In dem als Sand- und Kieslager genutzten ehemaligen Bundeswehrdepot im Benzwang soll künftig auch gering belastetes Material gelagert sowie eine Tankstelle errichtet werden. Der Amstetter Gemeinderat hat Bedenken und deshalb am Montag die vom Betreiber gewünschten Befreiungen vom geltenden Bebauungsplan verweigert. Stattdessen soll die beabsichtigte Nutzung durch eine Änderung des Bebauungsplanes grundlegend neu geregelt werden.

Zuvor hatte die von der IGA GmbH und Co. KG  (Immobiliengesellschaft Amstetten) als Besitzerin des Geländes beantragte immissionsschutzrechtliche Genehmigung für einigen Diskussionsstoff im Gremium gesorgt. Dabei hatten die Gemeinderäte Bedenken vor allem wegen der künftig an- und abtransportierten Mengen. Die zwischen Amstetten-Bahnhof und dem Benzwang verkehrenden und an jeder Kreuzung mit lauten Warnsignalen hupenden Güterzüge sorgen schon länger für Verärgerung bei Anliegern, die über massive Lärmbelästigung klagen (die GZ berichtete). „Wird der Verkehr künftig zunehmen?“, sorgte sich Heinrich Schmohl.

IGA-Geschäftsführer Wolfgang Engler versicherte darauf, dass es auch künftig nicht mehr als 60 Lkw-Fahrten am Tag sowie ein bis drei Güterzüge pro Woche geben werde. Diese Zahl bezieht sich allerdings nur auf die Züge, die mit Sand und Kies für den Bau der Schnellbahntrasse aus Sachsen und Thüringen im Bahnhof Am­stetten ankommen. Dort muss die 1450 bis 1800 Tonnen schwere Ladung der „Ganzzüge“ auf kleinere Züge mit je 500 Tonnen umgeladen werden, weil die Lok sonst die Steigung auf der Strecke der Ulmer Eisenbahnfreunde ins Benz­wang nicht schafft. Dass aus den ein bis drei großen Zügen somit drei bis elf Züge pro Woche werden, sagte Engler nicht.

Die Frage nach den Mengen beschäftigte das Gremium auch, weil die IGA nicht nur Sand aus dem Osten auf die Alb transportieren lassen, sondern die Züge mit Boden und leicht belastetem Material von Baustellen aus der Region wieder zurückfahren lassen will. Zur Zwischenlagerung dieses Materials benötigt die IGA rund 5000 Quadratmeter zusätzliche Lagerfläche, das entspricht einem Volumen von rund 12 000 Kubikmetern oder einer Masse von knapp 23 000 Tonnen. Außerdem will die IGA auf dem Gelände eine Dieseltankstelle mit 5000 Litern Treibstoff einrichten.

Die Firma versichert, dass sämtliche Lagerflächen mit Beton oder Asphalt versiegelt, Tankstelle und belastetes Material sogar in Hallen überdacht untergebracht seien. Dem Gemeinderat waren die dafür notwendigen mehrfachen Befreiungen vom Bebauungsplan dann doch zu zahlreich. „Da sind zu viele Fragen offen, um die Sache einfach durchzuwinken“, meinte Michael Kasper. „Wenn, dann sollten wir es richtig machen“, plädierte auch Peter Kaluza für eine förmliche Änderung des Bebauungsplans. Dieser Meinung war auch die Verwaltung. Am Ende wurde mit großer Mehrheit beschlossen, dem Antrag auf Befreiungen vom Bebauungsplan „wegen gravierender Abweichungen kein Einvernehmen zu erteilen“.

Walter Sigloch wollte noch wissen, woher das belastete Material aus der Region stamme und um was genau es sich handle. Die Antwort ging im allgemeinen Gemurmel nach dem Beschluss unter. Auf Anfrage erfuhr die GZ  vom Planer der Firma IGA gestern, dass es nur Bodenaushub und Bauschutt sei.