Hilfe „Das ist unsere Geschichte“

Die Feuerwehr Beimerstetten hat an Prof. Albert Christian Ludolph (rechts) von der Charcot-Stiftung und Direktor des Neurologischen Uniklinikums Ulm eine Spende übergeben.
Die Feuerwehr Beimerstetten hat an Prof. Albert Christian Ludolph (rechts) von der Charcot-Stiftung und Direktor des Neurologischen Uniklinikums Ulm eine Spende übergeben. © Foto: Elvira Eberhardt
Petra Laible 06.11.2018

Es sei ihr „Auftrag“, sagt Armin Eberhardt, Zugführer der Freiwilligen Feuerwehr Beimerstetten: an den 2010 mit Mitte 40 verstorbenen Feuerwehrkameraden Jürgen Kaufmann zu erinnern und dessen Krankheit, die Amytrophe Lateralsklerose (ALS), nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Seit vielen Jahren sammeln die Feuerwehrleute ebenso wie die Motorradfreunde, deren Präsident Kaufmann war,  Spenden für die Charcot-Stiftung für ALS-Forschung. Wo immer sich die Gelegenheit bietet. Oft bei kleineren Aktionen. Aber auch bei Feiern. Beispielsweise 2013 beim Gottesdienst anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Feuerwehr.

Oder wie zuletzt im September bei einem Kabarettabend der Feuerwehr mit Günter Nuth in der Lindenberghalle. „Neben dem Spaß an diesem Abend wurde auch die Werbetrommel für die ALS–Forschung gerührt“, berichtet Eberhardt. Es sei ein Spendenschlauch durchs Publikum gegangen. „Das Ergebnis war überwältigend: 752,98 Euro.“ Die Summe hätten sie dann auf einen „Feuerwehr-Betrag“ aufgerundet, erzählt er: 1121,12 Euro, in Anlehnung an die Notrufnummer.

Zusammen aufgewachsen

Da das Retten von Menschenleben eine Pflichtaufgabe der Feuerwehr sei, hätten sie mit dieser Spende in einer anderen Art und Weise Leben retten wollen. Da gibt es viele Möglichkeiten. Doch die Beimerstetter mussten auch dieses Mal nicht lange überlegen, wohin die Spende fließt. „Das ist unsere Geschichte, dass wir das nicht vergessen“, sagt der 52-Jährige – den Menschen Jürgen Kaufmann, der mehr als 25 Jahre lang bei der Feuerwehr war, und die Krankheit an sich.

Er selbst sei mit Kaufmann, der aus dem Dorf kam und dort mit seiner Familie lebte, schon in die Schule gegangen. Dessen zwei Kinder seien ebenfalls in der örtlichen Feuerwehr engagiert. „Da hat man ein Verhältnis dazu.“

Die Spende wurde kürzlich im Beimerstetter Feuerwehrhaus an Prof. Albert Christian Ludolph von der Charcot-Stiftung und Direktor des Neurologischen Universitätsklinikum Ulm übergeben. Aus diesem Anlass habe Ludolph gut eine Stunde über die Krankheit ALS und über Forschungsergebnisse berichtet, die mit Hilfe der Charcot-Stiftung schon erreicht wurden. Im Schnitt sei jeder 400. von der Nervenkrankheit betroffen. Es sei wichtig, dass auf die Erkrankung aufmerksam gemacht werde, habe Ludolph erklärt. Denn die Familien von Betroffenen seien häufig so stark belastet, dass sie diese Erinnerung schnell wegschieben müssen.

Es passt zu dem Einsatz der Feuerwehrleute und Motorradfreunde, was Kaufmann selbst 2003 in Worte gefasst hatte. Damals waren bei einem Benefizkonzert von seinen Freunden und Bekannten in der Lindenberghalle 16 000 Euro zusammengekommen, dazu auf einem Spendenkonto nochmals 17 000 Euro.

Der 37-Jährige, der zu dieser Zeit seit etwa einem Jahr unter ALS litt, war von der Unterstützung überwältigt. In einem Dankesbrief an alle schrieb er: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht. Sondern die Gewissheit, dass es Sinn hat, egal, wie es ausgeht.“

Unaufhaltsame Lähmung der Muskulatur

Krankheit Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine Erkrankung des Nervensystems, und äußert sich allein in motorischen Symptomen, informiert die Charcot-Stiftung für ALS-Forschung. Zu Beginn der Krankheit treten häufig Krämpfe und unwillkürliche Bewegungen sowie ein unerklärlicher Gewichtsverlust auf. Sie führt unaufhaltsam zu einer Lähmung der gesamten Muskulatur. Gehen, Bewegungen, Sprechen und Atmen fallen zunehmend schwerer. Der Patient ist auf Hilfe von Menschen und auf technische Hilfsmittel angewiesen. Therapeutisch gibt es nach Angaben der Charcot-Stiftung derzeit nur ein Medikament, das den Krankheitsverlauf verlangsamt.

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