Vortragsreihe Vortrag: „Besser denken“ im Pfleghof

Langenau / Josephine Schuster und Desiree Daudrich 14.03.2018

Rund um den Menschen und sein Denken ging es beim Vortrag des Philosophen und Kunsttheoretikers Marcus Steinweg, der im Rahmen der Reihe „Besser Denken“ in den Langenauer Pfleghof eingeladen war.

Als Jugendlicher begann der 46-Jährige, sich mit Philosophen auseinander zu setzen. „Ich habe zwar kaum etwas verstanden, aber ein kleines bisschen schon. Und deshalb habe ich weiter gelesen”, erzählte er. Nach dem Abitur wollte er Philosophie in Freiburg studieren, brach aber nach einigen Monaten ab. „Ich war völlig enttäuscht. An der Uni fand ich zwar lauter Professoren, aber keine Philosophen. Das Denken an sich hat mir gefehlt.“ Steinweg sagte, dass der Übermut, der zum Denken gehört, die Philosophie unseriös mache. Dies sei auch der Grund, wieso man dafür manchmal ausgelacht werde. Es sei nichts „Handfestes“. Philosophen seien Realitätsflüchtlinge. „Doch wo ist der Boden der Realität?“

Wer kommt, um Steinweg zu hören, der sollte etwas anfangen können mit Namen wie Hegel, Heidegger, Nietzsche, Descartes und Kant. Ein Profi muss man aber nicht sein, um die Gedankenreise Steinwegs zu verstehen. Er schaffte es, schwierige Ansätze zu erklären und nachvollziehbar zu machen. „Keiner sollte Angst davor haben, sich mit Philosophie zu beschäftigen“, sagte er.

Ohne Manuskript sprach Steinweg über die Frage „Was ist Philosophie?“ und ließ die Gäste an seinen Gedanken teilhaben. Bürgermeister Daniel Salemi sagte hinterher: „Es war eine schwierige Reise für mich. Und ein guter Denkanstoß. In der heutigen komplizierten Welt nimmt man nur allzu gern einfache Antworten hin.” Ähnlich sah es auch Besucherin Christa Brosig: „Es war schon anstrengend und ungewohnt, weil ich als Apothekerin eher aus der pragmatischen Richtung komme“, sagte die Rentnerin lachend. Im Kopf blieb vor allem ein Satz von Ludwig Wittgenstein, den Marcus Steinweg als „unglaublich“ bezeichnete: „Was ich weiß, das glaube ich.“

Im Rahmen der Reihe „Besser Denken“ war auch Wolfram Eilenberger mit seinem Buch „Zeit der Zauberer“ zu Gast im Pfleghof.  Die Protagonisten sind die Philosophen Ludwig Wittgenstein, Ernst Cassirer, Martin Heidegger und Walter Benjamin.  „Die Jahre 1919 bis 1929 markieren eine Epoche unvergleichlicher geistiger Kreativität, in der Gedanken zum ersten Mal gedacht wurden, ohne die das Leben und Denken in unserer Gegenwart nicht dasselbe wäre“, sagte Eilenbeger. Auch die jeweiligen Biografien der großen Denker griff der 46-Jährige auf.  So etwa die Romanze Heideggers mit der jungen Hanna Arendt und den Einfluss, den beide aufeinander genommen haben.

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