Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen wie auch die der Bewerber ist in der Region im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Hier mache sich auch der Strukturwandel bemerkbar, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von Agentur für Arbeit, IHK Ulm, Arbeitgeberverband Südwestmetall, DGB Südwürttemberg in Ulm und Handwerkskammer Ulm. Demnach hätten Berufswahlentscheidungen krisenbedingt oft deutlich später stattgefunden als üblich. Dennoch sei der Ausbildungsmarkt weiter ein Bewerbermarkt: Auch jetzt sind noch Ausbildungsplätze frei, und die Berufsberatung ist aktiv, Nachzügler zu vermitteln.
Dass durch die Corona-Krise die Nachfrage nach Fachkräften gebremst wurde, werde sich bei einer wirtschaftlichen Erholung in den kommenden zwei Jahren wieder umkehren. Denn viele Fachkräfte scheiden altersbedingt aus. Die Erwartung: Es fehlen zwischen 2020 und 2030 in der IHK-Region Ulm durchschnittlich mehr als 10 500 Fachkräfte. Wichtig sei es daher, die berufliche Bildung weiter zu stärken.

Berufsmessen fallen aus

In der Metall- und Elektroindustrie haben vor allem kleinere und mittelständische Betriebe Schwierigkeiten, alle Ausbildungsstellen zu besetzen. Dies habe sich durch Corona verschärft. In Zeiten, in denen Bildungsmessen und häufig auch Praktika nicht stattfinden können, seien digitale Formate gefragt. Der DGB warnt davor, dass Betriebe Plätze streichen, um der momentan schwierigen Lage Rechnung zu tragen. Junge Menschen zu beraten und auszubilden, werde auch 2021 eine Herausforderung sein.
Wie die Handwerkskammer betont, habe sich das regionale Handwerk in den vergangenen sechs Jahren stetig über mehr Auszubildende gefreut – bis Corona kam. Zum September haben 181 weniger junge Menschen eine Ausbildung im Kammergebiet begonnen als im Vorjahr. Insgesamt waren es 2765, darunter 390 Abiturienten und 138 Geflüchtete (Vorjahr: 220). Aus- und Einreisebedingungen wie auch Bürokratie während Corona hätten den Start erschwert. Die Bereitschaft der Betriebe, jungen Geflüchteten eine Perspektive zu bieten, sei aber weiterhin da. Auch hier arbeite man mit Hochdruck daran, bis zum Jahresende noch Jugendliche zu vermitteln.