Portrait „Boiers Lisabeth“, die Bienen-Oma

Clemens Schenk 08.10.2018

Ein ganz besonderes Naturjahr ist das Jahr 2018 für das Sießener Original und die auch über die Gemeindegrenzen von Hörenhausen hinaus vielen als „Bienen-Oma“ bekannte Boiers Lisabeth. Eigentlich heißt sie Elisabeth Martin, doch unter diesem Namen kennt sie im Ortsteil Sießen kaum einer. Vielmehr hat sich der Hausnamen durchgesetzt. Vor drei Jahren schon feierte sie ihren 90. Geburtstag mit 140 Gästen mit einem „einmaligen und überwältigenden“ Fest und war bei der „rauschenden Geburtstagsfeier“ der Mittelpunkt und dabei sehr dankbar, dass sie „diesen hohen Geburtstag in einer so erstaunlichen körperlichen und geistigen Verfassung noch erleben durfte“.

Auch mit ihren 93 Jahren hat sie von ihrem Elan nichts eingebüßt „nur manchmol isch mers a bißle schwindlig“, verrät sie. Das hindert sie aber nicht daran, fast täglich in „Gottes freier Natur“ in ihrem „geliebten“ Garten zu „werkeln und zu pflegen“. Viele Autofahrer haben sie sicher schon dabei beobachtet, wenn sie an der als Autobahnzubringer vielbefahrenen Hörenhauser Hauptstraße am Hang bei jedem Wetter in ihrem Garten arbeitet. Dass dieses Jahr in der Natur alles „so prächtig wächst und gedeiht, dass die Bäume krachen“, ist für sie eine „große Freude“. Sie erlebt eine Obsternte „wie noch nie in meinem langen Leben“ und ist dabei ganz in ihrem Element.

Auf die Frage, ob man darüber vielleicht einen Zeitungsbericht schreiben könnte und auch Bilder machen soll, willigt sie sofort ein. Fotomotive gibt es ja auch genug. In ihrem Garten steht etwa ein alter, verlassener Hühnerstall. „Dr Marder hot hier neun Junghenna he gmacht“, ist sie immer noch traurig. Im ganzen Areal wachsen Obstbäume, Beerenstäucher, Gemüse aller Art, Blumen, Stauden, Gräser und Gewächse in allen Varianten und Größen. Besonders angetan hat es der Bienen-Oma eine „Fetthenne“, ein Dickplatzgewächs.  Ganz stolz zeigt sie eine Blüte einer Fetthenne, die aussieht wie ein Herz. „Ein besonderes Geschenk der Natur“.

Der Spitznamen „Bienen-Oma“ kommt übrigens von daher, dass sie sich seit ihrem 16. Lebensjahr um die Bienenvölker auf dem elterlichen Bauernhof kümmerte. Aus der anfänglichen Verpflichtung wurde „eine große Leidenschaft“, und diese Liebe hält bis heute (siehe Info-Kasten).

Berufswunsch Gärtnerin

Von ihrem Berufswunsch Gärtnerin habe sie eine Schwägerin abgebracht mit der Begründung: „Do gibt’s immer so viele Schronda an de Hend“ und früher habe es noch keine Handcreme gegeben. Überall verteilt sind im Garten Sitzgelegenheiten, „aber i komm gar it zom nahocka vor lauter Arbet“, so die rüstige Seniorin. Sie ist immer aktiv, so hat sie als besonderes auch einen „Bienenbaum“ gepflanzt und meinte dazu in ihrer lyrischen Art, „Wenn ich wüsste, dass ich morgen sterbe, dann würde ich heute noch ein Bäumchen pflanzen.“

Beim Gang durch den Garten hört man zwei quakende Laufenten in ihrem Gehege. Auch eine alte Mostpresse gehört zu ihren Besonderheiten. Dekoriert wird diese von einem Steinmann, den sie von einer Freundin zu ihrem 70. Geburtstag geschenkt bekommen habe, „den habe sie neu angestrichen und er lebe immer noch“, meinte sie lachend. Die große Masse an Obst, so auch in ihrem Garten, die sogar zu Baumbrüchen geführt habe, könne man sich nicht erklären – denn die Voraussetzungen in diesem Jahr waren nicht die besten.

Eine alte Weisheit sage, dass es nach dem Blühen des Waldes, der in diesem Jahr ja sehr stark blühte, „im selben Jahr wenig Ernte gebe“. Tatsächlich habe es sich heuer anders entwickelt. Ideale Blüh- und Bestäubungsbedingungen sorgten dafür, dass Apfel-, Birnen- und Zwetschgenbäume nun voller Früchte hängen. Für sie sei Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten „lebenswichtig“. Sie mache auch „viel ein“, oder gebe es in die Gefriertruhe. Ein Grund ihrer Rüstigkeit: „Ich kann gut schlafen“, sie brauche keine Schlaftabletten.

Bienen haben sich besonders angestrengt

Tierkunde Die gute Obsternte in diesem Jahr sei auch den Bienen zu verdanken, ist Elisabeth Martin überzeugt. Die Tiere seien heuer besonders gefordert gewesen: Schließlich wurden durch die kalte Witterung Mitte März nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Bienenvölker in ihrer Entwicklung zurückgeworfen. Als es dann plötzlich überall blühte, schienen viele Völker noch nicht stark genug zu sein, Flugbienen fehlten, um das Überangebot in der Natur zu bestäuben. „Schick doch deine Bienen“, wurde sie mehrfach angesprochen. Später hätten sich die Nektarsammlerinnen ins Zeug gelegt und Extra-Schichten gemacht. In ihrem hohen Alter betreut die Hobby-Imkerin immer noch fünf Bienenvölker. „Bienen pflegen und nie um einen Witz verlegen“, lautet eines ihrer Lebensmottos.

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