Dietenheim 80 Gäste hören Neujahrsansprache von Bürgermeister Christopher Eh

Auf ein gutes neues Jahr: Bürgermeister Christopher Eh (zweiter von links) stößt an mit Maximilian Lohner, Helga Roth und Hermann Jehle (von links) aus Dietenheim.
Auf ein gutes neues Jahr: Bürgermeister Christopher Eh (zweiter von links) stößt an mit Maximilian Lohner, Helga Roth und Hermann Jehle (von links) aus Dietenheim. © Foto: Beate Reuter-Manz
BEATE REUTER-MANZ 02.01.2015
Bei Sekt und Häppchen haben am Donnerstag rund 80 Dietenheimer auf 2015 angestoßen. Die Flüchtlingsproblematik stellte Bürgermeister Christopher Eh in den Mittelpunkt seiner Neujahrsansprache.

Der Händedruck war wie immer fest, auch am Neujahrsmorgen, trotz kurzer Nacht: Zusammen mit Ehegattin Birgit hat Christopher Eh gestern seine Gäste zum Neujahrsempfang persönlich willkommen geheißen. Was für Oberbürgermeister Ivo Gönner in Ulm die Schwörrede, ist für den Dietenheimer Bürgermeister seine Neujahrsansprache, die nunmehr dritte in seiner Amtszeit: In 25 Minuten blickte der Schultes nicht nur zurück und voraus, sondern lieferte den 80 Gästen im Sitzungssaal auch einige neue Informationen.

Vor allem aber sprach der Bürgermeister klare Worte, zur Flüchtlingsproblematik, mit der sich der Ortsteil Regglisweiler nach einem anonymen Flugblatt mit hetzerischem Inhalt zuletzt in die Negativ-Schlagzeilen befördert hatte. Wolle Dietenheim eine weltoffene und moderne Stadt sein, dann gehöre dazu, dass Flüchtlinge Schutz erhielten; zumal nach den vielen Krisen und Konflikten, den jäh aufgeflammten Kämpfen und der Brutalität, die 2014 kennzeichneten. Wenige, "leider auch in Regglisweiler", hätten die Haltung: "Vordergründiges Mitgefühl ja, aber Unterkunft bei uns im Ort nein." Für Eh ist das ein "unmenschlichen Ansatz". Uneingeschränkt gelte für Dietenheim: "Mitgefühl ja, Unterkunft ja, Schutz vor politischer Verfolgung ja". Für diese klare Ansage erhielt das Stadtoberhaupt den ersten Zwischenbeifall. Mit seinen derzeit rund 2000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen - einem ungewöhnlich hohen Stand - sei die Stadt dazu auch finanziell in der Lage.

Den zweiten Applaus gab es für die Anstrengungen, die Eh unter dem Stichwort "Familienfreundliche Stadt" zusammenfasste, mit dem Schwerpunkt einer guten Betreuung und Bildung der Kinder. "Wir Erwachsenen sind es unseren Kindern schuldig, ihnen alle erdenklichen Chancen zu geben." Eh nannte die neu Kindertagesstätte St. Maria, deren Einzug nach einer Wasserpanne getrübt war. Doch am 5. Januar soll der zweite Umzugsversuch starten und am 6. Februar offiziell Einweihung sein. Zweiter Schwerpunkt in dem Paket sind laut Eh die Schulen. Neben der Gemeinschaftsschule Illertal mit den Standorten Dietenheim und Illerrieden wird zum kommenden Schuljahr auch an den Grundschulen und der Förderschule die Ganztagesbetreuung eingeführt. Last not least gilt der Jugendarbeit ein hoher Stellenwert. Schulsozialarbeit gibt es mittlerweile an allen Schulen in der Stadt. Von der Verlegung des Jugendhauses auf den Schulcampus erhoffe man sich weitere positive Effekte, sagte der Schultes.

Das gilt auch für die Innenstadtsanierung. Einige, "lange auf der Wunschliste stehende" Schlüsselgrundstücke habe die Stadt erwerben können, darunter das Gebäude Königstraße 64. Dort soll, wie berichtet, ein neuer, schmucker Platz entstehen. Lob richtete Eh auch an private Investoren, die nicht nur für weitere Hotelzimmer, sondern auch für 30 hochwertige Wohnungen in der Innenstadt sorgen. Dafür gab es Zwischenapplaus Nummer drei.

Auch 2015 will die Verwaltung am Grundsatz festhalten, Privaterschließungen von Baugebieten grundsätzlich nicht zuzulassen: "Dies schützt vor Grundstücksspekulationen und hält die Preise dauerhaft auf angemessenem Niveau."

Mit dem vierten Applaus bedachten die aufmerksamen Zuhörer jenes Projekt, das die Textilwirtschaft am Standort Dietenheim wieder aufleben lassen will, entstanden nach einer Idee von Andres Merkel, Geschäftsführer der Firma Gebrüder Otto. Ende Januar beginnen Uni Ulm und Fachhochschule Reutlingen, ausgestattet mit einer Million Euro Forschungsgeldern, mit der Projektarbeit, verkündete Eh.

Bis zum Sommer soll das Gasthaus "Rose", das sich in städtischem Eigentum befindet, von Grund auf saniert sein. Der Zeitpunkt bietet sich an, weil sich die Pächterfamilie Häußler nach mehr als 30 Jahren im April aus der "Rose" zurückzieht, um sich auf die erweiterte Leitung des Hotels Peterhof zu konzentrieren. Die Suche nach einem Nachfolger laufe auf Hochtouren. Der fünfte Zwischenapplaus der Neujahrs-Gäste galt Beschäftigten der Stadt, Feuerwehr und vor allem dem Bauhof, der, wie Eh betonte, in den vergangenen Schneetagen mit 16-Stunden-Diensten Immenses geleistet habe.

Mit klassischer Marschmusik umrahmte ein Blechbläserquartett der Stadtkapelle die erste öffentliche Dietenheimer Veranstaltung im Jahr 2015.