Gesellschaft „Alb 21“: Kirche will reagieren

Der Bau des Bahnhofs in Merklingen löst auf der Alb eine Zuwanderung aus. Die evangelische Kirche will sich darauf einstellen. Der Kirchenbezirk Blaubeuren hat in Stuttgart die Schaffung einer Stelle für einen Diakon beantragt.
Der Bau des Bahnhofs in Merklingen löst auf der Alb eine Zuwanderung aus. Die evangelische Kirche will sich darauf einstellen. Der Kirchenbezirk Blaubeuren hat in Stuttgart die Schaffung einer Stelle für einen Diakon beantragt. © Foto: Joachim Striebel
Blaubeuren / Margot Autenrieth-Kronenthaler 05.12.2018

Die evangelische Kirche will auf die Veränderungen auf der Alb reagieren. Pfarrer Jochen Schäffler aus Seißen und Pfarrer Cornelius Küttner aus Merklingen haben bei der Sitzung der Bezirkssynode in Blaubeuren den Antrag „Alb 21“ vorgestellt: Bei der Landeskirche wird eine 50-Prozent-Stelle für einen Diakon oder eine Diakonin beantragt. Die Person soll im Alb-Distrikt des Kirchenbezirks tätig sein. Dazu zählen Merklingen, Machtolsheim, Nellingen, Oppingen, Berghülen, Bühlenhausen, Treffensbuch, Seißen, Suppingen, Scharenstetten, Radelstetten, Bermaringen, Temmenhausen und Tomerdingen.

Infolge von Stuttgart 21, der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm und dem Bahnhof in Merklingen sei ein struktureller und gesellschaftlicher Wandel auf der Alb zu verzeichnen. „Veränderungen zeichnen sich ab, die Alb ist ein großes Zuzugsgebiet. Das macht was mit unseren Dörfern, wir wollen als Kirche aktiv werden“, sagte Jochen Schäffler. Nellingen sei etwa in den vergangenen vier Jahren um 25 Prozent gewachsen. „Als Kirche sind wir auf der Suche, wie wir diesen Menschen lebensdienlich begegnen können“.

Nicht nur Familien zögen in die Albdörfer, zunehmend seien es auch Alleinstehende, erläuterte Cornelius Küttner. „Kasualien“ wie Taufen oder Hochzeiten fielen dann als klassische Gelegenheiten zur Kontaktaufnahme weg. Begegnungsfelder zwischen Alteingesessenen und Zugezogenen sollten entstehen. „Wir müssen uns als Kirche um die Alleinstehenden kümmern“, betonte Küttner.

Der Kirchenbezirk hofft, dass die beantragte 50-Prozent-Diakonenstelle für fünf Jahre aus dem so genannten Flex-Paket 3 vom Fachausschuss in Stuttgart genehmigt wird. Das Flex-Paket 3 wurde als Begleitmaßnahme zum Pfarrplan aufgelegt. Wie berichtet, hat der Merklinger Pfarrer als Folge des Pfarrplans nun auch Machtolsheim zu betreuen, der Seißener Pfarrer ist für Suppingen zuständig. Küttner und Schäffler sind bezüglich ihres Antrags optimistisch. Zumindest habe es bis jetzt noch keine Absage gegeben.

Sicher ist, dass die Pfarrstelle Seißen/Suppingen von April an Unterstützung durch einen Vikar erhalten wird, wie Renate Schmid als Vorsitzende der Synode informierte. Auch in Blaustein wird eine Vikarin den praktischen Teil ihrer Ausbildung beginnen. In Nellingen/Oppingen teilen sich inzwischen Pfarrerin Heidi Knöppler und Pfarrerin Sandra Baier ihren Dienst.

Höhere Ausgaben durch Flüchtlingsarbeit

Diakonie Die Bezirkssynode hat dem Diakonieverband Ulm/Alb-Donau zusätzlich für den diesjährigen Haushalt 8340 Euro bewilligt. Diakoniepfarrerin Petra Frey nannte die Flüchtlingssozialarbeit als Grund für die finanzielle Lücke, bedingt durch die hohen Flüchtlingszahlen 2015. „Wir haben uns das als Kirche ordentlich was kosten lassen“, sagte Frey. Die Pfarrerin führte aus, in welchen Feldern die Diakonie aktiv ist. Neben den Kindertagesstätten und der Pflege erfolgt eine umfangreiche Beratungstätigkeit. „Wir beraten breite Bevölkerungsschichten und viele unterschiedliche Leute, die nicht unbedingt in den Kirchen anzutreffen sind“, sagte Frey. Ihr sei wichtig, dass sich die Kirchengemeinden mit dem diakonischen Beratungsangebot identifizierten.

Friedenspreis Pfarrer Rainer Schmid, der zur Dienstaushilfe im Schuldekanat Ulm/Blaubeuren als Religionslehrer eingesetzt ist, erhält den „Amos-Preis für Zivilcourage 2019“ für sein Engagement als Friedensaktivist. Die Ehrung findet im März statt.

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