Dornstadt / THOMAS STEIBADLER Das Scheitern eines Grundstücksgeschäfts in Dornstadt und seine Folgen: Schmale Fahrgasse statt kostenloser Parkplätze.

Die Lage ist verzwickt. Wie verzwickt, ist an dem Bauzaun auf dem Grundstück Lange Straße 12 in Dornstadt zu erkennen. Vor allem die Bewohner und Dienstleister in den Gebäuden hinter dem fraglichen Grundstück sowie deren Besucher haben unter dem Ärgernis zu leiden. Wie lange noch, weiß niemand.

Der einzige Weg zu den rückwärtigen Gebäuden führt über das an der Langen Straße gelegene Areal mit der Nummer 12. An sich kein Problem, denn das Wegerecht ist im Grundbuch eingetragen. Und so lange der Bauzaun nicht stand, konnten sogar die etwa 50 Parkplätze kostenlos mitgenutzt werden. Die sind auf dem 3000 Quadratmeter großen Grundstück für den früheren Supermarkt angelegt worden. Auch eine Teppichhandlung und ein Lokal waren schon in dem Gebäude eingerichtet, das nun seit einiger Zeit leersteht. Nun allerdings sind die Parkplätze eingezäunt, nur eine Fahrgasse ist frei.

Er sei mit der Situation auch unzufrieden, sagt der Eigentümer des Areals. Aber er habe keine andere Wahl gehabt, als den Zaun aufzustellen: „Ich muss das machen.“ Würde ein Auto oder gar ein Mensch von einem herabfallenden Ast oder einem Gebäudeteil getroffen, müsste er für den Schaden haften. Nach Auskunft seiner Versicherung trage er das volle Risiko. Um den Anliegern entgegen zu kommen, habe er eine dreieinhalb Meter breite Gasse samt Ausbuchtung offen gelassen. Verpflichtet sei er nur zu einem zweieinhalb Meter breiten Korridor.

Aus rechtlicher Sicht sei an dem Bauzaun nichts auszusetzen, sagt Bürgermeister Rainer Braig. „Ich sehe ein, dass das Gebäude gesichert werden muss.“ Den Ärger der Anwohner und Besucher – unter anderem befinden sich eine Postagentur und eine Arztpraxis in den rückwärtigen Gebäuden – kann er allerdings auch nachvollziehen. Die Gemeinde hat bereits ein Nachbargrundstück gekauft und will auch das jetzige Zaun-Areal erwerben. Mehrere Gespräche haben Braig zufolge allerdings zu keinem Ergebnis geführt.

Dass die Verhandlungen bislang gescheitert sind, „liegt nicht an mir“, sagt der Eigentümer, seine Preisvorstellung sei keineswegs überzogen.

Mehrheit lehnt ab

Das sieht die Mehrheit im Gemeinderat anders. In nichtöffentlicher Sitzung – wie bei Grundstücksangelegenheiten üblich – wurde der Kauf abgelehnt. Als „eindeutig zu hoch“ bezeichnet Herbert Jarosch, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler den verlangten Preis. Karl Knab, Vorsitzender der CDU/BWV-Fraktion gibt dagegen „keinen Kommentar“ zum verlangten Preis ab. Paul Anhorn (SPD) sagt, das Grundstück sei „vielleicht nicht ganz billig“, trotzdem habe er heftig für den Kauf plädiert.

Einhellig bedauern die Faktionsvorsitzenden die Situation am Bauzaun. „Ein Unding“, sagt Anhorn, „ein unhaltbarer Zustand“. Für Karl Knab ist das Gelände „fast ein Schandfleck“. Dass der Eigentümer seiner Verkehrssicherungspflicht nachkommen müsse, verstehe er, aber lange Zeit sei es auch ohne Zaun gegangen. Herbert Jarosch vermutet einen „unmittelbaren Zusammenhang“ mit der Ablehnung des Gemeinderats. Erst hinterher sei der Zaun aufgestellt worden.

Ob doch noch eine Einigung möglich ist? „Der Eigentümer müsste mit einem neuen attraktiven Angebot auf die Gemeinde zukommen“, meint Karl Knab. „Wenn sich die Situation ändert“, sagt Paul Anhorn. Herbert Jarosch ist pessimistisch, er glaube nicht an eine kurzfristige Lösung, sagte er. Keineswegs wolle er der Gemeinde schaden und sei zu weiteren Verhandlungen bereit, betont der Eigentümer. Aber verschenken werde er sein Grundstück nicht.