister Franko Kopp und der Gemeinderat drängen schon lange auf eine Umfahrung, die östlich an Nellingen vorbeiführen soll. Seit 2004 ist das Projekt auf der Agenda. Trotz mehrerer Anläufe ist das Vorhaben bislang nicht weiter vorangekommen.

Jetzt haben die Nellinger den CDU-Landtagsabgeordneten Manuel Hagel mit ins Boot genommen, der Anfang Oktober eine kleine Anfrage im Landtag eingebracht hat. Unter anderem will er wissen, ob die Landesregierung die „Planungen für eine Umgehungsstraße“ weiterführe oder umsetze? Sollte dies nicht der Fall sein, fragt Hagel: „Welche andere Möglichkeiten gibt es, um die Ortslage in Nellingen zu entlasten?“ Bürgermeister Kopp hofft noch in diesem Jahr auf eine Antwort aus Stuttgart – und darauf, dass die Umfahrung im Bundesverkehrswegeplan in den vordringlichen Bedarf kommt.

Für Kopp ist klar – so kann es nicht weitergehen: Nellingen ist durch den Ausweichverkehr zwischen den Anschlussstellen in Merklingen (A 8 ) und Langenau (A 7) „erheblich belastet“, insbesondere durch die vielen Lastwagen. Durch die seit Juli auf allen Bundesstraßen geltende Lkw-Maut „erhöht sich der Handlungsdruck nochmals“. Hinzu kommt der Umleitungsverkehr auf der A 8, der ebenfalls durch Nellingen führt. Die Auswirkungen sind für die Nellinger am kommenden Wochenende wieder einmal zu spüren: Wegen Fahrbahnsanierungen wird die Autobahn in Richtung München ab der Anschlussstelle Mühlhausen von Freitagabend 21 Uhr an bis Montag um 6 Uhr voll gesperrt.

Auch der dreispurige Ausbau der Autobahn schaffe laut Kopp kaum Abhilfe. Durch das Nadelöhr am Drackensteiner Hang müsse man noch auf lange Zeit mit Unfällen und Rückstaus rechnen. Die Folge seien hunderte Fahrer, die auf die Landes- und Kreisstraßen zwischen Mühlhausen und Merklingen ausweichen. Nicht zuletzt werde die Gemeinde von dem Baustellenverkehr im Zusammenhang mit dem Ausbau der A 8 und dem Neubau der Bahntrasse „über Gebühr belastet und beeinträchtigt“.

Ein weiterer Punkt spricht aus Sicht Nellingens für eine Ortsumfahrung: der Gewerbepark „Schwäbische Alb“ bei Türkheim. Nach Jahren des Leerstands will dort laut Kopp nun ein Speditionsunternehmen ein „riesiges Logistikzentrum“ aufbauen. Der Bürgermeister befürchtet, dass ähnliche Bauten folgen. „Das darf nicht zulasten der Gemeinde Nellingen und deren Bürger gehen“, stellt der Schultes klar.

Belastung nimmt weiter zu

Unterm Strich gehen Kopp und der Gemeinderat davon aus, dass die Verkehrsbelastung in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird. Nicht zuletzt durch den Bahnhof bei Merklingen, der auch Nellingen einen Wirtschafsschub bringen werde.

Dem Nellinger Bürgermeister ist klar, dass auch unter günstigsten Voraussetzungen der Bau einer Umgehungsstraße noch einige Jahre auf sich warten lässt. Bis dahin setzt er auf kleinere, aber schnelle Lösungen. Bereits umgesetzt wurde die Einführung von Tempo 30 auf der Merklinger Straße. Damit soll Verkehrslärm reduziert werden. Noch auf der Agenda stehen:

● Der A8-Umleitungsverkehr in Richtung München führt derzeit über Nellingen nach Scharenstetten. Der Verkehr soll künftig über die Merklinger Ortsumfahrung in Richtung Scharenstetten erfolgen. Damit könne ein Teil des Verkehrs aus Nellingen herausgehalten werden, ohne dass dies zulasten der Merklinger Bevölkerung gehe.

● Für Franko Kopp ist unbestritten, dass durch den Umleitungsverkehr von und zur Anschlussstelle bei Merklingen die Nellinger Ortsstraßen zu leiden haben – insbesondere durch den drastisch zugenommenen Lkw-Verkehr. Dies gilt in erster Linie für die Türkheimer, Aicher und Merklinger Straße. Kopp: „Die Gemeinde hat keinerlei Verständnis, dass der Landkreis die vorgesehenen Sanierungsmaßnahmen im Bereich dieser Straßen zeitlich verschoben hat.“ Die Straßenschäden führen nämlich zu mehr Lärm, was wiederum die Anwohner auf den Plan rufe. Diese fordern inzwischen „sehr massiv“ Bürgermeister und Gemeinderat zum Handeln auf.

● Auch die Freistraße und die Aufhauser Straße weisen inzwischen starke Schäden auf. Auch dort müsste der Straßenbelag schnellstmöglich erneuert werden, fordert die Gemeinde.

● Das Ortsschild in Richtung Türkheim soll der Wohnbebauung angepasst, sprich weiter ortsauswärts platziert werden.

Gremium favorisiert die Osttangente

Seit 2004 beschäftigt sich der Nellinger Gemeinderat mit einer Ortsumfahrung. Das Gremium entschied sich damals für die sogenannte Osttangente. Sie beginnt an der Landesstraße von Türkheim kommend und soll den Verkehr in Richtung Oppingen um den Ort leiten. Auf der etwa 4,7 Kilometer langen Strecke sind zwei Anbindungen (an der Oppinger Straße und im Süden an der Merklinger Straße) vorgesehen. Die Streckenführung müsste heutzutage aufgrund der baulichen Weiterentwicklung in Richtung Nordosten angepasst werden.

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