Blaubeuren / Thomas Spanhel Michel Hermanns Projekt „Lokales Bildungsnetz“ steht vor dem Aus. Das Land wird die Stelle erst mal nicht weiter finanzieren. Jugendverbände setzen sich für eine Fortsetzung der guten Arbeit in dem Pilotprojekt ein. Mit einem Kommentar von Thomas Spanhel.

Foto-Shooting mit 20 Vereinen, Hip-Hop-Workshop oder auch ein Fußballturnier haben Michel Hermann in den vergangenen eineinhalb Jahren in Blaubeuren bekannt gemacht. Im Rahmen eines landesweiten Pilotprojekts kümmerte sich der Jugendsozialarbeiter um den Aufbau eines „Lokalen Bildungsnetzes“ (Lobin) in der Blautopf-Stadt. Mit Erfolg.

Das Projekt wird jedoch Ende Februar auslaufen. Die Abschlussveranstaltung im März hat Hermann schon in Planung. Denn offiziell war das Pilotprojekt des Sozialministeriums bis Ende Dezember befristet. Das früher SPD-geführte Ministerium wollte der neuen Regierung keine unangemessenen Finanzzwänge hinterlassen, sie sollte den „Zukunftsplan Jugend“ nach eigenen Vorstellungen ausgestalten. Die neue Spitze des Ministerium unter Leitung von Manfred Lucha (Grüne) hat es allerdings noch nicht geschafft, einen eigenen „Masterplan für die Jugend“ auf den Weg zu bringen. Daher fehlt auch die sonst übliche Folge-Finanzierung für Pilot-Projekte.

„Das ist sehr bedauerlich“, kommentiert Martin Bachhofer von der Landes-Arbeitsgemeinschaft Jugendfreizeitstätten die Situation. Durch das Nicht-Handeln der Regierung würde ein Teil der im Jugendplan bereits investierten zehn Millionen Euro verschenkt: „Das ist, als würde das Ministerium nur die Hälfte der Ernte einfahren.“ Mühsam aufgebaute Bildungs-Netze an neun Projekt-Standorten drohen wieder zu reißen, weil Mitarbeiter zum Teil schon in andere Jobs gewechselt sind. Das Evangelische Jugendwerk Blaubeuren erhielt ähnlich wie der Projektträger in Rottenburg noch Geld bis Ende Februar und gewann etwas Zeit. „Wir hatten gehofft, auch die neue Regierung von der Qualität des Projekts überzeugen zu können“, sagt Micha Schradi vom Evangelischen Jugendwerk.

Michel Hermann hat durch seine Aktionen jedenfalls viel in Bewegung gebracht für Jugendliche in der Stadt. Es entstanden engere Kontakte zwischen Vereinen und Schulen und neues Leben im städtischen Jugendhaus. Jugendliche ließen sich mit Hilfe von Mentoren-Programmen aktivieren, Migranten fanden eine neue Heimat in Sportvereinen. In einer Abschlussveranstaltung sollen demnächst Vereine und andere Projektbeteiligte noch einmal zusammen kommen: „Ich will nicht sang- und klanglos aufhören.“

Wie wertvoll der Aufbau lokaler Bildungsnetze sein kann, zeigen Erkenntnisse der wissenschaftlichen Projektbegleitung. „In vielen der neun Standorten war klar zu sehen, dass neue Gruppen von Jugendlichen erreicht wurden“, sagt Andreas Karl Gschwind von der Uni Tübingen. Er war beeindruckt, wie viele Ehrenamtliche aus Verbänden und Vereinen mitgemacht haben.

Das Sozialministerium teilt auf Anfrage mit, dass es „an einer Weiterentwicklung des Zukunftsplans Jugend arbeitet“. Das Kabinett müsse aber noch zustimmen. Deshalb könnten keine genauen Angaben gemacht werden, ob und wann innovative Jugend-Projekte fortgesetzt werden.